Heiztechnik 13.09.2002, 18:21 Uhr

Energiezentrale nutzt Abfälle aus der Holzverarbeitung

Fast die Hälfte seines Energiebedarfes deckt ein Spanplattenhersteller mit eigenen Holzabfällen. Weitere Biomasse macht den Rest aus.

Mit einem Investment von über 50 Mio. $ hat Pfleiderer Holzwerkstoffe, einer der führenden europäischen Anbieter für derartige Materialien, den Standort in Gütersloh ausgebaut. Rund die Hälfte dieser Aufwendungen sind in die Errichtung einer neuen Energiezentrale geflossen, die Wärme und Strom für die eigene Spanplattenproduktion von rund 500 000 m3 pro Jahr erzeugt. Umgerechnet auf eine einheitliche Plattenstärke von 18 mm entspricht das fast der Fläche von Brandenburg. Zuvor wurde ein Großteil der benötigten Energie aus Erdgas gewonnen, bei der Neukonstruktion setzt das Unternehmen komplett auf Biomasse.
„Eine solche Lösung bietet sich immer dann an, wenn der zu versorgende Prozess bereits nachwachsende Rohstoffe benötigt, wie in der Papier-, Zucker- oder Holz verarbeitenden Industrie“, erklärt Dr. Cornelis Rasmussen, Leiter Product Strategy & Market Development der Siemens Power Generation im Bereich Industrieanwendungen. Siemens war Generalunternehmer für das schlüsselfertige Kraftwerk und zugleich Lieferant von Kernkomponenten wie dem Dampfturbosatz, der eine Bruttoleistung von 13,3 MW hat.
In Gütersloh werden zu 100 % Brennstoffe gemäß der Biomasse-Verordnung genutzt, d.?h. es kommen Rest- und Althölzer in zerkleinerter Form und in erheblichen Mengen Sieb- und Schleifstäube aus der eigenen Produktion zum Einsatz: „Bei der Plattenbe- und -verarbeitung fallen pro Jahr 35 000 bis 45 000 Tonnen Reststoffe an, die 45 % bis 50 % unseres Brennstoffbedarfs decken“, betont Olaf Maasjost, Leiter der Energietechnik in Gütersloh.
Eine Schlüsselkomponente der Energiegewinnung ist der Naturumlaufkessel mit Wanderrost, der wie der gesamte Feuerungsstrang inklusive Rauchgasreinigung von der Firma Aalborg Energietechnik (AET) geliefert wurde. In der Anlage wird mit Erfolg die Spreader-Stoker-Technik eingesetzt, die ursprünglich aus den USA stammt und inzwischen von der EU zu den besten verfügbaren Feuerungen gezählt wird.
Dabei werden die Holzschnitzel über den Wurfbeschicker kontinuierlich mittels Druckluft auf den gegenläufig wandernden Rost befördert. „Dadurch wird das Material je nach Größe und Gewicht separiert, was zu einem sehr guten Ausbrand führt“, so Dr. Axel Knörr, Umweltschutzbeauftragter von Pfleiderer. Die feinen Stäube werden über vier Düsen rund 2 m oberhalb des Rostes eingeblasen und verbrennen sehr schnell im Flug.
Obwohl die 17. BimSchV schon sehr enge Grenzen bei den Emissionen setzt, hat Pfleiderer die Vorsorgewerte vom Umweltamt Bielefeld akzeptiert, die noch einmal etwa 80 % niedriger liegen. Zudem bringt vor allem die konsequente Kraft-Wärme-Kopplung, die längst nicht bei allen Biomasse-Kraftwerken praktiziert wird, große Vorteile für die Umwelt. So ist die Anlage in Gütersloh wärmegeführt und liefert rund 68 t Dampf pro Stunde. Dieser wird dem Dampfturbosatz zur Stromerzeugung zugeführt. Die Turbine ist mit Dampfentnahmen versehen. Sie dienen einerseits zur Dampfversorgung der indirekten Beheizung der beiden gewaltigen Trommeln, in denen die Späne getrocknet werden, und stellen andererseits die Erhitzung des Thermoöls der Spanplattenpresse sicher.
Eine zusätzliche Emissionsminderung ergibt sich aus der Einleitung der hochbelasteten Pressenabluft in die Feuerungsanlage und aus der Verwendung der Rauchgase als Primärluft in den Trocknern. Klaus Runte, Leiter des Umweltamtes Bielefeld, lobt die Maßnahmen: „Pfleiderer hat mit den aufwändigen Investitionen eine nachhaltige Verbesserung der Umweltsituation erzielt.“
Kein Zweifel, die Verwendung von Biomasse hat in Deutschland einen starken Aufschwung genommen: „Nach In-Kraft-Treten der Biomasse-Verordnung und des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sind in nur einem Jahr Kraftwerke mit einer elektrischen Gesamtleistung von rund 250 MW vergeben worden, in den Jahren davor waren es insgesamt nur 150 MW“, hat Fachmann Rasmussen nachgerechnet, der maximal weitere 10 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 100 MW bis 150 MW in diesem Bereich erwartet. Der Grund dafür ist simpel – in Deutschland wird der Brennstoff Holz knapp. Von den 8 Mio. bis 9 Mio. t Altholz pro Jahr steht nur etwa ein Drittel für die Verbrennung zur Verfügung. KLAUS JOPP

Von Klaus Jopp
Von Klaus Jopp

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