Atomkraft bleibt stark 02.08.2013, 20:00 Uhr

Frankreichs Energiewende kommt nicht richtig in Gang

Acht Monate haben französische Experten getagt, um sich über die künftige Energiestrategie der Grande Nation Gedanken zu machen. Jetzt liegen Empfehlungen vor, die im Herbst in Gesetzentwürfe münden sollen. Doch der Umbau ist schwer, zumal die Industrie an der Kernenergie festhält.

Selbst der staatliche Stromversorger EDF, der massiv auf Atomkraft setzt, investiert auch in erneuerbare Energie. So hat sich EDF im Windparkprojekt Teesside vor der britischen Küste engagiert. Dort hat auch der deutsche Siemens-Konzern beispielsweise die Anschlusstechnik geliefert.

Selbst der staatliche Stromversorger EDF, der massiv auf Atomkraft setzt, investiert auch in erneuerbare Energie. So hat sich EDF im Windparkprojekt Teesside vor der britischen Küste engagiert. Dort hat auch der deutsche Siemens-Konzern beispielsweise die Anschlusstechnik geliefert.

Foto: Siemens

Die sozialistische Regierung legt sich ins Zeug, das Konzept für eine Energiewende weiterzuentwickeln. Acht Monate lang trafen sich im Rahmen einer „großen nationalen Debatte“ Akteure aus Politik, Wirtschaft, Industrie, Gewerkschaft sowie aus Nichtregierungs- und Umweltorganisationen, um Ziele zu definieren.

Nach acht Konferenzrunden hänge der Erfolg der „15 Empfehlungen“, so hieß es aus Kreisen der Teilnehmer, jedoch davon ab, ob Frankreich seine schwere Wirtschaftskrise bewältigen und die in Aussicht gestellten Finanzmittel für den geplanten Energiemix – unter Einbeziehung der Kernkraft – bereitstellen kann.

Anteil von Öko-Strom soll sich bis 2025 verdoppeln

Bekannte Ziele: Der nationale Energieverbrauch soll bis 2050 halbiert werden. Der Anteil erneuerbarer Energie an der gesamten Energieerzeugung soll bis 2025 auf 25 % bis 30 % steigen. Er lag in Frankreich 2009 bei 15,3 %. In der Stromproduktion sollen bis 2030 erneuerbare Energien 30 % bis 40 % ausmachen. Priorität bei der sogenannten „transition énergétique“ soll – neben Wind und Sonne – der Gezeitennutzung der Meere um Frankreich eingeräumt werden.

Allein in Paimpol bei Saint-Brieuc am Ärmelkanal werden bis zum Jahresende vier Unterwasserturbinen (Durchmesser 21 m, Gewicht 850 t) in 30 m Tiefe versenkt, die der „gewaltige Tidenhub“ antreiben wird.

Atomkraft hat immer noch einen Anteil von 75 Prozent

Die Debatte um den künftigen Energiemix wurde mit mittelmäßigem Erfolg abgeschlossen. Industrievertreter ließen sich nicht auf einen Ausstieg aus der Kernkraft ein. Die 58 Blöcke in 19 Kernkraftwerken (KKW) produzieren noch immer 75 % des Stroms in Frankreich. Der Anteil von Kernkraft an der Stromerzeugung soll aber bis 2025 auf 50 % zurückgehen.

Besonders der französische Unternehmerverband Medef (Mouvement des Entreprises de France) sperrt sich gegen jede Drosselung der Kernenergie („Nicht verhandelbar!“).

Präsident Hollande hatte das Jahr 2013 für den „historischen Übergang zur erneuerbaren Energie in Frankreich“ ausgerufen. In den kommenden zehn Jahren, so die Absicht der regierenden Sozialisten, stehen Investitionen in umweltfreundliche Projekte im Vordergrund. Dazu gehört auch der Ausbau von Windkraft zu Lande, vor allem in der Bretagne, einer Region, die als besonders stürmisch bis windig gilt.

Industrieminister Montebourg wirbt für Fracking

Umstritten sind die Suche, Bohrung und Förderung von Schiefergas in Frankreich. Ein Gesetz aus dem Juli 2010 verbietet Mineralölkonzernen, die umstrittene „Fracking“-Schürfmethode anzuwenden. Industrieminister Arnaud Montebourg macht sich trotzdem öffentlich für Probebohrungen stark. Der Medef-Unternehmerverband unterstützt den Minister, weil sich Teile der französischen Wirtschaft eine „energetische Revolution“ versprechen, wenn Schiefergas „sauber, unschädlich, transparent und ökologisch verträglich“ zutage gefördert werden könne.

Den Konferenzabschluss nach acht Monaten bildet die Einigung aller Teilnehmer auf „15 Empfehlungen“ für eine „neue Politik der erneuerbaren Energie“. Medef stimmt denen aber nicht zu.

Wie die Gesetzentwürfe im Herbst aussehen werden, wenn die Regierung die Energiewende in der Nationalversammlung durchsetzen will, ist offen. In Sachen Kernenergie wurde vom Unternehmerverband lediglich akzeptiert, dass das KKW Fessenheim vom Netz geht.

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