Erdgas 25.01.2002, 17:32 Uhr

Erdgasfahrzeuge geben Gas

Die ersten Erdgas-Pkw der Autoindustrie kamen in den 90er Jahren in Deutschland nicht richtig ins Rollen. Das lag daran, dass die Zahl der Tankstellen, die den umweltfreundlichen Kraftstoff anboten, sehr langsam zunahm. Nun gibt es bereits rund 250 Stationen, und das lässt die Erdgas-Protagonisten auf die Wende hoffen. Sie rechnen 2002 mit einem Absatz von 10 000 Erdgasfahrzeugen.

Steht die Wende für Erdgasfahr­zeuge ins Haus? Anzeichen dafür sieht der Trägerkreis Erdgas­fahrzeuge im Bundesverband der ­deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW), das letzte Jahr ­habe eine Aufbruchstimmung gebracht. Die stärkere Unterstützung von Politik, Gas- und Mineralölwirtschaft ließ auch die Zahl der Erdgastankstellen größer werden. Gab es Mitte der 90er Jahre in Deutschland weniger als 50 Stationen, und diese zumeist nicht öffentlich zugänglich, so soll sich die Zahl der Erdgaszapfsäulen von derzeit knapp 250 bis Ende des Jahres auf 300 erhöhen, erklärte Roland Bartosch vom BGW gegenüber den VDI nachrichten. Mehr als die Hälfte davon seien öffentliche Tankstellen. Mindestens 1000 Tankstellen für Compressed Natural Gas (CNG ) sollen in zehn Jahren die Versorgung in Deutschland ­sicherstellen.

Im Dezember 2001 ging in Berlin die achte von zwölf geplanten Erdgastankstellen in Betrieb. Im Rahmen des Förderprojektes „Tausend Umwelt-Taxis für Berlin“ (TUT), das von dem Bundesumweltministerium und der Gaswirtschaft mit 11,5 Mio. d gefördert wird, sollen schnellstmöglich 1000 Taxis und 100 Fahrschulfahrzeuge mit Erdgasantrieb durch die deutsche Hauptstadt rollen. Um die Entwicklung des TUT-Projekts zu beschleunigen, wird der Kauf und der Betrieb der Umwelt-Taxis mit einen Zuschuss von max. rund 3000 d sowie einem Kraftstoffgutschein von max. ca. 1500 d ­gefördert.

Bartosch vom BGW schätzt den Bestand an Erdgasfahrzeugen in Deutschland zum Jahreswechsel auf 12 000 Stück, das sei ein Plus gegenüber 2000 von rund 4500 Einheiten. Optimistisch ist Bartosch für das laufende Jahr, er rechnet mit einer Bestandserhöhung auf mehr als 22 000 CNG-Fahrzeuge – dennoch weit weg vom Ziel der Branche, die in zehn Jahren 500 000 bis 1 Mio. CNG-Autos in Deutsch­land erreichen will. Weltweit verkehren derzeit rund 1,5 Mio. Erdgasfahrzeuge, so der Verband der europäischen Erdgasfahrzeug-Industrie (ENGVA). Die meisten davon fahren in Argentinien, Brasilien, Italien, Pakistan und den USA.

Neue, alltagstaugliche CNG-Pkw könn­ten mit der wachsenden Zahl der Erdgastankstellen auch in Deutschland für Schwung sorgen, weil heute Hersteller neben CNG-Serienautos auch einen firmeneigenen Umrüstservice anbieten. Die Ford-Werke, die seit 1994 Umrüstsätze anbieten, gründeten 2001 eigens die CNG-Technik in Mainz für die Umrüstung ihrer Modelle auf den Erdgasbetrieb.

