Bedrohung durch Krieg 29.08.2014, 16:04 Uhr

Experten sorgen sich um Sicherheit ukrainischer Atomkraftwerke

Sind die Atomkraftwerke in der Ukraine noch sicher? Nicht allzu weit entfernt von umkämpften Rebellengebieten stehen insgesamt 15 Atomkraftwerke, welche den Stromverbrauch der Ukraine seit 30 Jahren zur Hälfte decken. Zum sowieso schon kritischen Alter der Reaktoren kommen damit mögliche Beeinträchtigungen durch die Kampfhandlungen. Experten sind alarmiert.

Sicherheitsexperten sorgen sich vor allem um Saporischschja, die größte Atomkraftanlage Europas. Ihre sechs Reaktorblöcke sind nur 200 Kilometer von den umkämpften Gebieten entfernt.

Sicherheitsexperten sorgen sich vor allem um Saporischschja, die größte Atomkraftanlage Europas. Ihre sechs Reaktorblöcke sind nur 200 Kilometer von den umkämpften Gebieten entfernt.

Foto: dpa

Tschernobyl ist den meisten Menschen noch ein Begriff. Seit Jahrzehnten steht der Name des ukrainischen Atomkraftwerks für GAU, den größten anzunehmenden Unfall. Was in diesem Zusammenhang gerne vergessen wird: Der havarierte Reaktor, der da in seinem Sarkophag noch sehr lange vor sich hinstrahlt, hat noch 15 munter laufende Geschwister an vier Standorten, die die halbe Ukraine mit Strom versorgen.

Bisher haben die meisten Menschen den Umstand erfolgreich verdrängt, dass da rund 30 Jahre alte Atomanlagen russischer Bauart am Werk sind – und das, obwohl die Meiler laut Greenpeace schon aufgrund ihres Alters nicht als problemfrei gelten können.

200 Kilometer zwischen Europas größtem Reaktor-Komplex und Kampfgebiet

Jetzt rücken die alten Reaktoren plötzlich in den Fokus der Öffentlichkeit: Nahezu direkt neben den Atomkraftwerken herrscht faktisch Krieg. Die größte Atomkraftanlage Europas, Saporischschja mit sechs Reaktorblöcken, steht gerade einmal 200 Kilometer entfernt vom Kampfgebiet im Osten der Ukraine, in das jetzt 1000 russische Soldaten eingerückt sein sollen. Darauf haben verschiedene Medien aufmerksam gemacht, darunter der WDR und die Süddeutsche Zeitung.

Dass die Nähe der Atomkraftwerke zum Krisenherd nicht zur allgemeinen Beruhigung beitragen kann, war der ukrainischen Regierung bereits im Frühjahr aufgefallen, so dass sie die NATO um Unterstützung bei der Sicherung der Reaktoren gebeten habe. Daraufhin ist ein ziviler Expertentrupp in die Ukraine gereist, um die einheimischen Behörden bei der Sicherung der Kraftwerke zu unterstützen.

Schon ein langer Stromausfall kann zum GAU führen

Die Anfrage der Ukrainer sei sicher keine Panikmache, so Tagesschau.de. Schließlich sei die Bedrohung durch Unruhen in nächster Nähe sehr real. Und für einen möglichen Störfall müsse es noch nicht einmal zu einem direkten Angriff kommen, heißt es: Das Beispiel Fukushima habe eindrucksvoll gezeigt, dass auch unbeabsichtigte Beeinträchtigungen wie ein längerer Stromausfall zu einem GAU führen könne.

Auf das Personal, das für einen störungsfreien Betrieb der Kraftwerke sorgt, hätte die Krise in der Ukraine ebenfalls dramatische Auswirkungen: Schließlich stamme ein großer Teil der Experten in den betroffenen Kraftwerken aus Russland. Ukrainische Experten sind zudem bisher ausgerechnet auf der von Russland eroberten Krim ausgebildet worden.

Saporischschja ist mit sechs Reaktorblöcken die größte Atomkraftanlage Europas. Die ukrainische Regierung hat die NATO bereits um Hilfe bei der Sicherung gebeten.

Saporischschja ist mit sechs Reaktorblöcken die größte Atomkraftanlage Europas. Die ukrainische Regierung hat die NATO bereits um Hilfe bei der Sicherung gebeten.

Foto: Saporischschja

An einen direkten Angriff auf die Kraftwerke glaube zwar niemand, schreibt tagesschau.de. Allerdings müssten radioaktives Material wie Brennelemente und sogar eingemottete nukleare Sprengköpfe aus vergangenen Zeiten vor dem Zugriff Unbefugter gesichert werden – eine weitere Aufgabe beim Schutz der Atomindustrie der Ukraine.

Die Süddeutsche Zeitung verbreitet deutlich weniger Optimismus, was Atomkraftanlagen als mögliche Anschlagsziele betrifft. Sie zitiert aus einem Schreiben von Bündnis 90/Die Grünen, im dem die Partei der Bundesregierung ein massives Unterschätzen der Bedrohungslage durch ukrainische Atomanlagen vorwirft. In dem Schreiben werde an den Abschuss der Linienmaschine der Malaysian Airlines erinnert, der die Sorge nähre, dass ukrainische Atomkraftwerke als Anschlagsziele in Erwägung gezogen werden könnten.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet zudem, dass bereits im Frühjahr eine Gruppe Bewaffneter versucht habe, in ein Atomkraftwerk einzudringen. Die Angreifer konnten gestoppt werden. Welches Ziel sie verfolgten, sei jedoch nicht bekannt.

Enge Verflechtung der ukrainischen Atomindustrie mit Russland

Nicht nur in Sachen Personal, auch materiell sind die Ukraine und Russland in Sachen Atomenergie eng miteinander verflochten. So stammen die Brennelemente der ukrainischen Atomkraftwerke aus Russland – ein Umschwenken auf westliche Lieferanten hatte bereits 2010 zu Problemen geführt, weil sich die Brennelemente aus Ost und West in Form, Zusammensetzung und Material unterscheiden.

Der Einsatz westlichen Materials hatte angeblich schon 2012 einen schweren Zwischenfall verursacht: Brennstäbe hatten sich verbogen, was im Notfall eine Schnellabschaltung verhindert hätte. Auch in Sachen Endlagerung ist die Ukraine bisher auf Russland angewiesen: Atommüll landete bisher im Ural oder an der Grenze zu Sibirien, so die Süddeutsche Zeitung. Über ein eigenes Endlager verfügt die Ukraine nicht.

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