Energie 29.12.2000, 17:27 Uhr

„Energieforschung – eine Investition in die Zukunft“

Mit Energieforschung werden die Weichen für die Zukunft gestellt, glaubt Werner Müller. Der Bundeswirtschaftsminister stellt nachfolgend die Programme vor und erläutert deren Ziele.

Die Energieforschung der Bundesregierung ist darauf ausgerichtet, Technik-Optionen zu entwickeln, um endliche Ressourcen zu schonen und nachhaltig zur Senkung der energiebedingten Umwelt- und Klimabelastungen beizutragen. Die Weichen für eine erfolgreiche Energieforschung müssen vorausschauend und so frühzeitig wie möglich gestellt werden. Technologiepolitik und insbesondere Energieforschung müssen über den Tellerrand des aktuellen Marktgeschehens hinaus blicken. Dafür setze ich mich ein!
Die Förderung der Brennstoffzellentechnik im Rahmen des Bundesprogramms „Energieforschung und Energietechnologien“ ist für mich ein gutes Beispiel dafür. Bedingt durch die Förderung hat die Brennstoffzelle in Deutschland einen so hohen technologischen Stand erreicht, dass wir in wichtigen Anwendungsbereichen an der Schwelle zur Markteinführung stehen.
Dennoch sehe ich hier und auf anderen Feldern der Energieforschung die Notwendigkeit, im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten intensiv weiter zu fördern. Vor allem wenn es darum geht, etwa mit Hilfe von Demonstrationsvorhaben, den praktischen Nutzen der gewonnenen Entwicklungen unter Beweis zu stellen.
Im Haushalt meines Ministeriums, das auch für Energieforschung zuständig ist, sind für das Jahr 2001 rund 210 Mio. DM für nicht-nukleare Forschungs- und Entwicklungsarbeiten eingestellt. Im Rahmen des kürzlich beschlossenen Zukunftsinvestitionsprogramms der Bundesregierung stehen in den Jahren 2001 bis 2003 Mittel in Höhe von jeweils 80 Mio. DM bereit.
Wofür werden diese Mittel nun eingesetzt? Richtschnur für die Mittelvergabe sind generelle Ziele: Verminderung der energiebedingten Emissionen klimaschädlicher Gase, Weiterentwicklung von Energiehochtechnologien sowie Stärkung des Industriestandortes Deutschland und Verbesserung der Exportchancen für deutsche Energietechnologien.
Entsprechend breit ist das Spektrum der unterstützten Projekte: Es reicht von der optimalen Tageslichtnutzung in Gebäuden über neue Produktionsverfahren für Solarzellen bis hin zu effizienteren Gasturbinen. Im einzelnen liegen die Förderschwerpunkte auf der

  • Entwicklung von Techniken, die den Primärenergiebedarf weiter senken, etwa durch verbesserte Kraftwerkstechnik, neue Energieumwandlungstechniken, zum Beispiel Brennstoffzellen, und Erschließung neuer Sekundärenergieträger.
  • rationellen Energieanwendung und Einsparung fossiler Energien, insbesondere bei der Wärmeversorgung von Gebäuden, zum Beispiel durch Entwicklung neuer Wärmedämm- und -Speichertechniken sowie durch verstärkte Nutzung von solarerzeugter Niedertemperaturwärme und
  • Weiterentwicklung der Techniken zur Nutzung erneuerbarer Energien, d. h. vor allem deutliche Senkung der meist noch zu hohen Strom- und Wärmegestehungskosten, damit Energie aus Sonnenstrahlung, Wind, Wasserkraft, Biomasse, Erd- und Umgebungswärme die Energieversorgung auf eine breitere Grundlage stellen.

