Preiswerter als Solarstrom 24.09.2013, 09:37 Uhr

Flussströmungskraftwerk wird 2014 in der Loire getestet

Das junge französische Unternehmen Hydroquest aus Grenoble (Isère) hat eine Turbine entwickelt, die an ein Schiff montiert wird und aus der Flussströmung Strom produzieren kann. Nun soll diese Turbine für ein Jahr in Orleans an der Loire getestet werden, um die Auswirkungen auf die Umwelt zu untersuchen. 

Flussströmungskraftwerk: In der Loire bei Orléans soll die neue Turbine von Hydroquest ein Jahr lang getestet werden. 

Flussströmungskraftwerk: In der Loire bei Orléans soll die neue Turbine von Hydroquest ein Jahr lang getestet werden. 

Foto: Hydroquest/ Patrick Giraud

Entstanden ist die Turbine im Rahmen des Forschungsprogramms Harvest für Strömungsturbinen mit vertikaler stabilisierter Drehachse. In diesem Rahmen wurden bereits neun internationale Patente angemeldet. Die Turbine soll als neue Energiequelle dort zum Einsatz kommen, wo keine großen Wasserkraftwerke gebaut werden können und wo Wasserbewegungen gleichmäßig und vorhersehbar sind. Zwar ist der Fluss weniger lukrativ als das Meer, um Energie herzustellen, jedoch sind auch die technischen Anforderungen geringer als bei einem Meeresströmungskraftwerk. Das mögliche Potential bis zum Jahr 2025 wird vom Marktforscher Navigant Research auf eine weltweit installierte Leistung von drei Gigawatt geschätzt.

2010 wurde das französische Unternehmen „Hydroquest“ gegründet, das eine Turbine zur Stromerzeugung entwickelte und baute. Mit dem französischen Stromkonzern Électricité de France (EDF) als Partner startete anschließend das Projekt Hydrofluv mit dem Ziel, Anfang 2014 die Turbine im Fluss zu testen. Einen Probelauf in einem Zuführungskanal eines EDF-Wasserkraftwerkes hat die Turbine bereits absolviert.

Zwei Tonnen am Lastkahn

Nach erfolgreichem Test im Wasserkraftwerk soll die Turbine nun im natürlichen Umfeld zum Einsatz kommen. Dafür wird die zwei Tonnen schwere Strömungsturbine an einen Lastkahn montiert, der eine Abmessung von sechs Meter Länge und fünf Meter Breite hat und mit einem Tiefgang von zwei Metern überall andocken kann. In dem Turm der Turbine befinden sich zwei gegenläufig verstellbare Säulen aus Cross-Flow-Turbinen. Die Anzahl der Turbinen muss jeweils der Tiefe des Standortes angepasst werden. Verbunden durch einen Dauermagnetgenerator werden sie durch Gitter auch vor Wasserverunreinigungen geschützt.

Die Hydroquest-Turbine.

Die Hydroquest-Turbine.

Foto: Hydroquest

Jede dieser Säulen wird aus zwei Turbinen bestehen. Diese werden von der Wasserströmung mit einer Geschwindigkeit von zwei bis drei Meter pro Sekunde angetrieben. Dies ist doppelt so viel wie die vorgeschriebene Mindestgeschwindigkeit für solch einen Betrieb. Daher wird die Leistung dieser Anlagen bei 30 bis 50 Kilowatt liegen.

Die Forscher konnten die Leistung der Anlage erhöhen, in dem sie den Verschalungselementen der Turbinen eine asymmetrische Form gaben. Auf diese Weise erzeugten sie einen Auffangeffekt und beschleunigten die Bewegung des Wassers. Außerdem kann der Turbinenturm angehoben werden. Er wird an einen Zapfen aufgehängt. Dieses Verfahren vereinfacht die Wartung, Einrichtung und Verschiebung des Turbinensystems vom Land aus. Hydroquest will das System optimieren und arbeitet an der Entwicklung von Turbinen mit einer Leistung von 200 Kilowatt.

Die Kosten für die Stromerzeugung sollen sich auf 100 bis 180 Euro pro Megawattstunde belaufen. Dies ist insgesamt mehr als der durchschnittliche Strompreis in Frankreich von 50 Euro durch Wind- oder Kernenergie, jedoch günstiger als Solarstrom.

Die Gesamtkosten des Projekts werden auf 2,46 Millionen Euro geschätzt.

Von Petra Funk

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