Energie 17.06.2005, 18:39 Uhr

Frische Power aus dem Meer  

Dennoch verfügen Wellen-, Gezeiten- und Strömungskraftwerke über ein großes Potenzial. Jetzt steigt Voith Siemens Hydro in den noch jungen Markt ein. Eine neue Form der regenerativen Energie entwickelt sich.

Wellen-, Gezeiten- und Strömungskraftwerke bilden neben Bio-, Wind- und Sonnenenergie sowie Wasserkraft und Geothermie eine weitere potenzielle Säule der regenerativen Energieversorgung. Aber eben nur potenziell. Denn der Weg bis zur leistungsfähigen Anlage ist mühselig, damit Industrie und Haushalte in den Genuss von Strom aus den Ozeanen kommen. Immerhin: Der Weltenergierat in London kalkuliert, dass 15 % des künftigen Energiebedarfs mit derartigen Technologien aus dem Meer gewonnen werden könnten.

Trotz jahrelanger Bemühungen fehlt indes noch der große technische Wurf, denn die Energie aus dem Meer umzuwandeln ist ein in der Praxis aufwändiges Unterfangen. Mehrere Dutzend Firmen weltweit feilen seit gut einem Jahrzehnt an unterschiedlichen Lösungen ober- und unterhalb der Wasseroberfläche bzw. an Land. Bisher waren die Planungsbüros zumeist mit spärlichen Fördermitteln von der öffentlichen Hand ausgestattet. Auch deshalb schleppt sich die komplexe Anlagenentwicklung über Jahre dahin.

Langsam erkennen aber auch die Konzerne das große Potenzial. Als erster Big Player weltweit ist Voith Siemens Hydro, Heidenheim, in den Markt eingestiegen. Voith übernahm vor kurzem die im schottischen Inverness ansässige Firma Wavegen. Das 1990 gegründete Unternehmen ist einer der Pioniere beim Bau von Wellenenergiesystemen.

Mit dem Erwerb von Wavegen strebt Voith Siemens Hydro eine führende Rolle bei der Entwicklung innovativer Technologien für die Energieerzeugung aus Wasser an. Die Kommerzialisierung der bestehenden Technik für küstennahe Kraftwerke stünde unmittelbar bevor, teilt das Unternehmen mit. Erste Standorte und Projekte seien bereits identifiziert. „Für uns sind die Deutschen aufgrund der weltweiten Distributionskanäle der ideale Partner“, freut sich David Langston, Business Development Director bei Wavegen.

Die im neuen Verbund mit Voith Siemens Hydro aufgegangene technologische Kompetenz von Wavegen besteht im Entwurf so genannter Auffangkammern für schwingende Wassersäulen sowie in einem Leistungsentnahmesystem über Turbine und Generator.

Ein auf der schottischen Insel Islay installierter Prototyp „Limpet“ speist bereits seit drei Jahren Strom ins Netz ein. Das patentierte Verfahren nutzt dabei die Bewegung der Wellen und der darin enthaltenen kinetischen Energie. Die Wellen werden in einer Kammer gesammelt, erzeugen dort Druckunterschiede in der Luft. Diese treiben Turbine und Generator an und produzieren den elektrischen Strom.

Erst einmal muss aber auch diese Technologie weiter erprobt werden. Es erfordert eine ausgefeilte Technik sowie Stromnetze, um die Energie ins Netz einzuspeisen. Ein ideales Experimentierbecken für das „Real time monitoring“ der Wellen- und Gezeitenenergie sind die Orkney Islands.

Am Rande des malerischen kleinen Dorfes Stromness befindet sich das erste europäische Testzentrum für unterschiedliche Prototypen – das European Marine Energy Centre (Emec). Mehrere Versuchsbecken an unterschiedlichen Standorten in bis zu 50 m Tiefe mit einer direkten Verbindung ins Stromnetz stehen für aufwändige und langwierige Prozeduren bereit.

„Die Betreiber wissen, dass die Lösungen überall einsatzfähig sind, wenn sie in diesem rauen Umfeld bestehen“, sagt Emec-Direktor Andrew Mill. Offenbar mit großem Erfolg getestet hat hier auch der Entwickler Ocean Power Delivery (OPD) aus Edinburgh. Das Unternehmen schloss vor kurzem den ersten kommerziellen Vertrag ab.

Ein Konsortium unter Führung von Enersys will an Portugals Nordküste zunächst 8 Mio. € in den Bau eines schwimmenden Wellenenergiekonverters investieren. Das Projekt startet vorerst mit zwei Anlagen. Läuft alles planmäßig, kann es 1500 Haushalte mit Strom versorgen. Das futuristische rote Outfit von „Pelamis“ ist schlangenförmig. Darin verbirgt sich ein reichhaltiges High-Tech-Innenleben: Variable zylindrische Sektoren nehmen die Bewegung der Wellen an jedem Punkt des Objekts auf. Hydraulische Motoren erzeugen die elektrische Energie. „Wellenenergie kann durchaus zu vergleichbaren Kosten wie die Windenergie oder andere erneuerbare Energien produziert werden“, behauptet Max Carcas, Business Development Manager bei OPD. LOTHAR LOCHMAIER

Von Lothar Lochmaier
Von Lothar Lochmaier

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