Immunsystem angegriffen 28.07.2014, 13:38 Uhr

Fukushima-Katastrophe führt zu hoher Strahlenbelastung bei Affen

Die Atomkatastrophe von Fukushima hat wie erwartet erhebliche Auswirkungen auf Gesundheits- und Immunsystem von Primaten. Japanische Forscher haben 61 Affen aus der Region untersucht und dabei erhebliche Strahlenbelastungen festgestellt. Die Forscher fanden nicht nur hohe Konzentrationen an radioaktivem Cäsium in den Muskeln der Tiere. Auch ihr Immunsystem ist geschwächt. 

Japanmakaken in einem Zoo in Nagano: Ihre Artgenossen in der Umgebung von Fukushima haben nicht nur radioaktives Cäsium in ihren Muskeln eingelagert, sondern auch deutlich weniger rote und weiße Blutkörperchen. 

Japanmakaken in einem Zoo in Nagano: Ihre Artgenossen in der Umgebung von Fukushima haben nicht nur radioaktives Cäsium in ihren Muskeln eingelagert, sondern auch deutlich weniger rote und weiße Blutkörperchen. 

Foto: Wikimedia/Yosemite

Der japanische Forscher Shin-ishi Hayama von der Nippon Veterinary and Life Science University in Tokio hat gemeinsam mit einer Forschergruppe 61 Affen aus der Umgebung des im März 2011 havarierten Kernkraftwerks Fukushima untersucht. Die Affen wurden zwischen April 2012 und März 2013 in der Umgebung der Stadt Fukushima gefangen, die immerhin rund 70 Kilometer vom Kraftwerk entfernt liegt. Verglichen wurden die Werte der Affen mit 31 Vergleichstieren der Halbinsel Shimokita, etwa 400 Kilometer entfernt.

Reaktorkatastrophe hat das Immunsystem der Tiere geschwächt

Das Ergebnis: In den Japanmakaken aus Fukushima fanden die Forscher im Muskelgewebe bis zu 1778 Becquerel Cäsium pro Kilogramm. In den Muskeln der Kontrollgruppe fanden die Forscher hingegen kein Cäsium. Das radioaktive Isotop Cäsium 137 wird bei Atomunfällen frei, wenn der Kern betroffen ist. 

Arbeiten zur Kühlung der Reaktoren am havarierten Atomkraftwerk Fukushima im April 2011: Die Katastrophe begann am 11. März mit einem Erdbeben. Kurze Zeit später kam es in drei Reaktorblöcken zum Gau.

Arbeiten zur Kühlung der Reaktoren am havarierten Atomkraftwerk Fukushima im April 2011: Die Katastrophe begann am 11. März mit einem Erdbeben. Kurze Zeit später kam es in drei Reaktorblöcken zum Gau.

Foto: dpa

Doch nicht nur die Strahlenwerte der Affen aus Fukushima waren besorgniserregend. Auch die Blutwerte der Tiere zeigten auffällige Veränderungen. Die Zahl der weißen und roten Blutkörperchen war geringer als üblich, ebenso die Werte von Hämoglobin und Hämatokrit. Hämoglobin ist für den Sauerstofftransport zuständig, der Hämatokrit-Wert gibt die Konzentration der roten Blutzellen im Körper an. Die Forscher schließen aus den Analysen auf ein geschwächtes Immunsystem, die betroffenen Affen sind also anfälliger gegen Infektionserkrankungen.

Jungtiere scheinen anfälliger für radioaktive Strahlung

Einen Zusammenhang zwischen Cäsium-Anreicherung in den Muskeln und veränderten Blutwerten fanden die Wissenschaftler bei erwachsenen Tieren nicht, wohl aber bei jugendlichen. Sie vermuten, dass der junge Organismus anfälliger ist für radioaktive Strahlung.

Dazu passt, dass bei Kindern, die in der Nähe von Tschernobyl lebten und nach dem Unfall verseucht wurden, ähnliche Symptome festgestellt wurden. Die japanischen Forscher schlagen Langzeitstudien vor, um den Gesundheitszustand der Menschen zu überwachen, die in der Nähe der Unglücksreaktoren lebten.

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