Energie 25.06.1999, 17:22 Uhr

Für Privatkunden: Günstiger Strom vom Supermarkt

Eine Marketing-Aktion macht Furore. Die ProMarkt-Technikhandelskette will gemeinsam mit dem Berliner Energiehändler Ares in seinen Märkten Billigstrom verkaufen. Doch in Ostdeutschland fühlen sich die Privatkunden verunsichert.

Ganz so einfach, wie es sich die Handelskette ProMarkt und der Berliner Energiehändler Ares Energie AG vorgestellt haben, geht es zumindest im Osten der Republik noch nicht. Ares und Promarkt versprechen Haushalten in einer bundesweiten Marketing-Aktion Strom zum Discountpreis von 29,5 Pf/kWh, das sind rund 20 % weniger als die Stadtwerke verlangen. Bei den Verbrauchern kommt das Angebot gut an, denn damit würden erstmals auch sie von der Liberalisierung des Marktes profitieren. Bislang war dies allein den Großunternehmen vorbehalten. Ares indes buhlt um die vielen kleinen Stromabnehmer, und das sehr originell in allen 60 Filialen von Pro- und MakroMarkt.
Das Konzept: Ares kauft Strom preiswert ein und verkauft ihn mit einer vergleichsweisen kleinen Gewinnmarge an die Haushalte. Doch bis zum Verbraucher muß der Strom erst durch die Leitungen der Regionalversorger transportiert werden. Und das kostet Geld. Das neue Energiegesetz hebt zwar die alten Versorgungsmonopole auf und gestattet die Leitung „fremden“ Stromes durch das Netz des regionalen Energieversorgungs-Unternehmens (EVU). Doch dieses zeigt kaum Neigung, den Strom des Wettbewerbers ins eigene Netz zu holen. Streit um die Durchleitungsgebühren bahnt sich an. Und solange über den Preis gestritten wird, kann auch kein Billigstrom fließen. Doch ab 1. Oktober 1999 soll sich das ändern, bis dahin müssen transparente und auch in der Höhe moderate Durchleitungspreise festgelegt sein, fordert die Bundesregierung.
Der Billigstrom von Ares kann dann in Westdeutschland den Markt aufmischen. Doch in Ostdeutschland gehen die Uhren (manchmal) anders. Freier Stromhandel auch im Osten? Der Berliner Stromhändler sieht da keine Probleme und wirbt fleißig in dortigen ProMarkt-Filialen. Doch die in Fürstenwalde, Brandenburg, ansässige Edis Energie Nord AG hält die ganze Aktion für unausgereift. Zwischen ProMarkt/Ares und Edis gebe es keine Durchleitungsvereinbarungen, erklärt Pressesprecher Thorsten Meinsen.
Der neue, kürzlich aus den ostdeutschen PreussenElektratöchtern EMO, ESO, Mevag und Hevag zu Edis fusionierte Konzern warnt die Haushalte vor voreiligen Kündigungen. Edis würde dann keinen Strom mehr liefern, heißt es.
Oda Dörffel, Marketingchefin der Ares Energie AG beruhigt: „Alles Unsinn. Die Energieversorger sind zur Grundversorgung verpflichtet und dürfen nicht einfach ihre Lieferung einstellen.“ Doch warum gibt es noch nicht diesen Durchleitungsvertrag? Edis-Sprecher Meinsen erklärt: „Ares hat bis zum heutigen Tag mit uns keinen Kontakt aufgenommen.“ Dörffel hält diese Aussage für Propaganda. „Wir beantragen erst dann die Durchleitung, wenn uns Kunden dazu beauftragen.“
Doch die Edis AG kontert: So ohne weiteres sei im Osten eine Regelung nicht möglich. Meinsen erinnert, daß sich die Ost-EVU – auf Drängen der Politiker – verpflichtet haben, Braunkohlestrom zum Schutz des Lausitzer Braunkohlebergbaus abzunehmen. „Würden wir anderen Strom durch unsere Leitungen lassen, gingen viele Arbeitsplätze in der Region verloren“, hält Meinsen vor. Außerdem würden im Wettbewerb dann die ostdeutschen EVU benachteiligt sein. „Chancengleichheit kann aber nur hergestellt werden, wenn auch wir Alternativen zum Braunkohlestrom hätten. Doch dann würde das Ende des Braunkohlebergbaus in Ostdeutschland eingeläutet werden“, glaubt Meinsen. Ares hält diese Argumentation für einen Vorwand: „Wir sind ja bereit, sogar Braunkohlestrom aus Ostdeutschland an die Haushalte für 29,5 Pf/kWh zu verkaufen“, versichert Dörffel.
Die Edis AG sieht aber eine weitere Schwierigkeit beim Wettbewerb um die Haushaltskunden: Das ist die komplizierte Preisbildung für die Durchleitung. Bisher würden die Durchleitungsgebühren nach der Entfernung ermittelt. So ergäben sich individuelle Preise. Außerdem seien besondere Meßgeräte in jedem Haushalt nötig, die den Strom wieder verteuern würden. Eine Kilometerpauschale für den Strom gebe es nicht. „Alles Quatsch“, schimpft Ares Marketingchefin Dörffel. Diese Kilometerzähler brauche kein Mensch. Die Ares AG habe gute Beispiele mit ihren rund 50 Verträgen zur Durchleitung geschaffen.
Auch der überregionale ostdeutsche Stromkonzern Veag meint, daß jetzt schon den ostdeutschen Haushalten Billigstrom angeboten werden könnte. Im Durchschnitt ist der im Osten angebotene Strom mindestens 2 Pf/kWh teurer als im Westen. Der Veag-Konzern selbst beliefert nur große Industriekunden und die EVU. Diesen Kunden hat sie Preisnachlässe von 400 Mio. DM pro Jahr gewährt, sagt Veag-Sprecher Immo von Fallois. Doch die Preisvergünstigungen würden leider nicht bis zu den Haushalten weitergereicht. Auch die Braunkohleschutzklausel stünde einer Preissenkung nicht im Wege.
Mit der ProMarkt/Ares-Werbeaktion für den Billigstrom ist Dörffel sehr zufrieden. Bereits nach etwa einer Woche hätten sich fast 1000 Haushalte und kleine Firmen zur Lieferung von Strom zum Discountpreis angemeldet. „Wir stoßen auf großes Interesse. Die Leute fragen sich, warum Großunternehmen Preisrabatte erhalten und Haushalte wie in Monopolzeiten den Strom teuer bezahlen müssen.“
UWE BÄSE
Ob Strom oder Waschmaschinen verkauft werden – ProMarkt und Ares rühren kräftig die Werbetrommel.

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