Nach dem Focus CNG erfüllt jetzt auch der Ka CNG bereits die Abgasnorm EU4, die erst 2005 in Kraft tritt. Damit bietet „Ford als einziges Unternehmen in Deutschland Erdgasfahrzeuge an, die sowohl im Benzin- als auch im Erdgasbetrieb schon heute die strenge EU4-Abgasnorm erfüllen“, betonte Isfried Hennen, Leiter der Ford- Umweltkommunikation, Köln. Wer beim Ka CNG nicht mehr auf die Rücksitzbank verzichten möchte (wo der 80-l-Gastank sitzt), kann jetzt wahlweise auch eine Version mit 60-l-Tank haben, der im Kofferraum untergebracht ist. Zudem seien die Umbaupreise laut Hennen deutlich gesenkt worden. Beim ­Focus betrage der Aufpreis rund 2500 d, beim Ka ca. 2850 d. Mit einem Einstiegspreis von 12 403 d sei der Ford Ka CNG das kostengünstigste Erdgasfahrzeug in Deutschland.

Den Markt dominierte im vergangenen Jahr Fiat mit dem ab Werk angebotenen Multipla. Nachdem 2000 schon insgesamt 1700 Pkw als „Bipower“ (bivalent) und „Blupower“ (monovalent) an Endkunden ausgeliefert wurden, erhöhte sich diese Zahl im letzten Jahr auf rund 2000 Stück, berichtete Fiat-Sprecher Thomas Casper. Der Aufpreis von 2200 d zum Benziner mache sich schnell bezahlt und durch die Unter­flur­anbringung der Gastanks bliebe der Nutzraum uneingeschränkt erhalten.

VW hatte für Herbst 2001 den Golf Variant (Gasflaschen in der Reserve­radmulde) angekündigt. Der dürfte we­gen „weiterer Sys­tem­optimierungen“, so VW, nicht vor Mai kommen.

Volvo bediente mit den bivalenten Modellen S80 Bi-Fuel und V70 Bi-Fuel aus Kapazitätsgründen zunächst Sonderprojekte wie das TUT in Berlin. Doch jetzt sei in Schweden die Produktion für den breiten Markt angelaufen, sagte Unternehmenssprecher Ulrich Andree. Der Aufpreis zum Benziner beträgt jeweils 2600 d. Durch entsprechende Motorabstimmung würde kein Leistungsverlust auftreten. Die Gastanks sind Platz sparend unterhalb des Fahrzeugs angeordnet. Noch in diesem Jahr würde mit dem S60 Bi-Fuel ein drittes Erdgasmodell hinzukommen.

„Der Opel Zafira 1.6 CNG ist das einzige monovalente Erdgasfahrzeug, das auch mit Benzin fährt“, betonte Stefan Schrahe. Der Marketingleiter der Opel Special Vehicles (OSV) verwies darauf, dass, während viele bivalente Fahrzeuge im Erdgasbetrieb Leistungseinbu­ßen bis 20 % zu verzeichnen hätten, der Zafira 1.6 CNG seine maximale Effizienz im Gasbetrieb behalte. Dafür wurde die Verdichtung erhöht, Einspritzung, Kolben und Ventile modifiziert. Eine doppelte Einspritzanlage verfügt über je vier separate Einspritzdüsen für Erdgas und Benzin. Neben seinen vier Unterflur-Gastanks (110 l) ist der Zafira mit einem 14-l-Benzintank ausgerüstet. Die Gesamtreichweite steigt so von rund 350 km auf 500 km.

Die Zafira-CNG-Nachfrage ist sehr hoch und „übertrifft alle Erwartungen“. Um so mehr freut es Schrahe, dass die Produktion, nach dem Stopp im September 2001 – wegen technischer Optimierungen, jetzt richtig anlaufen kann. Rund 2000 Zafira (Aufpreis 1300 d und 2500 d gegenüber Benzin- bzw. Diesel-Version) sollen hierzulande 2002 verkauft werden. Für Oktober plant OSV den Serienstart des Astra Caravan mit Unterflur-Gastanks, von dem 2003 15 000 Stück produziert werden sollen. ROBERT DONNERBAUER/WOP

www.erdgasfahrzeuge.de

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