Solarthermie 28.07.2006, 19:23 Uhr

Ende einer solaren Durststrecke  

VDI nachrichten, Aldeire/Spanien, 28. 7. 06, mg – 15 Jahre nach der letzten Errichtung eines solarthermischen Kraftwerkes erfolgt nun ein neuer Anlauf. Im Februar begannen die Bauarbeiten für ein Projekt in Nevada, jetzt wurde in Spanien der Grundstein für eine viermal so große Anlage gelegt. Der Projektentwickler und die wesentlichen Zulieferer kommen aus Deutschland.

Der symbolische erste Spatenstich war schnell vollzogen. Dann eilten der andalusische Minister für Innovation und Wissenschaft, Francisco Vallejo, und die Gäste der Zeremonie in ein klimatisiertes Zelt. Zu unbarmherzig brannte am Donnerstag voriger Woche die Sonne vom Himmel. Aber genau deshalb soll bei der Gemeinde Aldeire 50 km östlich von Granada ein Solarkraftwerk entstehen. Mit einer jährlichen Direktstrahlung von 2200 kWh pro 1 m2 Fläche ist die Hochebene eine der sonnenreichsten Gegenden Spaniens. „Andasol 1“ soll daraus mit einer Spiegelfläche von 510 000 m2 ab Mitte 2008 jährlich 180 GWh Strom erzeugen. Die Nennleistung beträgt 50 MW.

Wie der Projektname andeutet, soll es nicht bei einem Kraftwerk bleiben. „In der Nachbarschaft werden zwei baugleiche Anlagen entstehen“, sagte Michael Geyer, Geschäftsführer der Gesellschaft Milenio Solar, die das Projekt bis zur Baureife vorangetrieben hat. Milenio Solar ist eine Tochter der Solar Millennium AG in Erlangen, die seit ihrer Gründung 1998 auf die Realisierung von Solarkraftwerken hingearbeitet hat. Der Durchbruch in Spanien kam mit einem Gesetz, das für Solarstrom eine Vergütung von 21 Ct/kWh garantiert. Unter diesen Bedingungen war die ACS/Cobra-Gruppe, der größte Baukonzern und Anlagenbauer Spaniens bereit, 75 % an „Andasol 1“ zu übernehmen. Finanziert wurde das 300 Mio. € teure Projekt durch die Europäische Entwicklungsbank und vier weitere Banken.

Gebaut wird eine so genannte Solarfarm. Nord-Süd ausgerichtete Parabolrinnen, die der Sonne nachgeführt werden, konzentrieren die Solarstrahlung 80-fach auf ein Stahlrohr in der Brennlinie, das sich, da es in ein evakuiertes Glasrohr eingeschlossen ist, bis auf 400 °C erhitzt. Ein Synthetiköl führt die Wärme ab und erzeugt über einen Wärmetauscher Dampf, der wie in einem konventionellen Kraftwerk die Turbine antreibt.

Nach dem gleichen Konzept hatte die israelisch-amerikanische Firma LUZ von 1984 bis 1990 in der kalifornischen Mojave-Wüste bereits neun Anlagen mit einer Gesamtleistung von 350 MW errichtet. Doch gerade als sich die weltweite Vermarktung der Technik abzuzeichnen schien, ging LUZ in Konkurs. Trotz wiederholter Anläufe kam in der Folge kein Neubau zustande.

Gegenüber den kalifornischen Vorläufern sind für „Andasol“ die beiden Schlüsselkomponenten, die Parabolrinne und das Absorberrohr, deutlich verbessert worden sind. Die Flagsol GmbH, der technische Arm der Solar Millennium, hat ein Fachwerkgerüst entwickelt, in das sich die Spiegel sehr präzise einpassen lassen, und das sich bei Wind wenig verbiegt. Das bringt eine um 10 % bessere Nutzung der Solarstrahlung. Damit dieser Wert auch in der Praxis Bestand hat, werden nach der Montage des Gerüstes auf der Baustelle die Haltepunkte der Spiegel mit Spezialkameras optisch vermessen, und das daraus errechnete dreidimensionale Bild mit der Idealform verglichen. „Wir streben an, die Abweichungen auf einen Millimeter zu begrenzen“, so Paul Nava, der Geschäftsführer von Flagsol. Die Spiegel werden von der Flabeg GmbH aus Furth im Wald in der Oberpfalz produziert, die bereits die kalifornischen Solarfarmen belieferte.

Auch für das Absorberrohr liegt eine verbesserte Version vor. Eine besonders heikle Stelle sind die Abdichtungen am Ende der Röhre, wo wegen der hohen Temperaturdifferenz zwischen Stahl- und Glasrohr starke Spannungen auftreten. Die Schott-Rohrglas GmbH, die ebenfalls in der Oberpfalz, in Mitterteich, ansässig ist, hat dafür unter Verwendung eines neuen Glastyps eine sehr bruchfeste Verbindung entwickelt.

Während in Kalifornien übers Jahr gesehen 25 % Gas zugefeuert werden können, um sonnenlose Zeiten zu überbrücken, erfolgt in Spanien der Betrieb rein solar. Ein Wärmespeicher mit 25 000 t Salz, der sich bis 380 °C aufheizen lässt, reicht für sechs Stunden Stromerzeugung.

Außer in Spanien plant Solar Millennium auch Kraftwerke in Marokko, Algerien und China. Der Vorstandsvorsitzende Christian Beltle hofft, dass der Baubeginn für „Andasol 1“ auch diese Projekte einer Verwirklichung näher gebracht hat. HANS DIETER SAUER

Neben dem neuen Kraftwerk sollen zwei weitere Anlagen gebaut werden

Von Hans Dieter Sauer
Von Hans Dieter Sauer

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