Energie 16.03.2001, 17:28 Uhr

Einfach mal das Gerät ausschalten!

Die Beiträge, die jeder zu Hause und am Arbeitsplatz zum Klimaschutz leisten kann, sind alles andere als Peanuts. Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass durch einfache Maßnahmen pro Jahr 84 Mio. t CO2 vermeidbar wären, fast 10 % der deutschen CO2-Fracht.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Um insgesamt 23 Mio. t ließen sich in Deutschland die CO2-Emissionen allein in Gewerbe, Handel und Dienstleistung senken das sind etwa 16 % des Gesamtausstoßes in diesem Bereich. Bereits heute lässt sich der Stromverbrauch um ca. 14 Mrd. kWh pro Jahr durch Abschalten von Stand-by, Anpassen der Betriebszeiten von Geräten an die tatsächliche Nutzung oder manuelles Zu- und Abschalten der Beleuchtung reduzieren. Dies entspricht ungefähr dem Jahresstromverbrauch der Stadt Berlin. Hinzu kommen Einsparpotenziale bei der Raumwärme von 50 Mrd. kWh, beim Warmwasser von jährlich 10 Mrd. kWh.
Ein noch größeres Sparpotential – nämlich rund 61 Mio. t CO2 – bergen Privathaushalte, das entspricht einem Drittel der gesamten CO2-Emissionen der deutschen Haushalte. Besonders effizient sind Maßnahmen, die den Energieverbrauch für Raumwärme reduzieren: Sie machen 87 % des Einsparpotentials aus. „Wer also aufpasst, dass die Heizkörper nicht mit Möbeln zugestellt sind, wer die Fenster nicht bei voll aufgedrehter Heizung aufreißt und auf angemessene Raumtemperaturen achtet, leistet einen beachtlichen Beitrag zum Klimaschutz“, betont Martin Cames, Klimaexperte am Öko-Institut Darmstadt. Ein Haushalt könnte dadurch bis zu 600 DM jährlich sparen.
Die Studie „Klimaschutz durch Minderung von Treibhausgasemissionen im Bereich Haushalte und Kleinverbrauch durch klimagerechtes Verhalten“ wurde gemeinsam vom Öko-Institut Darmstadt und dem Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI), Karlsruhe, erarbeitet. Wichtigster Schluss der Untersuchung: Würden alle empfohlenen Verhaltensmaßnahmen durchgeführt, wäre zusammen mit der Entwicklung immer sparsamerer Geräte das von der Bundesregierung für das Jahr 2005 gesteckte Ziel – 25 % weniger CO2 als 1990 – erreichbar.
„Ein schöner Gedanke, aber leider weit weg von der Realität“, sagt Edelgard Gruber, Projektleiterin am ISI. Nur wenige gehen mit Strom und Wärme bewusst um. „Gewohnheiten, Unkenntnis und fehlende Motivation stehen der Ausschöpfung der Sparmöglichkeiten entgegen“, formulieren die Autoren.
In einer Befragung von rund 120 Verbrauchern gaben zwar 31 % an, sich neue energiesparende Haushaltsgeräte angeschafft zu haben, und immerhin 25 % nutzen Energiesparlampen. 40 % allerdings haben ihre Verbrauchsgewohnheiten in den letzten drei Jahren nicht geändert. Die Gründe: Jeder zweite behauptet, „schon immer“ sparsam gelebt zu haben. 18 % ändern ihre Gewohnheiten nicht, weil Anreiz oder Anlass fehlen.
Nur 38 % der befragten Verbraucher erkennen überhaupt zusätzliche Sparmöglichkeiten, die sich meist aber auf Energiesparlampen und den Austausch alter Haushaltsgeräte beschränken. Andere Maßnahmen wie Abdichten der Fenster, Nutzung der Abwärme des Herdes, Abschalten von Geräten und Licht oder Drosselung der Heizung sind nur wenigen bekannt. Für 2005 kann daher nur mit einer Reduktion von 8 Mio. t CO2 gerechnet werden, für 2020 von 19 Mio. t.
Erschwerend kommt hinzu, dass eine direkte Rückmeldung des Verbrauchs fehlt. Wer weiß schon, ob es sich lohnt, die Spartaste zu betätigen oder den Bildschirm auszuschalten? Auch ist, zumindest in Büros oder Betrieben, niemand wirklich verantwortlich und niemand hat direkten Nutzen, wenn er sich am Arbeitsplatz energiesparend verhält.
Die Lösung? Entscheidend ist, bei Verbrauchern, aber auch Betriebsleitern, Lehrern, Hausmeistern und Verwaltungen das Bewusstsein fürs Energiesparen zu schärfen und jeweils Anreize zu schaffen. „Allerdings nicht mit dem erhobenen Zeigerfinger“, so Gruber, sondern durch Seminare, Aktionswochen oder kostenlose Verbrauchsmessungen in Betrieben, wie sie die Energieagentur NRW anbietet. Auch Hersteller können einiges mehr tun: den Standby-Verbrauch weiter reduzieren und besonders sparsame Geräte deutlich kennzeichnen. „Hersteller und Händler nutzen die Sparsamkeit von Geräten viel zu wenig als Verkaufsargument“, so Gruber.
Vor allem hat die Werbewirtschaft das Thema Energiesparen bisher noch nicht entdeckt. Wenn man Verbraucher mit Reklame zum Kauf eines Produkte anregen kann, warum dann nicht zum Energiesparen? „Es fehlen bundesweite Aktionen mit Plakaten und Spots“, so Cames, „die so intensiv sind wie die Werbung für Coca Cola“. cf

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