Möglichkeiten zur verstärkten Förderung von Vorhaben in einigen technischen Teilbereichen eröffnet das Zukunftsinvestitionsprogramm der Bundesregierung. Wir wollen mit den Mitteln weitere Anstrengungen bei mehreren Schwerpunkten fördern.
Demonstrationsprogramm zur energieeffizienten Sanierung von Altbauten: Altbauten bilden ein großes Energieeinsparpotenzial. Sie verbrauchen rund 90 % der in Deutschland benötigten Heizenergie. Mit dem Demonstrationsprogramm sollen energiesparende, vor allem innovative solare Lösungsansätze erprobt werden. Ziel ist es, den spezifischen Heizwärmebedarf von Altbauten um mindestens 50 % zu senken.
Entwicklung und Demonstration im Bereich der Brennstoffzelle und sonstiger Antriebstechniken: Nachdem die Entwicklung von Brennstoffzellen auch schon in der Vergangenheit mit erheblichen Mitteln vom Bund gefördert worden ist, kommt es nun darauf an, durch die Entwicklung von neuen Fertigungsverfahren und deren Erprobung die Vermarktung vorzubereiten. Ziel des Programms ist es, für die Brennstoffzelle einen Weg hin zu einer kostengünstigen Energietechnologie zu bahnen bzw. national einen wettbewerbsfähigen Industriezweig aufzubauen.
Errichtung eines Testfeldes für Offshore-Windkraftanlagen: Nur durch eine konsequente Nutzung des Offshore-Windpotenzials in deutschen Hoheitsgewässern lässt sich das Ziel einer Verdopplung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2010 erreichen. Im Rahmen einer neuen Fördermaßnahme soll der Bau eines Offshore-Testfeldes zur Erprobung und Zertifizierung der in Deutschland hergestellten Offshore-Windkraftanlagen einschließlich umweltrelevanter Untersuchungen ab 2001 realisiert werden.
Geothermische Energiegewinnung: Die Nutzung der Erdwärme stellt ein sehr großes Potenzial, das jedoch mit großen Erschließungsrisiken und noch hohen Kosten verbunden ist. In der Entwicklung befinden sich zwei Verfahren: das Hot-Dry-Rock-Verfahren, das zur Stromerzeugung benutzt werden soll, und der Aufschluss bisher nicht genutzter klüftig-poröser Speicherhorizonte. Das Hot-Dry-Rock-Verfahren wird zurzeit in einem europäischen Projekt in Soultz in eine nächste Phase mit dem Ziel übergeführt, eine Pilotanlage zur Stromerzeugung zu errichten. Durch zusätzliche Mittel sollen die Entwicklungen in dem zweiten Verfahren, z. B. durch die Förderung von Demonstrationsvorhaben, beschleunigt werden.
Nukleare Sicherheits- und Endlagerforschung: Die Bundesregierung hat im Konsens mit den Energieversorgungsunternehmen die Rahmenbedingungen für den Ausstieg aus der Kernenergie festgelegt. Auch und gerade unter diesen Bedingungen muss sichergestellt bleiben, dass kerntechnische Anlagen in Deutschland nur unter Gewährleistung höchster Sicherheit nach dem Stand von Wissenschaft und Technik betrieben werden. Dazu ist der Erhalt der sicherheitstechnischen Fachkompetenz in Deutschland unverzichtbar. Die wissenschaftliche Basis dafür liefert eine von Industrie- und Verbandsinteressen unabhängige Sicherheitsforschung für die Reaktorsicherheit und die Entsorgung.
Ich werde daher die notwendigen Mittel bereitstellen, um den deutschen Sachverständigen in Behörden und ihren Gutachterorganisationen eine wissenschaftlich eigenständig erarbeitete Basis für ihre Entscheidungen bzw. Empfehlungen zu erhalten. Damit wird auch sichergestellt, dass Deutschland weiterhin an wichtigen internationalen Forschungsanstrengungen zum Erhalt und der Weiterführung kerntechnischer Sicherheit teilnehmen und seine Expertise in internationalen Verhandlungen wirksam einsetzen kann.
Eine zentrale Aufgabe des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie ist es, Wirtschaft und Gesellschaft im globalen Wettbewerb auf dem Weg in das neue Jahrtausend zu unterstützen. Mir geht es vor allem darum, die Innovationskraft der Unternehmen zu stärken und die Gesellschaft zur Erneuerung und Risikobereitschaft zu motivieren, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und damit neue Arbeitsplätze zu schaffen. Der Bereich der Energieforschung ist dabei ein besonderer Schwerpunkt. Hier werden die Weichen für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung gestellt. Chancen eröffnen und Risiken mindern, und dies im Dialog mit Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Bürgern zum Wohle unserer ganzen Gesellschaft, ist für mich eine der ganz wichtigen Leitlinien einer zukunftsorientierten Energieforschung. WERNER MÜLLER

Werner Müller

ist seit Oktober 1998 Bundesminister für Wirtschaft und Technologie. Der Dipl.-Volkswirt und in Sprachwissenschaften promovierte Müller war zunächst Hochschullehrer und Marktforscher. Er arbeitete ab 1980 bei der Veba, seit 1990 als Generalbevollmächtigter und wechselte 1992 in den Vorstand der Veba Kraftwerke Ruhr. Müller war viele Jahre Berater des damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder. mg

Von Werner Müller
Von Werner Müller

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

ALFRED TALKE GmbH & Co. KG-Firmenlogo
ALFRED TALKE GmbH & Co. KG Elektroingenieur / Projektingenieur (m/w/d) Hürth
Fresenius Kabi Deutschland GmbH-Firmenlogo
Fresenius Kabi Deutschland GmbH Ingenieur / Techniker technische Gebäudeausrüstung (m/w/d) Neufahrn bei Freising
Münchner Stadtentwässerung-Firmenlogo
Münchner Stadtentwässerung Betriebsingenieur*in für die Kanalinspektion und Zustandsbewertung (w/m/d) München
Hochschule RheinMain Wiesbaden Rüsselsheim-Firmenlogo
Hochschule RheinMain Wiesbaden Rüsselsheim Ingenieur:in der Fachrichtung Heizungs-, Klima-, Lüftungs- und Sanitärtechnik (m/w/d) Wiesbaden
EnerControl GmbH & Co. KG-Firmenlogo
EnerControl GmbH & Co. KG Energieingenieur (m/w/d) Isernhagen bei Hannover
Borsig Service GmbH-Firmenlogo
Borsig Service GmbH Projektleiter E- und Leittechnik (m/w/d) Berlin
Borsig Process Heat Exchanger GmbH-Firmenlogo
Borsig Process Heat Exchanger GmbH Berechnungsingenieur (m/w/d) Berlin
Viessmann Group-Firmenlogo
Viessmann Group Vertriebsingenieur (m/w/d) im Bereich Energie- oder Versorgungstechnik / TGA / Energiewirtschaft Mörfelden-Walldorf
Landeshauptstadt München-Firmenlogo
Landeshauptstadt München Bauingenieur*in / Umweltingenieur*in als Betriebshofleitung (m/w/d) München
Abfallwirtschaft GmbH Halle-Lochau-Firmenlogo
Abfallwirtschaft GmbH Halle-Lochau Ingenieurtechnischen Projektmanager (m/w/d) in der Abteilung Umwelt- und Sicherheitscontrolling Schkopau

Alle Energie & Umwelt Jobs

Top 5 Energie

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.