29.10.1999, 17:23 Uhr

Energieversorger RWE und VEW verschmelzen

Das Fusionskarussell in der deutschen Strombranche dreht sich weiter. Der Essener Mischkonzern RWE soll mit dem Dortmunder Reviernachbarn VEW verschmolzen werden. Beide arbeiten bei der Abstimmung ihrer Kraftwerke bereits zusammen.

Die Liberalisierung der Strommärkte sorgt für eine zweite Großfusion bei den Versorgern: Nach dem Zusammenschluss der Viag AG, München, und der Veba AG, Düsseldorf, verschmilzt der Essener Mischkonzern RWE AG mit dem Reviernachbarn VEW AG aus Dortmund. Mehr als 200 Mrd. kWh Strom, so rechnen Experten hoch, verkauft dann die neue Branchennummer 1 und verweist die beiden Stromtöchter von Veba-Viag mit etwa 190 Mrd. kWh auf den zweiten Platz. Damit stände der neue Ruhrkonzern auf Platz 3 in Europa nach zwei Staatsunternehmen: der französischen EdF mit 455 Mrd. kWh und der italienischen Enel mit 225 Mrd. kWh Stromabsatz.
Der Name VEW wird bei der Verschmelzung verschwinden. Die Kommunen, die mit 56 % der Aktien den Dortmunder Versorger bislang beherrschten, tauschen ihre Anteile gegen RWE-Aktien und kommen mit den verbliebenen kommunalen Essener Aktionären auf rund 35 % der Stimmen am fusionierten Konzern.
VEW war ursprünglich eine Anti-RWE-Gründung der westfälischen Gemeinden und hielt über Jahrzehnte Abstand zu den Essenern. Dass jetzt VEW-Aufsichtsratschef Günter Samtlebe den Zusammenschluss mit den Essener anstieß, hat seine Gründe im dramatischen Preis- und Gewinnverfall beim Strom – VEW verliert allein rund 10 % Umsatz in diesem Jahr – sowie in Auflagen des Kartellamtes: Die Berliner Wettbewerbshüter genehmigen die „Mammut-Ehe“ Veba-Viag samt deren Stromtöchtern PreussenElektra, Hannover, und Bayernwerk, München, nur, wenn es zwischen Veba-Viag und RWE keine Verflechtungen bei dritten Firmen gibt. Doch genau die liegt bei VEW vor – RWE ist mit rund 10 %, die Münchener sind mit knapp 20 % an dem Dortmunder Versorger beteiligt. Das will das Kartellamt nicht hinnehmen, der Münchener 20-%-Anteil steht zum Verkauf.
Vor der Veba-Viag-Fusion zum Jahreswechsel müssen die Beteiligungen an VEW neu formiert sein. Dabei drängt sich eine Zusammenarbeit der Dortmunder mit den Essenern auf: Die addierten Umsätze von RWE und VEW entsprechen etwa den Veba-Viag-Kernumsätzen, sodass wie beim Stromabsatz eine Parität zwischen den beiden Branchenriesen entstände. RWE und VEW arbeiten bei der Abstimmung der Kraftwerke bereits zusammen. RWE ist in der Grundlast mit Braunkohle- und Atomstrom, VEW in der Mittellast mit seinen Steinkohlekraftwerken stark. Die Versorgungsgebiete von VEW und RWE ergänzen sich. Am VEW-Atomkraftwerk in Lingen hält RWE 12,5 % der Anteile, VEW und RWE sind mit jeweils 10 % an dem Hagener Versorger Elektromark beteiligt.
Die Einsparungseffekte bei einem Zusammenschluss bezifferte RWE am Wochenende auf 1,37 Mrd. DM jährlich. RWE-Konzernsprecher Dieter Schweer betonte, dass diese Synergien alle Unternehmensbereiche beträfen.
Noch Anfang Oktober hatte RWE-Chef Dietmar Kuhnt eine Aufstockung des 10-%-Anteils von RWE an VEW als nachrangig bezeichnet. Wichtiger sei derzeit, so Kuhnt, dass die Essener den Zuschlag für den 25-%-Anteil am süddeutschen Stromversorger EnBW, Karlsruhe, erhalten. Jetzt scheint VEW „kampflos“ an RWE zu fallen. Zudem zogen die Dortmunder am vergangenen Freitag ihr Gebot für EnBW zurück, das „Herzstück“ der von VEW-Chef Maichel geplanten Energie-Union werden sollte. Noch erklärt Maichel: „Wir lesen immer wieder, wir stünden auf irgendwelchen Einkauflisten ganz oben. Der Wahrheitsgehalt solcher Spekulationen liegt allerdings bei Null.“ Doch Maichels Aufsichtsratschef Samtlebe hat mit dem Auftrag, die Zusammenarbeit mit RWE auszudehnen, bereits ein entgegengesetztes Zeichen gesetzt.
Die Hauptversammlungen von VEW und RWE sollen im kommenden Jahr rückwirkend der Übernahme der Dortmunder durch den alten Konkurrenten zum 1. Januar 2000 zustimmen. Weitere rund 20 % an VEW-Anteilen könnte die Viag im Tausch gegen die Lech-Elektrizitätswerke, Augsburg, an RWE abgeben. Dieser alte RWE-Besitz in Bayern wird von den Essenern inzwischen direkt gehalten.
In den kommenden Monaten verhandeln RWE- und VEW-Manager über die Verteilung der Geschäftsfelder des fusionierten Konzerns auf Essen und Dortmund. Dabei wird die Politik, die die Fusion wesentlich über die WestLB mitgestaltete, ein gewichtiges Wort mitreden, verliert doch Dortmund seinen letzten Konzernsitz. (Seite 47)
MARTIN ROTHENBERG
Hochzeit von Giganten: RWE und VEW gehen zusammen. Mit dem Zusammenschluss Veba-Viag kommen auch PreussenElektra und Bayernwerk unter ein Dach.
Zwei Großfusionen verändern die Spitzenpositionen unter den deutschen Stromversorgern.

