Energie 01.02.2002, 17:32 Uhr

Enron konnte die Veba nicht täuschen

Mit täglich neuen skandalösen Enthüllungen, dem Selbstmord eines Ex-CEOs und einer drohenden Klage zwischen Regierung und Parlament ist der Konkurs des texanischen Energiekonzerns Enron inzwischen nicht nur den Zahlen nach das größte Unternehmensdebakel in der US-Geschichte.

Einem Bericht der New York Times zufolge wollte Enron 1999 mit der damaligen Veba fusionieren, doch die Verhandlungen seien schon im frühen Stadium gescheitert. Dem Bericht zufolge kam die Fusion unter anderem deshalb nicht zu Stande, weil deren Berater, PricewaterhouseCoopers (PWC), der Veba mitgeteilt hatte, dass die Schulden von Enron vermutlich um einen zweistelligen Millionenbetrag höher sind als in den Meldungen an die Börsenaufsicht ausgewiesen.

Dabei sollen sich die PWC-Berater in den zwei Wochen ihrer Untersuchung nur auf die Analyse von allgemein zugänglichem Material beschränkt haben. Nach den Berechnungen der Veba und PWC kam man bei Enron auf eine Schuldenlast von 70 % bis 75 % des Marktwertes, und lag damit wesentlich über den 54 %, die Enron der SEC gemeldet hatte. E.on selbst wollte die Angaben der New York Times nicht kommentieren.

Der Enron-Skandal weitet sich in den USA immer weiter aus. So hat der im Mai gefeuerte ehemalige Enron-Chef Clifford Baxter inzwischen Selbstmord verübt und die von Vizepräsident Cheney nach der Wahl verkündete Energiepolitik soll aus der Feder von Enron stammen. Cheney bestreitet das, weigert sich aber die Enron-Korrespondenz herauszugeben folglich will das Parlament die Unterlagen einklagen.

Die zentrale Frage der Öffentlichkeit ist jedoch, wie es zu so einem immensen Unternehmens-Zusammenbruch kommen konnte? Was hat Enron falsch gemacht, welche Kontrollmechanismen haben versagt oder war es vielleicht sogar eine verfehlte Energiepolitik der Regierung? Die Antwort lautet ganz einfach: Von allem etwas.

Vor vielen Jahren war der amerikanische Energiemarkt genau wie in Deutschland in feste Monopole aufgeteilt. Mit der Liberalisierung bekamen die einstigen Monopolgesellschaften Schwierigkeiten, weil sie nicht schnell genug auf Preis- und Mengenänderungen reagieren konnten. Hier setzte Enron ein, indem das Unternehmen wie eine Warenterminbörse Abnahmemengen, Zeiträume und Preise als feste Kontrakte über das Internet handelte. Das war nichts Besonderes und half den Verbrauchern und Gesellschaften, weil es der Alltagsfluktuation der Märkte entgegenwirkte und damit eine stabilisierende Wirkung hatte.

Enron entdeckte jedoch sehr schnell, dass man auf diese Art nicht nur Strom, Öl und Gas, sondern auch Datenmengen, Videos, Filmrechte, Versicherungspolicen und zig andere Güter handeln kann. Leider entwickelten sich nicht alle diese neuen Märkte so, dass Enron damit Geld verdienen konnte und so wurden die Manager kreativ, wie sie die Verluste vor den Anteilseignern verschleiern konnten. Ein Beispiel dafür hat das Wall Street Journal wie in einem Puzzlespiel herausgefunden: Enron schloss mit Blockbuster, einer der größten amerikanischen Videotheken-Ketten, einen Vertrag zum Online-Vertrieb von Videos ab. Dieses wurde als der Videovertrieb der Zukunft gepriesen und das baldige Ende der Videotheken vorhergesagt. Doch der Deal mit Blockbuster floppte nach acht Monaten. Inzwischen aber hatte sich Enron bei einer kanadischen Bank einen Kredit von 115 Mio. Dollar auf die mit diesem Deal zu erwartenden Gewinne in den nächsten zehn Jahren beschafft. Damit aber noch nicht genug der Kreativität: Da der Kredit über eine „Partner-Gesellschaft“ kam, verbuchte Enron das Geld als Gewinn, obwohl nicht ein einziger Cent verdient worden war.

Testiert wurde das dann von den Steuerprüfern von Arthur Andersen unter der Leitung des Ex-Andersen-Partners David B. Duncan. Ein Abgeordneter des Untersuchungsausschuss veranschaulichte diese Geschäftspraxis sehr drastisch: „Enron hat eine Bank ausgeraubt, Andersen hat das Fluchtauto gestellt und David B. Duncan saß am Steuer.“

Am Steuer von Enron sitzt seit vergangenem Dienstag Stephen Cooper, Nachfolger des vor einer Woche zurückgetretenen Kenneth Lay. Er soll das Unternehmen gründlich umstrukturieren. Das größte Problem für die USA ist der Vertrauensschwund in die Liberalisierung der Energiemärkte – auch wenn das eine nichts mit dem anderen zu tun hat, denn Enron hat lediglich mit „kreativer und aggressiver“ Buchführung die bestehenden Kontrollmechanismen außer Kraft gesetzt. HARALD WEISS/jdb

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