Energie 08.06.2007, 19:28 Uhr

Funk übermittelt Stromdaten  

VDI nachrichten, Nürnberg, 8. 6. 07, mg – Der Verband der Netzbetreiber befasst sich nicht nur mit Hochspannungsnetzen und großen Strommengen. Er diskutiert auch die Entwicklung von Stromzählern, die per Funk die Daten zwischen Privathaushalten und den Rechenzentren der Energieversorger übertragen. Dies machte auch kürzlich der Kongress „ZMP 2007 – Zählen – Messen – Prüfen“ in Nürnberg deutlich.

Smart Metering: Der Begriff war in fast aller Munde auf der Konferenz des Verbandes der Netzbetreiber im Nürnberger Messezentrum. Dabei steckt die funkgestützte Kommunikation zwischen Stromzählern bei Privatverbrauchern und den Zentralen von Energieversorgungsunternehmen oder Stadtwerken noch in den Kinderschuhen. Die Stromdatenübertragung von Großverbrauchern auf Zentralen der Energieversorger und Netzbetreiber ist dagegen bereits üblich.

Der „kleine“ Energiedatentransfer per Funk ist in Deutschland noch nicht weit verbreitet. „In Südosteuropa oder auf den Philippinen läuft unser System bereits seit zwei Jahren“, berichtet René Giebel vom Elektro-Zählerhersteller EMH aus Wittenburg. „In Deutschland führen wir zurzeit mit den Stadtwerken in Rosenheim ein Referenzprojekt zur Funkauslesung von Elektrizitätszählern durch.“

Das Konzept sieht recht einfach aus. Auf einen digitalen Tarifzähler ist eine kleine Funkantenne geschraubt: Die überträgt die Messwerte auf einen Datensammler in einer Trafostation oder direkt in die Leitzentrale. Doch hierzulande tauchen dabei Probleme auf, die es beispielsweise in Südostasien nicht gibt: Dort sind die Stromzähler meist im Erdgeschoss, oft sogar außen am Gebäude montiert. In Deutschland sind die meisten Strommesser im Keller angebracht, wo die Betondecke das Funksignal dämpft.

Dies bestätigt auch Thomas Küstner von der Stadtwerke Rosenheim Netze GmbH: „Die Funkleistung musste erhöht werden.“ Doch mehr Probleme gab es laut Küstner an anderer Stelle: Die verwendeten Softwarepakete – einerseits das bei den Stadtwerken eingeführte Ableseprogramm, andererseits das Übertragungsprogramm von EMH – sind noch nicht optimal aufeinander eingestellt.

Doch das lässt sich lösen und dann habe die Funktechnik viel Gutes zu bieten, erläutert der Rosenheimer Netznutzungsmanager: „Man ist schneller bei Kundenwechsel, denn man hat den Zählerstand sofort. Es gibt die Möglichkeit, per Fernwartung die Zähler auf eine bestimmte Leistung einzuschränken oder ganz zu sperren. Netz- oder Messstellenbetreiber brauchen niemanden mehr ins Haus des Kunden zu senden“, etwa wenn der die Rechnung nicht bezahlt.

Unterschiedliche Computerprogramme aufeinander abzustimmen und so die Qualität der Messwerte zu verbessern – das hat auch Dr. Michael Krumpholz von der Görlitz AG im Blick: „Jeder interne Datenaustausch senkt die Prozessqualität und erhöht das Prozessrisiko“, spricht er die juristische Seite mangelhafter Daten an.

Damit rennt er bei Dr. Martin Kahmann von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt Braunschweig offene Türen ein: „Die Transparenzpflicht auf Grund der Eichordnung“, klärt er die Netzbetreiber auf. Daraus ergäben sich rechtliche Gefahren, wenn die Daten nicht stimmen, erläutert Kahmann.

Optimale Messwerte sind jedoch Voraussetzung, um künftig Bilanzkreise verbindlich abzurechnen: Eine Pflicht, die bald kommen wird, wenn auch später als vom Gesetzgeber gewünscht, glaubt man Hans-Joachim Dorn von der EnBW Vertriebs- und Servicegesellschaft. Die Bundesnetzagentur mache gewaltig „Druck auf die Verteilnetzbetreiber“, wenn man dem Zähl- und Energiedatenmanager Glauben schenkt. Auch von anderer Seite nehme der Druck auf die bisher meist nur mit dem Leitungsbau befassten, kleinen Netzbetreiber ständig zu, macht Dirk Briese von der Bremer TrendResearch GmbH deutlich. Dienstleister für unterschiedlichste Bereiche drängten auf den „Markt für Zählerwesen und Ablesung“. Der war bisher im Strom- und Gasbereich fast allein den vor Ort tätigen Energieversorgern vorbehalten.

Stellt sich die Frage: „Was kann die Zukunft bringen?“ Die wurde auch durch die Diskussionsrunde unter Leitung von Peter Zeyer von der Saarbrücker VSE AG nicht endgültig geklärt. Nur, dass es spannend bleibt bei den Netzbetreibern, war einhellige Meinung. HEINZ WRANESCHITZ

Funktechnik erleichtert den Kundenwechsel

Ein Beitrag von:

  • Heinz Wraneschitz

    Freier Fachjornalist in der Metropolregion Nürnberg. Der Ingenieur für Elektrische Energietechnik arbeitet viele Jahre in der Industrie, u.a. Zentrumsleiter für ein herstellerunabhängiges Solarberatungsunternehmen. Seit 2005 ist er mit dem Redaktionsbüro bildtext.de hauptberuflich journalistisch tätig. Seine Themen sind Umwelt, Energie und Wirtschaft.

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