Photovoltaik 10.10.2003, 18:26 Uhr

Französische Solartechnik lebt vom Export

Bis 95 % seines Produktionsvolumens führt der französische Solarmodulhersteller Photowatt aus, etwa die Hälfte davon nach Deutschland. Daher hofft das Unternehmen mit seinem Werk bei Lyon auf eine Fortsetzung der deutschen Förderprogramme. Im eigenen Land spielt Photovoltaik nur ein Schattendasein.

Die Veränderungen im deutschen Markt für Photovoltaik beobachtet Markus Kirscht mit großem Interesse. Kein Wunder. Denn Kirscht ist Exportleiter bei der französischen Photowatt International S. A. in Bourgoin-Jallieu bei Lyon, einem Hersteller von Photovoltaikmodulen, der immerhin 50 % seiner Produktion nach Deutschland ausführt.
„Noch bis Mitte September gab es gute Geschäfte auf dem deutschen Markt für Solarstrom“, sagt Kirscht. Dann habe es sich mit zeitlicher Verzögerung negativ ausgewirkt, dass Politiker über den Entwurf zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und eine Absenkung oder Abschaffung der Einspeisevergütung für den Solarstrom öffentlich diskutierten. Außerdem seien Förderprogramme wie das 100 000-Dächer-Programm erst kürzlich ausgelaufen. Die nächsten drei bis vier Monate und das erste Halbjahr 2004 seien wegen des Gesetzentwurfes zum EEG unbestimmt, so der Exportchef. Die Preise würden voraussichtlich sinken. Sein Unternehmen hoffe daher für die Zukunft auf eine Fortsetzung der gesetzlichen Förderung und ein neues Programm bis Mitte März. „Da die Photovoltaik noch subventioniert wird, wäre ein Ende der Förderung für den Markt sehr problematisch.“
Photowatt ist ein vollintegriertes Unternehmen, das aus zugekauftem Silizium im eigenen Werk die Wafer herstellt, daraus Solarzellen fertigt und schließlich die Module montiert. Das Unternehmen hat 350 Mitarbeiter, davon 300 in der Fertigung. Diese produzieren Solarmodule mit 18 MW Gesamtleistung im Jahr. Der Hersteller ist seit 25 Jahren im Markt und hat seinen Sitz seit 1991 in der Nähe von Lyon. „Wir zählen zu den weltweit nur drei bis vier vollintegrierten Photovoltaik-Unternehmen, die die gesamte Prozesskette bis hin zu den Modulen beherrschen“, sagt Kirscht. „Wir sind in Frankreich praktisch das einzige namhafte Unternehmen, alles wird hier hergestellt, aber bis 95 % des Produktionsvolumens müssen exportiert werden.“
Bei Photowatt bedauert man, dass die solare Stromerzeugung in Frankreich praktisch keine Rolle spielt. Das Land brauche ein Förderprogramm ähnlich wie in Deutschland und es sollte mindestens auf 40 MW bis 50 MW installierter Photovoltaikleistung ausgelegt sein, meint Exportleiter Kirscht. Aber er sieht wenig Chancen für eine zügige Realisierung, obwohl sein Unternehmen sich dafür auf politischer Bühne einsetze.
Also bleibt das Bemühen um den Export. Die wichtigste Abnehmerregion ist Europa, hier allen voran Deutschland. Der alte Kontinent nimmt rund 55 % der Produktion auf, ein Anteil von 30 % geht in die USA und ein kleiner bescheidener Teil (15 %) wird in die restliche Welt ausgeführt. Dabei steht Japan nicht auf der Exportliste. Neben Deutschland zählen in Europa die Länder Spanien, Italien und Griechenland zu den lukrativen Märkten für die Solarmodulhersteller, weil sie entsprechende Förderprogramme haben. Auch Großbritannien sei interessant, so Hirscht, denn die Briten hätten Nachholbedarf und ein neues Photovoltaikförderprogramm aufgelegt.
Auf all diesen Märkten hat es Photowatt mit einer lebhaften Konkurrenz zu tun. Unter den Wettbewerbern seien immer wieder namhafte Herstellerfirmen wie Sharp, RWE, BP und Shell zu finden. „Die japanischen Firmen machen die heftigste Konkurrenz. Sie wollen sich auf den Märkten positionieren, die Ausgaben dafür spielen kaum eine Rolle“, sagt Kirscht. Die großen Hersteller könnten auch preiswerter produzieren. So habe Sharp eine Fertigungskapazität für Module mit 200 MW Gesamtleistung im Jahr, denen Photowatt knapp 20 MW entgegensetze. Je höher die Kapazität, um so mehr könne man teure Handarbeit in der Produktion durch automatisierte Abläufe ersetzen.
Photowatt stellt im Werk bei Lyon ausschließlich Solarmodule aus multikristallinen Zellen her. Die Technologie war erst kürzlich auf Siliziumnitrid umgestellt worden, um eine größere Leistung der einzelnen Module zu erreichen. Diese werden derzeit im Bereich von 12 W bis 230 W angeboten. Sie haben eine Leistungstoleranz von 3 %, was durch eine Vorauswahl der einzelnen Zellen eines Modules erreicht wird. In der Zukunft soll die Fertigung auf mehr Automatisierung und Qualität getrimmt werden. Das wird zu weniger Abfällen und Ausschuss führen. Diese Aktivitäten passen zum Ziel der Kostensenkung, damit die Photovoltaik langfristig ohne Zuschüsse auskommt. M.GROTELÜSCHEN

Ein Beitrag von:

  • Manfred Grotelüschen

    Ressortleiter Elektronik/Energie bei VDI nachrichten. Seine Fachgebiete: Energiepolitik, Erneuerbare Energien, Energiewirtschaft.

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