Wasserwirtschaft 22.02.2002, 17:32 Uhr

„Falsche Politik ist schuld an Wasserknappheit der Armen“

Der „Club of Rome“ brachte vor 30 Jahren den Stein der Nachhaltigkeit ins Rollen. Viel gelernt haben seither aber weder reiche noch arme Länder. Der Kampf um sauberes Trinkwasser, so beschreibt im folgenden Beitrag Prof. Norbert Walter, Chef der Deutsche Bank Research, ist dafür ein Beleg.

Als der „Club of Rome“ 1972, also vor 30 Jahren, die drohenden „Grenzen des Wachstums“ aufzeigte, rückte der Umweltschutz ins Bewusstsein der politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträger. Der Bericht forderte ein langfristig orientiertes Wirtschaftsregime, das u.a. dem Schutz der Umwelt hohe Priorität zumisst. Damit enthielt er implizit erstmals die Forderung nach einer „nachhaltigen Entwicklung“. Die Warnungen des „Club of Rome“ blieben nicht wirkungslos. In den letzten dreißig Jahren wurden beachtenswerte Fortschritte im Umweltschutz erzielt. Gleichwohl sind fast alle Nationen vom Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung noch weit entfernt.

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Eine der größten Herausforderungen an eine nachhaltige Entwicklung im 21. Jahrhundert ist die Versorgung der Menschheit mit sauberem Trinkwasser. Schon heute ist Wasserknappheit in ariden Zonen der Erde ein akutes Problem. Etwa 1,2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Mangelnde Trinkwasserqualität ist die Todesursache für mehr als 5 Millionen Menschen jährlich. Wassermangel ist in vielen Staaten ein Hemmschuh für die wirtschaftliche Entwicklung, Ursache für Migration und Landflucht und nicht zuletzt ein Streitpunkt in Krisenregionen wie Naher Osten, Pakistan und Indien.

Wer trägt die Hauptverantwortung für die Wasserknappheit, die sich angesichts der Erwartung, dass der Wasserverbrauch weltweit doppelt so schnell wächst wie die Bevölkerungszahl, noch verschärfen wird?

In der Natur ist Trinkwasser regional und saisonal unterschiedlich verteilt. Schmerzlich ist aber, dass Verschwendung massiv zur Wasserknappheit beiträgt. Gründe hierfür sind undichte Leitungen, ineffiziente Bewässerungstechniken, eine mangelhafte Gesetzgebung und zu niedrige – weil staatlich subventionierte – Wasserpreise. Fazit: Ein erheblicher Teil der Wasserknappheit ist auf eine „falsche“ Politik sowohl in den betroffenen Ländern als auch auf internationaler Ebene zurückzuführen.

Gut 70 % des globalen Wasserverbrauchs entfallen auf die Bewässerungslandwirtschaft, in einzelnen Ländern sind es sogar mehr als 90 %. Und da etwa 40 % der Nahrungsmittelproduktion der Erde auf Bewässerungslandwirtschaft basieren, ist die Ernährung der Menschen ohne künstliche Bewässerung nicht möglich.

Weltweit gibt es eine ganze Reihe von Beispielen, in denen die Bewässerungslandwirtschaft zu geradezu abstrusen Ergebnissen führt. So zählte Saudi-Arabien über Jahre hinweg zu den wichtigsten Weizenexporteuren der Welt, obwohl in diesem regenarmen Land zur Erzeugung von 1 kg Weizen 2000 l Wasser nötig sind. Hauptgrund für die Bewässerungslandwirtschaft auch in regenarmen Ländern ist die nationale Selbstversorgung mit Grundnahrungsmitteln. Die Befürchtungen der betreffenden Staaten sind groß, dass sie auf Dauer nicht in der Lage sein könnten, ihren Bedarf an Grundnahrungsmitteln am Weltmarkt zu decken.

Aufgrund ihres hohen Anteils am Wasserverbrauch ist die Landwirtschaft – und damit die Agrarpolitik – also die wichtigste Stellschraube bei der Lösung des Problems Wassermangel. Hier gilt es, die Effizienz der Bewässerung deutlich zu steigern – durch Verringerung von Sickerverlusten, Reparatur von schadhaften Leitungen und bessere Bewässerungstechniken.

