Erdgas 12.07.2002, 18:20 Uhr

Eon/Ruhrgas: ein Gigant im Gasmarkt

Ablehnung und Zustimmung hat die Erlaubnis zur Fusion E.on/Ruhrgas hervorgerufen. Bei der Entscheidung standen die Bildung eines wettbewerbsfähigen Unternehmens und eine sichere Gasversorgung im Vordergrund.

Die am vorigen Freitag erteilte Ministererlaubnis zur Übernahme der Essener Ruhrgas durch den Energiekonzern E.on, Düsseldorf, ist auf Zustimmung und heftige Kritik gestoßen. Während beide Unternehmen die Entscheidung begrüßen und Alfred Tacke, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, die von ihm erteilte Erlaubnis verteidigt, haben Verbraucherverbände Widerstand angekündigt. Sie befürchten Wettbewerbsbeschränkungen im deutschen Gasmarkt und steigende Preise für die Verbraucher.
Durch den Zusammenschluss von E.on und Ruhrgas, dem führenden Energiekonzern und dem größten Gasverteiler Deutschlands, soll ein Unternehmen entstehen, das auch auf den internationalen Energiemärkten wettbewerbsfähig sein kann. Die Erlaubnis sichere den langfristigen Bezug von preisgünstigem Erdgas aus Russland und verbessere damit die Versorgungssicherheit in Deutschland, erklärte Staatssekretär Tacke, der vertretend für Wirtschaftsminister Werner Müller die Prüfung vorgenommen hatte.
Eine Reihe von Auflagen soll verhindern, dass es durch den Zusammenschluss nicht zu Behinderungen des Wettbewerbs auf dem deutschen Gasmarkt kommt. Außerdem würden internationale Gasproduzenten wie BP, ExxonMobil und Shell, die zum Teil in Deutschland eigene Gasnetze betreiben, sich aus der Ruhrgas zurückziehen. „Es ist uns gelungen, die gesamtwirtschaftlichen Vorteile der Fusion auf den internationalen Märkten zu realisieren, ohne dass der Wettbewerb in Deutschland auf der Strecke bleibt“, ist Tacke überzeugt. Noch vor wenigen Wochen hatte das Bundeskartellamt die Fusion abgelehnt, weil es Nachteile für den Wettbewerb befürchtete.
Tacke begründet seine Entscheidung damit, dass die jetzige Struktur der Ruhrgas-Aktionäre eine Weiterentwicklung stark eingeschränkt habe. Die unterschiedlichen Interessen der Gesellschafter würden eine verbesserte Kapitalausstattung und eine offensive Unternehmensstrategie blockieren. Damit wäre das Unternehmen gegenüber ihren Wettbewerbern ins Hintertreffen geraten.
Nach der Übernahme will E.on mittelfristig 6 Mrd. bis 8 Mrd. $ bei Ruhrgas investieren, um Absatz und Beschaffung von Erdgas auszubauen. Deutschland importiert schon heute 80 % seines Gasverbrauchs überwiegend aus Russland und Norwegen. Mit den Finanzmitteln kann sich Ruhrgas als größter deutscher Importeur direkt an Gasproduzenten oder Gasfeldern beteiligen. Große Beteiligungschancen gebe es besonders in der russischen Erdgaswirtschaft, erklärte Tacke , denn sie habe in den nächsten Jahrzehnten einen Investitionsbedarf im dreistelligen Milliardenbereich und sei auf ausländisches Kapital angewiesen. „Das Ruhrgas-Engagement in der Produktion von Erdgas begrenzt künftige Gaspreisrisiken und erhöht so die Versorgungssicherheit Deutschlands“, sagt Tacke.
Sicherheit verspricht auch eine Klausel in der Ministererlaubnis: Sollte E.on seine Mehrheit an der Ruhrgas wieder abgeben wollen oder gar selbst zum Verkauf an ein ausländisches Unternehmen anstehen, müsste das Bundeswirtschaftsministerium dem zustimmen. Eine feindliche Übernahme wäre also unwahrscheinlich.
