Deubau 2010 08.01.2010, 19:44 Uhr

„Energieeffizienz ist die sinnvollste aller Energiequellen“  

Die Abwärme von Menschen und technischen Geräten reicht meist aus, ein Passivhaus zu beheizen. Bei Frosttagen oder im Falle einer Hitzperiode im Sommer könnte aber der Wärmepumpen-Einsatz ratsam werden. Am Beispiel Passivhaus will die Deubau zeigen, wie effektiv das Ergebnis interdisziplinärer Arbeit zwischen Bauphysik und innovativer Gebäudetechnik geworden ist. VDI nachrichten, Essen, 8. 1. 10, rok

Die Bedeutung des Passivhauses für Energieeinsparung und CO2-Reduktion wird eines der Themen auf der Deubau sein, die vom 12. bis 16. Januar 2010 nach Essen einlädt. Besonderes Merkmal dieses Gebäudetyps: In ihm muss so gut wie nicht geheizt werden. Neuester Trend: Nicht nur Eigenheime, sondern auch größere Wohn- und Gewerbebauten genügen dem Passivhaus-Standard. Überdies lässt sich das Konzept auch im Rahmen einer Gebäudemodernisierung verwirklichen. Mittlerweile sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz schon über 8000 Passivhäuser bewohnt.

Wirkungsvolle Bauphysik und moderne Gebäudetechnik konsequent miteinander zu verbinden, war der Ausgangspunkt für den Passivhaus-Gedanken. „Unser Konzept bietet ein enormes Potenzial“, urteil Wolfgang Feist, Professor für Bauphysik und Leiter des Passivhaus-Instituts in Darmstadt. Die Passivhaus-Idee zapfe nämlich die sinnvollste aller Energiequellen an: die Energieeffizienz. Der Physiker, der die Entwicklung des Passivhauses maßgeblich prägte, will in Essen überdies belegen, dass es sich in einem Gebäude, das lediglich über die Lüftungsanlage beheizt wird, behaglich wohnen lässt.

Eine besondere Eigenschaft des Passivhauses ist in der Tat die konstante Innentemperatur. Das gelte – so entsprechende Anbieter – sowohl über einen Tag als auch über das ganze Jahr gesehen. Die Innentemperatur ändere sich nur langsam. Bei ausgeschalteter Heizung sinke sie um weniger als 0,5 °C am Tag, und zwar im Winter, wenn keine Sonne scheine. Alle Wände und Böden verfügten über dieselbe Temperatur. Dies gelte ebenfalls für den Keller, wenn er innerhalb der thermischen Hülle liege. Es gebe keine „kalten“ Wände oder Fußböden. Schimmelbildung sei – so ein Sprecher des Passivhaus-Instituts – mithin ausgeschlossen.

Bei längeren Hitzeperioden im Sommer könne ein Passivhaus indes zur Wärmefalle werden, meinen einzelne Kritiker. Im Verlauf einer längeren Periode heißer Sommertage sei es nicht auszuschließen, dass Bewohner die Außenwärme ins Haus schleppten, die dann kaum wieder hinauszubekommen sei. Das Passivhaus drohe dann, sich wegen seiner wirkungsvollen Wärmedämmung wie eine Thermoskanne zu verhalten.

Gerade die dicke Dämmung von Außenwänden sorge im Sommer für angenehme Kühle, entgegnet die Informationsgemeinschaft Passivhaus Deutschland. Einzelne Anbieter empfehlen aber generell den Einsatz einer erdgekoppelten Wärmepumpenanlage, die in den Sommermonaten reversibel eingesetzt werden kann. Eine Klimaanlage aber bleibt zumindest in Mitteleuropa verzichtbar. Das gelte – so der Arbeitskreisverband Passivhaus-Schulen – auch für Bürogebäude und Schulgebäude im Passivhaus-Standard.

Eher unbestritten der Heizungsverzicht im Winter. Dies erreiche man durch eine gute Wärmedämmung aller Umfassungsflächen, wie Dach, Kellerwände, Fundamente und Fenster, betont Bernd Degwer von der Degwer Energieberatung in Schwerte. Indes: Akribisch müssten Wärmebrücken und Undichtigkeiten vermieden werden, was nicht zuletzt für die Anschlüsse im Haus gelte. Aber auch die Fenster bleiben im Winter geschlossen, so dass sich zur dichten Gebäudehülle die kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung gesellen muss.

Die kontrollierte Wohnraumlüftung sorgt dafür, dass etwa alle ein bis vier Stunden die Luft im Haus ausgetauscht wird. Bei diesen geringen Luftvolumenströmen seien weder Luftbewegung, Zugluft oder Geräusche wahrnehmbar, so Anbieter raumlufttechnischer Anlagen. Die frische, gefilterte und vorgewärmte Zuluft führe man den Wohn- und Schlafräumen zu. Von dort gelange sie durch Überstromöffnungen in die Flure (beispielsweise über den Türen oder mittels unterschnittener Türblätter) und werde in Küche, Bad und WC wieder abgesaugt. Von hier aus geht die Abluft durch Kanäle zum Wärmeübertrager und schließlich als Fortluft nach draußen.

Das Herzstück der Lüftungsanlage ist die Wärmerückgewinnung mit einem Gegenstrom-Wärmeübertrager. Die Wärme aus der Abluft wird zu 80 % bis 95 % an die Zuluft abgegeben, ohne dass sich dabei Zu- und Abluft vermischen. Zur Luftvorwärmung empfehlen Anbieter von Wärmepumpen eine erdgekoppelte Anlage zuzuschalten, die im Sommer die Vorkühlung ermöglicht. Ähnlicher Effekt ließe sich aber auch mit Fundamentabsorbern erreichen, so das Institut für Grundbau und Bodenmechanik der Technischen Universität Wien.

Einzelne Besitzer aber fürchten im Falle einer längeren winterlichen Frostperiode Gänsehautgefahr und halten sich im Passivhaus einen Wärmeerzeuger in Reserve, etwa eine Elektrogebäudeheizung, eine thermische Solaranlage oder einen Pelletofen. Meist aber werde im Passivhaus der Heizwärmebedarf über „innere Gewinne“ gedeckt, versichert die Informationsgemeinschaft Passivhaus Deutschland, also durch Wärmeabgabe von Personen und Geräten sowie durch den Wärmeeintrag über die Fenster.

Die Passivhaus-Fenster werden in Mitteleuropa meist dreifach verglast. Neueste Entwicklung: Konstruktionen mit zwei hintereinander liegenden Fensterflügeln. Im Zwischenraum integrierte Sonnenschutzrollos vermeiden überdies Wärmebrücken im Rollladenbereich. ELMAR WALLERANG

Von Elmar Wallerang
Von Elmar Wallerang

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