Energie 16.03.2007, 19:27 Uhr

Energie aus Wellen und Strömungen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 16. 3. 07, mg – Die Orkney-Inseln hoch im Norden Schottlands sind starken Westwinden und Wellen ausgesetzt. Hier betreibt die Forschungsinstitution Emec eine einzigartige Infrastruktur, um Anlagen für die Stromerzeugung aus Meereswellen und -strömungen zu testen.

Die schottische Regionalregierung (Scottish Executive) hat hochgesteckte energiepolitische Ziele. Bis zum Jahr 2010 sollen die Energieversorger den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung auf beträchtliche 18 % steigern, wie schon 2002 deutlich gemacht wurde. „Für unser inselreiches und vom Meer umgebenes Land ist es naheliegend, dass wir dafür auch die unerschöpfliche Energie der Meereswellen und -strömungen nutzen wollen“, erklärt Neil Kermode, Managing Director der Emec, einer hoch im Norden auf den Orkney-Inseln angesiedelten Forschungseinrichtung.

Aber bisher gibt es weltweit nur vereinzelt Meeresenergieanlagen, sie müssen erst noch gebaut werden. „Wir stellen die Infrastruktur zur Verfügung, damit Firmen und Institutionen eine Basis haben, um Forschung und Entwicklung zu betreiben und Prototypen unter den echten, harten Bedingungen des Meeres zu testen“, sagt Kermode. Dafür seien die Orkney-Inseln prädestiniert. Vom Westen her über den Atlantik treffen hier die Meereswellen mit einer spezifischen Leistung von bis zu 25 kW je 1 m Wellenbreite auf die Küste.

Vor dem Westufer, nahe bei Stromness, befinden sich daher die Testfelder für Wellenenergiekonverter. Inmitten der Inselgruppe sind ähnliche Felder für Anlagen zur Ausnutzung der Meeresströmung aufgebaut. Hier bei der kleinen Insel Eday können die Prototypen in 10 m bis 50 m Tiefe bei Strömungsgeschwindigkeiten bis 3,5 m/s erprobt werden. Die insgesamt zehn Areale haben etwa zur Hälfte eine 11-kV-Kabel-Verbindung zu einer zentralen Station auf der Inselgruppe und von dort aus weiter zum schottischen „Festland“.

Die Einzigartigkeit dieser Einrichtungen, in die rund 15 Mio. £ investiert worden seien, mache die Orkney-Inseln attraktiv für Unternehmen aus aller Welt, die sich mit der Entwicklung von Meeresenergiekonvertern befassen, sagt der Chef der Emec, ein Kürzel für European Marine Energy Centre. Derzeit würden Firmen aus England und Irland die Testeinrichtungen nutzen, wobei die irischen auf eine amerikanische Technologie zurückgriffen. Auch finnische Entwickler hätten schon von der Infrastruktur des Centers profitiert, das von der schottischen Regierung, vom britischen Handels- und Industrieministerium sowie der Europäischen Union und weiteren Organisationen finanziert wird.

„Unsere Einrichtungen sind offen für jede Institution und Firma“, betont Kermode und bedauert, dass bisher deutsche Firmen erst wenig Interesse gezeigt hätten. Die Stärke der Deutschen läge darin, dass sie das Know-how und die Fähigkeiten hätten, die einzelnen mechanischen, elektrischen oder hydraulischen Komponenten dieser Meerestechnologie zur Einsatzreife zu bringen. „Für die Entwickler besteht die Herausforderung darin, zuverlässige und auf Jahre funktionsfähige Anlagen zu bauen. Der Betrieb und die Wartung sind die größten Probleme“, sagt der Emec-Chef und verweist auf die extremen Beanspruchungen durch Stürme, Wellengang und das aggressive Salzwasser.

Eines der Highlights bei der Emec war die Erprobung von Pelamis, dem ersten Wellenenergiekonverter, der in Originalgröße auf der Insel erprobt und dabei an das elektrische Versorgungsnetz angeschlossen wurde. Der von der Ocean Power Delivery Ltd., Edinburgh, entwickelte Konverter sieht aus wie eine riesige Schlange, die aus vier hohlen metallischen Segmenten aufgebaut ist und auf der Meeresoberfläche schwimmt. Bei Seegang verändert sich die Lage der Segmente zueinander. Sie knicken leicht ein und strecken sich wieder, Hydraulikbauteile erzeugen dadurch einen Öldruck und dieser bringt Generatoren zur Stromerzeugung in Schwung. Dieser Konverter leistet 750 kW und ist so weit einsatzreif, dass ein portugiesisches Konsortium einen kleinen Anlagenpark bestellt hat. Vormontiert bei schottischen Unternehmen, wurden die Pelamis-Schlangen voriges Jahr nach Portugal verschifft und dort vor der Küste installiert. Je nach Seegang liefern sie Strom für 1500 Haushalte.

In diesen Wochen wird an den Emec-Testplätzen der Prototyp eines neuen Strömungskonverters erwartet. Es wird nicht der letzte sein, ist Kermode überzeugt, denn Emec sei langfristig angelegt und dürfe auf politische Unterstützung vertrauen. Erst kürzlich habe die schottische Regierung ein neues 13 Mio. £ umfassendes Entwicklungsprogramm gestartet, das den maritimen Energien neuen Schwung verleihen soll. M. GROTELÜSCHEN

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

Kölner Verkehrs-Betriebe AG-Firmenlogo
Kölner Verkehrs-Betriebe AG Stabsstellenleitung (w/m/d) Zentraler Brand- und Umweltschutz Köln
Rolls-Royce Power Systems AG-Firmenlogo
Rolls-Royce Power Systems AG Technical Sales Specialist (m/w/d) Emergency Power Supply Friedrichshafen
Amprion GmbH-Firmenlogo
Amprion GmbH Leiter (m/w/d) Leitwarte Technik Pulheim
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Hamburger Hochbahn AG Projektingenieurin / Projektingenieur Elektrische Energietechnik Hamburg
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Hamburger Hochbahn AG Projektingenieurin / Projektingenieur Elektrische Energietechnik Hamburg
ENERCON GmbH-Firmenlogo
ENERCON GmbH Prüfingenieur (m/w/d) Schwerpunkt EMV Aurich bei Emden
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Ingenieur (w/m/d) als Projektleiter für Sicherheit in der Wasserstofftechnologie München
ORAFOL Europe GmbH-Firmenlogo
ORAFOL Europe GmbH Assistent im Bereich Qualitäts-, Umwelt- und Energiemanagement (m/w/d) Oranienburg
ORAFOL Europe GmbH-Firmenlogo
ORAFOL Europe GmbH Umwelttechniker / Umweltingenieur (m/w/d) Oranienburg
BORSIG ValveTech GmbH-Firmenlogo
BORSIG ValveTech GmbH (Qualitäts-) Managementsystem-Beauftragter (m/w/d) Leegebruch

Alle Energie & Umwelt Jobs

Top 5 Energie

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.