Erdgas 31.05.2002, 18:20 Uhr

Erdgaslieferanten drücken aufs Gaspedal

Die Gaswirtschaft will bis 2006 das Netz der Erdgastankstellen von heute 260 um 1000 erweitern. Die Technik dafür ist vorhanden, doch sind derzeit nur große Stationen wirtschaftlich.

Endlich will die Gaswirtschaft den Straßenverkehr als potenzielles Marktsegment erschließen. Sie beabsichtigt, selbst in Vorleistung zu treten, wie Dr. Bernhard Jeken, Leiter Anwendungstechnik bei Ruhrgas, Essen, am 16. Mai auf dem Symposium „Erdgas im Straßenverkehr“ der m-tec Gastechnologie in Türkenfeld bei München erklärte. Im April hat die deutsche Gaswirtschaft die Fördergesellschaft „Erdgas mobil“ gegründet. Ziel ist der Aufbau eines flächendeckenden Tankstellennetzes für Erdgas in Deutschland. Dazu sollen bis 2006 in einer ersten Stufe 1000 neue Erdgastankstellen eingerichtet werden – ergänzend zu den bestehenden 260 Anlagen. Dieses „strategische Investment“ lässt sich die Gaswirtschaft laut Jeken rund 250 Mio. d kosten.
Spätestens in drei Jahren wird sich entscheiden, ob Erdgas im Straßenverkehr ein Erfolg wird, analysierte Jeken. Dann müssen Fahrzeuge und Tankstellen zur Verfügung stehen. Die Geschäftsplanung sowohl von Ruhrgas als auch von Erdgas mobil geht davon aus, dass im Jahr 2010 etwa 500 000 Erdgasfahrzeuge in Deutschland unterwegs sind. Dies ist dann schon attraktiv für die Gaswirtschaft. Verbraucht ein Erdgasfahrzeug im Schnitt doch die gleiche Menge Erdgas wie ein Einfamilienhaus für Heizung und Warmwasser, also rund 2000 m³/a, erläuterte Jeken. Daraus ergibt sich für das Marktsegment Erdgasfahrzeuge ein jährlicher Absatz von rund 1 Mrd. m³ Erdgas.
Beim Ausbau der Infrastruktur steht die Wirtschaftlichkeit der Gastankstellen im Mittelpunkt. „Wir mussten lernen, dass kleine Erdgastankstellen nie wirtschaftlich betrieben werden können, wenn alle Kostenbestandteile eingerechnet werden“, erklärte Manfred Scheibe von der VNG Verbundnetz Gas, Leipzig. Die Kosten einer Erdgastankstelle schwanken laut Peter Limberger, geschäftsführender Gesellschafter vom m-tec Gastechnologie sowie Vorstandsvorsitzender von GreenField in Basel, je nach Anzahl und Größe der Kompressoren und Speicher zwischen 180 000 d und 1 Mio. d. Im Schnitt lägen sie bei 250 000 d. „Durch höhere Stückzahlen lassen sich Produktionskosten einsparen.“ Doch sei der Spielraum begrenzt – je nach Stückzahl bis zu 15 %.
Vor fünf Jahren seien in Deutschland noch Tankstellen mit Kompressoren für 15 m³/h gebaut worden. Dies reicht aber nur für wenige Autos am Tag, so Limberger. Für den kommerziellen Betrieb benötige man Kompressoren, die mindestens 70 m³/h liefern, und entsprechende Speicheranlagen. Dies mache eine Anlage einfach teurer. Beispiele aus anderen Ländern zeigten, dass die Investitionskosten nur einen geringen Anteil an den Lebenszykluskosten haben. „Diese Erkenntnis fehlt in Deutschland noch“, so Limberger.
Wenn man es schaffen würde, den Diesel-betriebenen Lkw schon mal 20 % Gas beizumischen, hätten die Erdgas-Tankstellen keine Sorge mehr, erklärte Dr. Helmut Wiedemann, Geschäftsführer des TÜV Pfalz, Kaiserslautern, und machte auf sein Dieselmotoren-Konzept aufmerksam. „Wir streben eine Mischung aus 40 % Erdgas und 60 % Diesel an.“ Im Pkw-Bereich werden bereits Diesel-Gas-Motoren im Einsatz erprobt. Im Bus-Bereich wird bei den Saartal-Linien in Saarbrücken derzeit?ein?Diesel-Erdgas-Bus?von MAN vorbereitet. R. DONNERBAUER/WOP

Erdgastankstellen Kunden haben hohen Betreuungsbedarf
Die Stadtwerke Hannover sammelten über acht Jahre Betriebserfahrung mit der Esso-Erdgastankstelle Vahrenwalder Straße in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Wie Dr. Manfred Schüle von dem lokalen Versorgungsunternehmen berichtete, ist sie während der ersten Jahre hauptsächlich von einigen erdgasbetriebenen Niederflurstadtbussen der Verkehrsgesellschaft Üstra frequentiert worden. Erst 1999 begann der Aufschwung durch ein Förderprojekt des Bundesumweltministeriums zur Weltausstellung Expo 2000: Die Abgabemenge verfünffachte sich, die Zahl der Erdgas-Fahrzeuge bzw. -Kunden stieg auf mehr als 1200 und der Erdgasabsatz auf inzwischen 3,6 Mio. m3/a. Zu den wesentlichen Erkenntnissen aus der technischen Betriebsführung zählte Schüle den für Gasversorger ungewohnten, vergleichsweise hohen Betreuungs-
bedarf, um den Privatkunden und Taxifahrern das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. RD

 

Ein Beitrag von:

  • Robert Donnerbauer

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