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

Ökotec Energiemanagement GmbH-Firmenlogo
Ökotec Energiemanagement GmbH Ingenieur/-in als Software Consultant für Energieeffizienz (w/m/d) Berlin
DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.-Firmenlogo
DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. Versorgungsingenieurin oder Versorgungsingenieur (w/m/d) Fachliche Leitung des Fachgebiets Versorgungstechnik Köln
Infraserv GmbH & Co. Höchst KG-Firmenlogo
Infraserv GmbH & Co. Höchst KG Ingenieur / Betriebsassistent Fachrichtung Verfahrens-/Energie-/Umwelttechnik / Maschinenbau (m/w/d) Frankfurt am Main
TÜV NORD EnSys GmbH & Co. KG-Firmenlogo
TÜV NORD EnSys GmbH & Co. KG Sachverständiger*Sachverständige für Elektro- oder Leittechnik im Bereich Energieinfrastruktursysteme Hannover, Hamburg
TÜV NORD EnSys GmbH & Co. KG-Firmenlogo
TÜV NORD EnSys GmbH & Co. KG Sachverständiger*Sachverständige zur Qualifizierung leittechnischer Komponenten im Bereich Energieinfrastruktursysteme Hannover, Hamburg
ENERTRAG Aktiengesellschaft-Firmenlogo
ENERTRAG Aktiengesellschaft Landschaftsplaner* (Projektplaner*) für Umwelt- und Bauleitplanung (m/w/d) Dauerthal, Rostock
Stadtwerke Potsdam GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke Potsdam GmbH Projektleiter Quartierslösung (m/w/d) Potsdam
Münchner Stadtentwässerung-Firmenlogo
Münchner Stadtentwässerung Umweltingenieur*in (w/m/d) München
WESSLING GmbH-Firmenlogo
WESSLING GmbH Abteilungsleiter (m/w/d) im Bereich Gebäudeschadstoffe und Rückbau Neuried
Sweco GmbH-Firmenlogo
Sweco GmbH Projektleiter / Projektingenieur Aufbereitungstechnik / Abfalltechnik / Umwelttechnik (m/w/x) Mainz

Alle Energie & Umwelt Jobs

Top 5 Energie

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.