Noch wichtiger ist aber, dass in extrem wasserarmen Ländern allmählich eine Abkehr vom Ziel der nationalen Selbstversorgung mit Grundnahrungsmitteln erfolgt. Dazu bedarf es entsprechender Signale: In diesen Ländern müssten die Wasserpreise angehoben werden, um die Knappheit des Gutes zum Ausdruck zu bringen. Dies müsste sozial verträglich geschehen, über progressive Wassergebühren oder gezielte Wasserbeihilfen für Bedürftige, damit armen Bevölkerungsteilen die Grundversorgung mit Wasser möglich ist. Zu niedrige, subventionierte Wasserpreise sind auch der Grund dafür, dass in Industrie und Haushalten Wassersparen ein Fremdwort ist.

Alternativ oder ergänzend könnte ein System von Wassernutzungsrechten eingeführt werden, d.h. der Staat kauft den Landwirten Wasserrechte ab, was gleichzeitig als Entschädigung dient. Hilfreich wäre auch eine Umstellung der Landwirtschaft in ariden Zonen auf weniger wasserintensive Pflanzen.

Neben dieser Umstellung der Agrarwirtschaft in wasserarmen Ländern ist eine Liberalisierung des Welthandels für landwirtschaftliche Erzeugnisse dringend notwendig. Denn dann könnten Länder, die heute ihr teures Grundwasser quasi in Form von Getreide „exportieren“, ihre Versorgung mit Grundnahrungsmitteln auf dem Weltmarkt zu geringeren Nettokosten sichern.

Eine schnelle Liberalisierung wird allerdings auch durch Blockaden von Industrienationen erschwert. So sind in vielen Industrieländern bei bestimmten landwirtschaftlichen Erzeugnissen Subventionen zum Schutz der eigenen Agrarwirtschaft gang und gäbe, während andere Nahrungsmittel und Rohstoffe wie Kaffee, Kakao oder Erdöl aufgrund des deutlich schärferen Wettbewerbs billig eingekauft werden. Aber auch Importzölle der Entwicklungsländer und andere Handelsbarrieren sind zu oft ein Hemmschuh.

Auf internationaler Ebene können Wasserkonflikte durch ein System von Wassernutzungsrechten verhindert werden. Dabei müssten alle betroffenen Länder – z.B. die Anrainerstaaten eines Flusses – genau festlegen, wer welche Wassermengen in welchen Zeitabständen den Flüssen entziehen darf. Ähnliches gilt für den Bau von Staudämmen, der stets mit allen betroffenen Staaten abgestimmt sein sollte.

Die Umsetzung der genannten Lösungsansätze ist mit hohen Kosten verbunden, und viele Länder sind dabei auf Entwicklungshilfe angewiesen. Beispielsweise wurde auf der International Conference on Freshwater im Dezember 2001 in Bonn der jährliche Investitionsbedarf für die gesamte wasserrelevante Infrastruktur auf bis zu 180 Mrd. Dollar beziffert. Auch fällt es den Regierungen in wasserarmen Ländern schwer, die Effizienz im Umgang mit eigenen Wasserressourcen zu steigern, da damit, z.B. über das Zurückdrängen der bewässerungsintensiven Landwirtschaft, auf den ersten Blick neue Abhängigkeiten geschaffen werden.

Insgesamt ist die Hoffnung aber nicht unbegründet, dass in wasserarmen Staaten das Wassermanagement effizienter wird, wenngleich dieser Prozess Jahre in Anspruch nehmen wird. Dabei benötigen die Entwicklungsländer finanzielle Unterstützung und eine gezielte Hilfe zur Selbsthilfe.

Bei dieser Hilfe für die Entwicklungsländer sind alle Industrienationen gefordert – nicht nur aus ökologischer und ökonomischer, sondern auch aus geopolitischer Sicht. Und da Armut oftmals die Wurzel von regionalen Konflikten oder Kriegen und fruchtbarer Boden für den Terrorismus ist, trägt ihre Bekämpfung auch zur globalen Friedenssicherung bei. Dies muss im Interesse jeder Industrienation sein. NORBERT WALTER

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