Energie 12.03.2010, 18:33 Uhr

Gaswirtschaft in Deutschland muss sich umstellen  

Deutschlands Stromversorgung steht vor dem Umbau. In Berlin traf sich diese Woche die Branche auf dem „Treffpunkt Netze 2010“. Dabei ging es nicht nur um Smart Grids, intelligente Infrastruktur, für die Stromwirtschaft. Gebeutelt von sinkendem Verbrauch und steigender Biogas-Erzeugung beginnt auch im Gasmarkt die Diskussion um Smart Gasgrids. VDI nachrichten, Berlin, 12. 3. 10, swe

Die Gaswirtschaft in Deutschland und Europa wird sich umstellen müssen. Davon ist Robert Hinterberger vom Forschungsinstitut Energy Research Austria überzeugt. Der Ingenieur ist der Überzeugung, dass Smart Gasgrids kommen werden. „Wir glauben, dass es in Zukunft viel mehr Marktteilnehmer geben wird und dass ein Kunde verschiedene Energiemengen von verschiedenen Lieferanten beziehen wird“, skizzierte er auf dem Kongress „Treffpunkt Netze 2010“ des Branchenverbandes BDEW den Energiemarkt von morgen.

Hinterberger forscht bei Energy Research Austria am Smart Gasgrid. Er soll für Österreich ein Konzept von Leuchtturmprojekten erstellen, das – vergleichbar den deutschen E-Energy-Projekten für die Smart Grids im Strombereich – die Machbarkeit in der Praxis erproben soll.

„Biogas erfordert eine Anpassung in der Netzinfrastruktur“, benannte Hinterberger am Dienstag auf dem Kongress in Berlin einen der Treiber bei diesem Netzumbau. Gas fließe bislang in Netzen nur in eine Richtung. Als Vision zeichnete er ein bidirektionales Gasnetz über alle Netzebenen hinweg. Nötig seien „atmende Gasnetze“, deren Betriebsdruck anpassbar sei an den Verbrauch, um auch Methanleckagen zu minimieren.

„Wir müssen mit Blick auf Bio-Erdgas die Netze ausbauen“, assistierte ihm Roger Kohlmann aus der Hauptgeschäftsführung des BDEW. Die Einspeisevolumina würden innerhalb einer Dekade von 0 auf 6 Mrd. m³ steigen. Auch Kohlmann denkt in die Zukunft: „Es stellt sich die Frage, wie Smart Gasgrids inklusive ihrer Speicher bei der Stromspeicherung einspringen können.“ Hier könnten sich nach Kohlmanns Ausführung Smart Grids für den Strom mit Smart Gasgrids verbinden.

Nötig sei eine Änderung der Netztopologie, das beeinflusse Netzauslegung und Standortwahl, ist Hinterberger überzeugt. Denn eine dezentrale Einspeisung von Biogas und anderen „grünen“ Gasen wie Klär- oder Grubengas sei bisher nur in sehr begrenztem Umfang möglich, zu 1 % bis 2 %. Langfristig planten aber Länder wie die Niederlande einen Anteil dieser „grünen“ Gase von 20 %.

Nicht nur über neue Gasnetze sei nachzudenken, so der Ingenieur: „Hier geht es auch um neue Umwandlungstechnologie von Biomasse in Biogas jenseits der Fermentation.“

Die Gasbranche, so Hinterberger, solle sich auf dezentrale, kleine Speicher einstellen. Als ideale Betreiber und Standorte benennt er Industrieunternehmen . „Wo es durch Biogas dezentrale Einspeisung gibt, wird es dezentrale Gasspeicher geben müssen“, ist er überzeugt. Mit dem Aufbau von virtuellen Gasspeichern könnten Gasnetzbetreiber künftig ihre Leitungen entlasten.

Christoph von dem Busche, Geschäftsführer bei Wingas Transport, wies darauf hin, dass der Netzausbau beim Gas im Vergleich zum Stromnetz nur schleppend vorankäme. „Alle Projekte mussten nachweisen, dass sie ohne Regulierung nicht zustande gekommen wären“, benannte er ein Investitionshemmnis.

Detlef Dauke, Abteilungsleiter beim Bundeswirtschaftsministerium, wollte das so nicht stehen lassen und wies darauf hin, dass der Bundesnetzagentur in Bonn noch Gasleitungsprojekte zur Genehmigung vorliegen würden. Er räumte jedoch ein: „Wir müssen an bestimmten Stellschrauben nachjustieren.“ Es ginge darum, Investitionssicherheit zu ermöglichen. Daher seien Einladungen für einen runden Tisch von BMWi, Bundesnetzagentur und Gaswirtschaft herausgegangen, um die Probleme gemeinsam anzugehen.

Für den Bereich der Stromnetze kündigte Detlef Dauke an, ein neues Konzept für den Netzausbau lege das BMWi Ende März vor. Auch halte sein Ministerium am Ziel einer „Deutschen Netz AG“ fest. Dies trotz des Verkaufs der Stromübertragungsnetze von E.on an die niederländische Tennet. Er könnte sich auch vorstellen, europäische Teilnetze miteinzubeziehen.

Dauke warnte davor, von dem für den Herbst avisierten neuen Energiekonzept der Bundesregierung zu viel zu erwarten. „Es gibt 17 Energiekonzepte seit 1970. Das ist kein Businesscase für die Branche bis 2025. Wir brauchen Flexibilität in den nächsten Jahren“, mahnte er Kreativität in der Energiewirtschaft an. Roger Kohlmann vom BDEW schließlich forderte, beim Ausbau der Smart Grids die Kosten nicht aus den Augen zu verlieren: „Wir müssen sehen, wo Informations- und Kommunikationstechnologien Sinn machen und wo wir einfach mehr Kupfer unter die Erde verlegen. swe

Von Stephan W. Eder
Von Stephan W. Eder

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