Windkraft 28.02.2003, 18:24 Uhr

Geld verdienen mit „windiger“ Anlage

Windkraftfonds haben Konjunktur. Steuervorteile und langfristig garantierte Erträge locken die Anleger. Doch bei manchem Windpark bleibt die Rendite hinter den Versprechungen zurück. Eine neue Checkliste hilft bei der Wahl des richtigen Fonds.

Windkraftfonds sind zu einem echten Steuersparmodell geworden, der Absatz der Fonds ist derzeit in stürmischem Aufwind. 120 000 Anleger hätten bereits seit 1995 rund 1,5 Mrd. ! an Eigenkapital in die „Windmühlen“ gesteckt, hat der Bundesverband Windenergie (BWE) ermittelt. Im Schnitt würden 12 500 ! je Fondsanteil gezeichnet. Bis zum Jahr 2004 würden weitere 280 000 Menschen ihr Erspartes für diese Technik einsetzen.
Neben der „politisch korrekten“ Geldanlage bieten viele Fonds inzwischen finanziellen Gewinn: Im Jahr der Zeichnung können alle Steuervorteile erzielt werden, weil hohe Anfangsverluste auflaufen. Zu den regulären Abschreibungen – die Windmühlen können als Mobilien in 16 Jahren abgeschrieben werden – kommen Sonderabschreibungen nach § 7b Einkommensteuergesetz.
Schließlich werden die Steuervorteile durch eine hohe Fremdfinanzierung von bis zu 70 % nach oben gehebelt. Die Windkraftfonds können es sich sogar leisten, die Nebenkosten voll zu aktivieren und in 16 Jahren abzuschreiben, ohne an steuerlicher Attraktivität zu verlieren.
Trotzdem darf der Anleger die Risiken nicht unterschätzen. „In einem kann der Anleger, der sein Geld in Windkraftfonds investiert, sicher sein: Der prognostizierte Ertrag wird nie exakt erreicht”, sagt Jens Peter Wolters, Chef des Anlegerbeirats beim BWE. Nach zwei windarmen Jahren mussten viele Prognosen nach unten korrigiert werden. Andere Prospekte, die für die Geldanlage in „Windmühlen” werben, sind dagegen zu konservativ geschrieben: Dort liegt der Umsatz, den umweltverträglich erzeugter Strom aus Windkraft in die Kassen weht, über den Erwartungen.
Grundsätzlich empfiehlt Wolters die Fonds-Anlage in Windkraft. Sie sei ökologisch sauber und wirtschaftlich sinnvoll, meint er. Der Stromabsatz sei per Gesetz auf 20 Jahre zum festen Preis garantiert. Aber „mit einer grünen Anlage müssen auch schwarze Zahlen geschrieben werden”, meint er – nicht zuletzt um zu verhindern, dass der stetig wachsende Geldfluss in die Windkraft versiegt. Damit sich das Investment lohnt, hat der Bundesverband Windenergie eine Checkliste erarbeitet. Mit ihr können die Prospekte geprüft werden, die über einzelne Windparks informieren.
Auf Empfehlungen wie bei Stiftung Warentest verzichtet der BWE. Allerdings erwartet er, dass über eine Laufzeit des Fonds von 20 Jahren aus 100 ! gezeichnetem Kapital mindestens 280 ! werden. Ist die Verzinsung geringer, so lohne die Anlage nicht.
Damit sich die versprochene Rendite auch einstellt, sollten Anleger ganz kritisch bei den versprochenen Winderträgen hinschauen. 31 „Prüfsteine” sind zu beachten. Position für Position vergibt der Verband Noten. Die mit drei Sternen höchste steht dafür, dass ein Fonds die Vorgaben des Verbands übertrifft. Mit zwei Sternen wird die Einhaltung der Mindestkriterien gekennzeichnet. Ein Stern signalisiert, dass immerhin keine erhöhten Risiken vorliegen. Besondere Risiken werden mit einem Ausrufezeichen gekennzeichnet.
Zwei Sterne ist es dem BWE wert, wenn mindestens zwei Windgutachten für einen Standort vorliegen, an dem Windmühlen errichtet werden sollen. Dabei sollte der Anleger darauf achten, dass die Gutachten auf verschiedenen Messmethoden basieren und der Fondsanbieter in seine Kalkulation das Gutachten mit den niedrigeren Erträgen einfließen lässt. Der Hersteller der Anlage sollte garantieren, dass die Windmühle über fünf Jahre mindestens zu 96 % bis 98 % verfügbar, also nicht sehr reparaturanfällig ist.
Häufig viel zu niedrig angegeben sind die Wartungskosten für die Anlagen, die der BWE auf rund 20 % des Gesamtumsatzes schätzt. Und schließlich müssen Rücklagen gebildet werden, um an einem fernen Tag die Windmühlen wieder abzubauen.
Wer sich auf den Fonds-Check einlassen will, kann die Liste für 15 € unter der Telefonnummer 0541/350 60 anfordern. MARTIN ROTHENBERG

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