Energie 03.06.2005, 18:38 Uhr

Erneuerbare Energien suchen Chancen in China  

Der Energiehunger zwingt China zum massiven Ausbau der erneuerbaren Energien. Die will das Land vom kommenden Jahr an mit einem Gesetz fördern, das auch mehr Sicherheit für Investoren aus dem Ausland bringen soll. Das technologische Know-how, besonders von Mittelständlern, ist gefragt.

Chinas Wirtschaft wächst jedes Jahr um 10 %. Der Boom hat elektrischen Strom zu einer kostspieligen Mangelware gemacht. Damit steckt das Riesenreich in der Zwickmühle, denn es hat nicht nur seine rasant wachsende Industrie, sondern auch 1,4 Mrd. Einwohner mit Energie zu versorgen. Die wohnen meist auf dem Land, wo es kaum Stromversorgung gibt. Zugleich droht den wegen der Landflucht überquellenden Metropolen der Energiekollaps. Offen bekannte Li Junfeng, Generalsekretär des chinesischen Industrieverbandes Erneuerbare Energien, auf einer Tagung des Wissenschaftsparks Gelsenkirchen in der vorige Woche: „Schon zwei Jahre lang leiden wir unter einer dramatischen Energieverknappung.“

Zwar hat die Regierung den massiven Ausbau der Kraftwerkskapazitäten vorgesehen darunter sind allein 600 neue Kohlekraftwerke. Das aber kostet Zeit. Deshalb setzt das Land, das sich 2002 doch noch zur Ratifizierung des Kyoto-Protokolls entschloss, nun auf den verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien. Mit nicht minder ehrgeizigen Zielen: Ihr Anteil am Stromverbrauch soll von derzeit 3,5 % auf 10 % bis 2010 steigen. Das entspricht einem Neubau von gut 100 000 MW. Bis 2020 könnten erneuerbarer Energien 12 % am Stromverbrauch in China erreichen.

Dass es dem Land damit ernst ist, will es mit einem Gesetz zur Förderung der erneuerbaren Energie unter Beweis stellen. Für die praktische Ausgestaltung sehen sich Regierungsvertreter derzeit in europäischen Staaten, darunter Deutschland, um, wo bereits langjährige Erfahrungen vorliegen. Am 1. Januar 2006 soll das Gesetz in Kraft treten und für neuen Schub in der Wirtschaft sorgen. „Wir wollen damit Markthindernisse abbauen und Investoren Planungssicherheit geben“, betont Junfeng. Mit steuerlichen Begünstigungen, Einspeisevergütungen, der Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und vom Staat initiierten Finanzierungsfonds soll der Markt auf Touren kommen. Technologisches Know-how aus dem Ausland sei dabei hochwillkommen. „Wir wollen mit dem Gesetz vor allem mittelständische Unternehmen ansprechen“, wirbt Junfeng.

Auf solche Zeichen hat die Branche hier zu Lande schon gewartet. „Sieben Windkraftanlagen mit jeweils 1,5 MW haben wir bereits nach China geliefert“, freut sich Carsten Corino, Leiter der Unternehmensentwicklung bei Repower Systems in Hamburg. Wie die Schwergewichte aus der Sparte versucht auch der sich zu den zehn weltführenden Windanlagenbauern zählende, mittelständische Hersteller vom Wachstum in China zu profitieren.

Geklappt hat das erst im zweiten Anlauf mit der Vergabe einer Herstellerlizenz und nicht mit dem kostspieligen Aufbau einer eigenen Produktion oder, wie es die chinesischen Partner am liebsten gesehen hätten, als Jointventure. Neuer Partner ist das chinesische Staatsunternehmen Dongfang Steam Turbine Works, einer der größten chinesischen Kraftwerksmaschinenhersteller. Der wird ab 2006 mit der Produktion der Windturbinen starten, die derzeit noch aus Deutschland kommen.

„Für uns hat die Lizenzvergabe den Vorteil, dass wir die hohen F+E-Kosten auf die Serienproduktion umlegen können“, sagt Corino. Allerdings: Arbeitsplätze und Wertschöpfung bleiben in China. Dennoch ist das Unternehmen froh, die Entscheidung getroffen zu haben. „Mit Dongfang haben wir einen Partner gefunden, der über ausgezeichnete Reputationen verfügt“, sagt Corino mit Blick auf das Risiko von Know-how-Abfluss. Wer sich jedoch der geschäftlichen Vertrauensbasis weniger sicher sein kann, der komme kaum um einen ständigen Repräsentanten vor Ort herum, rät er an China interessierten Mittelständlern.

SILVIA VON DER WEIDEN

Chinas Ziele bei erneuerbaren Energien

Wind: Das Potenzial liegt bei 250 GW auf dem Land und 750 GW in meist flachen Offshore-Regionen. Nach den Plänen der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission könnten davon 20 GW bis 2020 erschlossen werden. Derzeit produzieren 40 Windfarmen mit einer Gesamtkapazität von 767 MW zu durchschnittlichen Gestehungskosten von 5,5 Eurocent/kWh.

Biomasse: Hier visiert die Regierungskommission 20 GW bis 2020 an.

Photovoltaik (PV) und Solarthermie: Keine konkreten Ziele. Die noch zu hohen Kosten für PV-Strom gelten als Hindernis. Dennoch hat China auch mit Blick auf die Olympischen Spiele 2008 in dem Land Großprojekte wie die 1-MW-Anlage in Shenzhen mit PV-Modulen ausgestattet. Insgesamt produzierte China 2004 rund 60 MW Strom mit Hilfe der Sonnenenergie. Die Produktion von Solarzellen kletterte von 14 MW in 2003 auf 52 MW im vorigen Jahr. Damit liegt der Weltmarktanteil bei jetzt gut 4 %.SvdW

Von Silvia von der Weiden
Von Silvia Von Der Weiden

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