Heiztechnik 26.05.2006, 19:22 Uhr

Energiepreise krempeln den Heizungsmarkt um  

Die Nachfrage für Solarkollektoren, Wärmepumpen und Holzpelletsanlagen zog noch einmal kräftig an.

Wir verzeichnen in Deutschland eine Verschiebung weg von klassischen Öl- und Gasheizkesseln hin zu Systemen zur Nutzung regenerativer Energien“, erläutert Dr. Joachim Berner, Vorsitzender der Geschäftsführung von BBT Thermotechnik. Doch habe der Zuwachs bei Wärmepumpen, Solarkollektoren und Festbrennstoffkesseln (Pellets und Scheitholz) in 2005 den Rückgang bei Öl- und Gasheizkesseln nicht kompensieren können. Der Markt für Heizung und Trinkwassererwärmung sei hierzulande im Wert um 2 % auf 2,0 Mrd. € gesunken. Hingegen konnte Europa in der Summe um 1 % auf 10,1 Mrd. € zulegen, der Weltmarkt sogar um 2 % auf 24,1 Mrd. €.

Die Branche zeigt sich verunsichert. War man vor einem Jahr noch zurückhaltend optimistisch, so sieht man nun neue Unwägbarkeiten durch die geplante Mehrwertsteuererhöhung. Diese könnte sich auf den Absatz positiv in 2006 und negativ in 2007 auswirken. „Von einer dauerhaften Erholung des Heiztechnikmarktes mit hohen Wachstumsraten gehen wir für Deutschland jedenfalls nicht aus“, konstatiert Berner. Was war passiert? Gegen die Erwartungen ist die Nachfrage im vergangenen Jahr um fast 14 % auf nur noch 660 000 Öl- und Gasheizkessel eingebrochen. Während man sich beim Branchenverband BDH auf Nachfragen verschlossen zeigt, schätzen Experten den Rückgang besonders bei Ölkesseln (Heizwert) um rund 18 % auf etwa 150 000 Stück.

Vor zehn Jahren seien es noch nahezu doppelt soviel gewesen. Der Einbruch habe selbst vor dem langjährigen Trendsetter, den Gas-Brennwertkesseln, nicht halt gemacht: Ihr Absatz sei um fast 8 % auf gut 300 000 Kessel geschrumpft. Gaskessel (Heizwert) mussten gar einen Rückgang von über 17 % auf knapp 190 000 Stück verkraften. Als Lichtblick hätten sich Öl-Brennwertkessel erwiesen, deren Nachfrage um 3000 auf erstmals 20 000 Anlagen kletterte.

Mit der Brennwerttechnik sind die Öl- und Gasheizkessel in Punkto Effizienz an ihre physikalischen Grenzen angelangt. Hier gehen die Entwicklungen hin zu kompakteren Bauweisen, Verbesserung der Zuverlässigkeit und Wartungsfreundlichkeit, Erhöhung des Komforts und Fernüberwachung. Gleichzeitig bauen die Hersteller ihr Produktangebot entsprechend der Verbrauchernachfrage weiter aus. So bietet Vaillant nun auch Öl-Brennwertkessel an. Und MHG Heiztechnik hat eine neue Abteilung eigens für erneuerbare Energien geschaffen. Der Absatz an Pelletskesseln – hier habe es Lieferzeiten von mehreren Wochen gegeben – ist laut BBT Thermotechnik in 2005 um zwei Drittel auf 11 000 Anlagen gestiegen. Hinzugekommen seien noch 19 000 Scheitholzkessel. Im Trend liegen sowohl kleine, regelbare Pellets-Kaminofenkessel (z.B. von Buderus bis 7,6 kW oder Gerco bis 9 kW) als auch große Pelletskessel (wie von Hoval bis 70 kW). Hagen Jakubek von Hoval sieht Bedarf für noch höhere Leistungen, diese böten sich für öffentliche Gebäude (wie Kindergärten) an, da Gemeinden so ihre Kohlendioxid-Emissionen und auch die Betriebskosten senken könnten.

„Die Wärmepumpe hat sich in den letzten Jahren vom Geheimtipp zum Problemlöser der aktuellen Energiepreissituation entwickelt“, kommentiert man bei Stiebel Eltron die erfreuliche Nachfrageentwicklung. Nach Angaben des Bundesverbandes Wärmepumpe gab es 2005 einen wahren Nachfrageschub um 44 % auf deutlich über 18 000 neu verkaufte Wärmepumpen (zum Heizen und Lüften bzw. Heizen und Kühlen). Hinzu kämen noch knapp 5000 Wärmepumpen zur Brauchwassererwärmung. Die meisten Anlagen nutzen dabei das Erdreich als Energiequelle. Durch hohe Vorlauftemperaturen erschließen sich die Wärmepumpen zunehmend auch den wichtigen Bereich der Heizungsmodernisierung. Angesichts eines geringen Neubaumarktes werden hierzulande derzeit mehr als vier von fünf Heizungsanlagen für die Modernisierung gekauft. Weiteres Plus moderner Anlagen ist die Möglichkeit der Klimatisierung im Sommer. Bei Erdreich-Lösungen genüge laut Waterkotte allein schon die Nutzung der kühleren Erdtemperatur mit einer Umwälzpumpe zur angenehmen Kühlung.

„Lösungen mit regenerativen Energien gewinnen klar an Bedeutung“, unterstreicht auch Paolo Merloni, Vorstandsvorsitzender der MTS Group. Im November habe man den Auftrag für die Installation von 6000 m² Solarkollektoren zur Deckung des Warmwasserbedarfs der Olympischen Spiele 2008 bekommen. „Eines der größten und anspruchsvollsten Projekte mit Röhrenkollektoren weltweit“, so Merloni. Noch dieses Jahr würden die ersten 100 m² Vakuumröhrenkollektoren der Eigenmarke Elco auf dem Gebäude des Olympischen Komitees installiert, ab Sommer 2007 folge die Hauptinstallation auf den Dächern des Olympischen Dorfes.

Nach Berichten der Solarwirtschaft wurden 2005 in Deutschland 100 000 Solarwärmeanlagen installiert – ein Viertel mehr als 2004. Dies entspreche einer Kollektorfläche von 950 000 m². Die Anlagen würden immer größer, so dass sie außer zur Brauchwassererwärmung auch zur Unterstützung der Raumheizung eingesetzt werden können. Installationsfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit stehen bei den als technisch ausgereift geltenden Solarkollektoren im Fokus. Für 2006 erwartet die Solarbranche eine Fortsetzung des Marktwachstums um 30 % – damit würden erstmals mehr als 1 Mio. m² Solarkollektorfläche in einem Jahr installiert. ROBERT DONNERBAUER

Zur Zeit lebt der Markt vom Ersatz alter Heizanlagen

Wärmepumpe gegen hohe Energiepreise

Ein Beitrag von:

  • Robert Donnerbauer

    Freier Journalist und Fotograf. Themengebiete: Energie (Gebäude, Industrie, Verkehr), Heiztechnik, Brennstoffzellen, Kraft-Wärme-Kopplung,  Verkehr (alternative Antriebe, Nutzfahrzeuge).

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