Kleinkraftwerke als Dienstleistung 22.04.2013, 10:59 Uhr

Energiedienstleister geben Impulse für Energiewende

Der Markt für Energiecontracting stagniert in Deutschland. Dabei verstehen sich die Energiedienstleister als Impulsgeber der Energiewende. Marcus Bort, Vorsitzender des Esco Forum im ZVEI, forderte auf der Hannover Messe daher einen fairen Marktzugang für Contractoren. Sie könnten helfen, den „schlafenden Riesen“ Energieeffizienz wach zu rütteln.

Dienstleister, die im Kundenauftrag Blockheizkraftwerke aufstellen, fühlen sich im EEG benachteiligt. Sie werden nicht wie ein Kunde, der den Strom selbst herstellt, von der EEG-Umlage befreit ist. Der Energieversorger Lichtblick stellt kleine Hauskraftwerke von VW in Wohnanlagen auf, die dann von den Hauseigentümern gemietet werden.

Dienstleister, die im Kundenauftrag Blockheizkraftwerke aufstellen, fühlen sich im EEG benachteiligt. Sie werden nicht wie ein Kunde, der den Strom selbst herstellt, von der EEG-Umlage befreit ist. Der Energieversorger Lichtblick stellt kleine Hauskraftwerke von VW in Wohnanlagen auf, die dann von den Hauseigentümern gemietet werden.

Foto: Lichtblick

„Energieeffizienzdienstleistungen bzw. Contracting sind ein essenzieller Baustein für mehr Energieeffizienz in Industrie, Gewerbe, Kommunen und Wohnungswirtschaft“, unterstrich Marcus Bort, Vorsitzender des Esco Forum im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) auf der diesjährigen Hannover Messe. Esco steht für „Energy Service Companies“. Diese verfügten über technische und wirtschaftliche Lösungskompetenz, so Bort. „Diese ist ein Muss, um im Zuge der Energiewende dezentrale Energieversorgung mit niedrigen CO2-Vermeidungskosten verstärkt zu etablieren und damit für wichtige Investitionen in Effizienztechnologien zu sorgen.“

Energieeffizienz habe es noch nicht zur gleichen Popularität wie erneuerbare Energien gebracht, beklagte Bort. „Sie ist wie ein schlafender Riese, den wir wach rütteln können und wollen. Wir identifizieren Effizienzpotenziale bei unseren Kunden und heben diese im Rahmen unserer Umsetzungsmodelle. Eine Win-win-Situation plus Extragewinn für Umwelt und Ressourcen.“ Das Effizienzeinsparpotenzial liege dabei bei etwa 15 % bis 20 %, häufig auch darüber.

Dienstleistern liefern Energie aus Kraft-Wärme-Kopplung

„Contracting mobilisiert privates Kapital. Ohne dieses Kapital und den Einsatz neuester Technologien wird die Energiewende kein Erfolg“, betonte Bort. „Wir Energiedienstleister verstehen uns als Impulsgeber der Energiewende.“ Mit ihrer Hilfe könne die Energiewende nicht nur umgesetzt, sondern auch kostengünstiger gestaltet werden.

Der Esco-Vorsitzende forderte nachdrücklich einen fairen Marktzugang. Dieser werde derzeit verwehrt durch eine Ungleichbehandlung des Contracting gegenüber der Eigenversorgung im EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz). Dies behindere den politisch gewollten und geförderten Ausbau der industriellen KWK (Kraft-Wärme-Kopplung).

So würden nach der aktuellen Gesetzeslage Endnutzer wie Industrie und Gewerbe, Hotels oder Krankenhäuser von der EEG-Umlage befreit, solange sie den Strom aus der KWK-Anlage als Eigentümer selber erzeugen und verbrauchen. Dies treffe jedoch nicht mehr zu, wenn ein Contractor als Eigentümer der KWK-Anlage ins Spiel komme – die Befreiung von der EEG-Zulage ist dann derzeit nicht mehr möglich.

Benachteiligung im EEG

„Hier erwarten wir eine Gleichstellung – hier muss der Gesetzgeber den Rahmen weiter stecken“, stellte Bort klar. Es sei sachlich nicht begründet, Lösungen zu diskriminieren, bei denen externe Fachleute als Dienstleister auftreten. Selber würden Verbraucher die Investition oft nicht tätigen. Die Gründe dafür seien vielschichtig. Sie reichten von fehlenden Ressourcen und Kapital über fehlende Kompetenz bis hin zu internen Vorgaben für Payback-Zeiten. „Wir fordern keine Förderung“, stellte Bort klar.

Grundsätzlich sei KWK ein starker Partner des Contracting, weil große Effizienzgewinne realisiert werden können. „Wegen der Komplexität und gegebener Transaktionskosten sind Leistungsgrößen ab 20 kW bis 50 kW für die Ingenieure unserer Branche eine darstellbare Größenordnung“, erklärte Bort gegenüber den VDI nachrichten.

Der Markt für Energie-Contracting sei 2012 in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr in etwa gleich geblieben. „Die Nachfrage und die Neugier nehmen stetig zu – also großes Interesse“, sagte Bort. Wegen gegenläufiger politischer Förderregime bleibe das Zusammenspiel von Contracting und KWK aber hinter seinen Möglichkeiten zurück – oder werde im Mietwohnraummarkt gar „kaputt gemacht“, so Bort.

Contracting-Lösungen würden in der Wohnungswirtschaft durch die nun erforderliche Betriebskostenneutralität nicht nur wesentlich erschwert, sondern „praktisch unmöglich“ gemacht. „Die Chance für eine Lösung des Investor-Nutzer-Dilemmas wurde vertan.“

Von Robert Donnerbauer
Von Robert Donnerbauer

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