Die direkt betroffene Ruhrgas begrüßt die Ministererlaubnis. „Die Entscheidung weist den richtigen Weg zu mehr Versorgungssicherheit“, sagte Vorstandsvorsitzender Burckhard Bergmann. Deutschland sei in hohem Maße von Importen abhängig, Tendenz steigend. Es komme darauf an, die bis 2030 abgeschlossenen Importverträge lebensfähig zu halten. Produzenten wie Russland brauchten Milliardenbeträge für neue Gasfelder und Transportinfrastruktur und erwarten Beiträge ihrer ausländischen Kunden. Ähnliches gelte für den Gastransit durch Drittländer. Mit E.on erhalte Ruhrgas nun dafür die Finanzmittel.
Die ostdeutschen Interessen seien nicht ausreichend berücksichtigt, beklagt die Verbundnetz Gas (kurz VNG) in Leipzig. Sie ist Deutschlands zweitwichtigster Gasimporteur. An ihr halten E.on und Ruhrgas zusammen 42 % Anteile, die sie jetzt abgeben müssen. Die Ostdeutschen sehen Gefahr für ihr Unternehmen. „Wir gehen jedoch davon aus, in die Lösung der weiteren Fragen einbezogen zu werden“, sagte VNG-Vorstandschef Klaus-Ewald Holst. Rückendeckung erhält er von acht ostdeutschen Stadtwerken, die schon 15 % der VNG-Anteile halten. Sie formieren sich in einer Dachgesellschaft und wollen gemeinsam ihre Anteile aufstocken. Dabei steht der Erhalt der VNG mit ihren Standorten in Ostdeutschland und das Sichern der Wettbewerbsposition im Vordergrund.
Widerstand gegen die Übernahme- erlaubnis hat der Bundesverband der Energie-Abnehmer (VEA), Hannover, angekündigt. „Keine der Auflagen verhindert die Monopolstellung von E.on im Gasmarkt und damit die Blockade des Wettbewerbs. Die Zeche für diese Mammutfusion zahlen die Gaskunden. Die Preise werden jetzt noch mehr von den Größen des Gasgeschäfts, vornehmlich E.on, diktiert. Ein Anstieg ist mangels wirksamen Wettbewerbs unausweichlich“, erklärte VEA-Vorstandsmitglied Manfred Panitz.
Mit der Übernahme der Ruhrgas dominiere E.on den Gasmarkt noch stärker als beim Strom. Der Essener Gasriese importiere knapp zwei Drittel des in Deutschland verbrauchten Erdgases auf der Ebene der Weiterverteiler bestimme E.on mit seinen Töchtern das Geschäft ohnehin. „Die Bundesregierung behindert durch ihre Entscheidung die längst fällige Öffnung des Gasmarktes. Die deutschen Preise sind europaweit Spitze“, beklagte Panitz. Was die deutsche Wirtschaft und der deutsche Verbraucher jetzt sehen wollen, seien deutliche Zeichen für mehr Wettbewerb.
Am Montag hat der Energiedienstleister Ampere AG beim Oberlandesgericht Düsseldorf (OG) eine Eilklage gegen die Ministererlaubnis eingereicht. „Wir haben formal-juristisch einen Antrag auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung gestellt“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Ampere, Claus Rottenbacher. Er rechne sich dafür gute Chancen aus. Da die Fusion jetzt aber schon konkret vollzogen werde, sei schnelles Handeln nötig.
Für Rottenbacher ist es auffällig, dass sich die Essener RWE bei diesem Thema zurückhalte. Dies stehe offensichtlich im Zusammenhang mit der zu erwartenden RWE-Übernahme des Gelsenkirchener Wasserversorgers Gelsenwasser, den E.on im Rahmen der Fusionsauflagen abzugeben hat.
M. GROTELÜSCHEN

Von M. Grotelüschen
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