Regierung entmachtet Tepco 03.09.2013, 16:54 Uhr

Eine Eiswand im Boden soll Verseuchung in Fukushima stoppen

Die japanische Regierung hat sich nach langem Zögern entschlossen, die Sicherung des zerstörten Kernkraftwerks Fukushima dem Betreiber Tepco zu entziehen. Die Regierung will 380 Millionen Euro ausgeben und durch eine Eiswand im Boden den Austritt radioaktiven Grundwassers ins Meer stoppen.

Die genieteten Tanks in Fukushima verlieren kontaminiertes Wasser. Jetzt soll eine Vereisung des Bodens das Austreten des radioaktiv verseuchten Wassers ins Meer verhindern.

Die genieteten Tanks in Fukushima verlieren kontaminiertes Wasser. Jetzt soll eine Vereisung des Bodens das Austreten des radioaktiv verseuchten Wassers ins Meer verhindern.

Foto: dpa

Ein drängendes Problem in Fukushima sind derzeit die Leckagen der vielen Tanks auf dem Gelände der Kernkraftwerkes, die mit kontaminiertem Kühlwasser gefüllt sind. Dabei rächt sich, dass die nach dem Unglück in aller Eile zusammengebauten Tanks aus Stahlblechen einfach genietet und nicht etwa geschweisst worden sind. Aus den genieteten Tanks tritt tropfenweise kontaminiertes Wasser aus, das sich im Laufe der Zeit und in Verbindung mit der großen Zahl der Tanks allerdings zu erheblichen Mengen addiert, die dann den Weg ins Meer gesucht und gefunden haben.

Rettungsaktion kostet 380 Millionen Euro

Der große  japanische Baukonzern Kajima K.K. hat vorgeschlagen, das Erdreich unter und seitlich der Tanks tief zu vereisen. Dadurch würden die Wassertropfen gefrieren, sobald sie aus den Tanks auf den Boden fallen. Kajimas Vorschlag läuft darauf hinaus, im Radius von 1,4 Kilometern rund um die Tankzone Schächte anzulegen. Von diesen Schächten aus werden unter der Tankanlage Rohre durchgezogen und miteinander vernetzt. In diese Rohre wird ein extrem kaltes Kühlmittel eingespeist.

Kajima favorisiert flüssigen Sauerstoff. An den Rändern des vereisten Bodens wird die Vereisung bis an die Oberfläche hochgezogen. Oberirdisch wird ein Schutzwall angelegt, der ebenfalls durch das Rohrnetz durchzogen wird und damit vereist. Damit könnten auf Jahre hinaus größere Mengen kontaminierter Flüssigkeit aus den Tanks austreten, ohne ins Meer zu fließen.

Mit der Vereisung wird aber nach den Vorstellungen von Kajima auch noch etwas ganz anderes erreicht: Bisher dringt immer wieder Grundwasser in die Erde unter das Tanklager ein. Das Grundwasser verdünnt zwar das kontaminierte Wasser aus den Tanks. Zugleich aber wird die Menge kontaminierter Flüssigkeit vervielfacht. Durch die Vereisung wird nicht nur ein Schutz nach oben, sondern gerade auch nach unten Richtung Grundwasser geschaffen.

Vereisung bietet keine Sicherheitsgarantie

Kajima selbst übernimmt allerdings ausdrücklich keine Garantie, dass die Vereisung des Tanklagers tatsächlich die gewünschte Abhilfe schafft. Und selbst Shinji Kinjo, der die spezielle Katastropheneinheit  NRA der japanischen Nuklearbehörde leitet, betont: „Es gibt weder ein Preisschild, noch eine Garantie.“ Ein gewisses „Preisschild“ gibt es allerdings dergestalt, dass Kajima für die Ausführung der geschilderten Arbeiten des Vereisungsprojekts pauschal reichlich 40 Milliarden Yen oder umgerechnet rund 380 Millionen Euro von der NRA fordert. Für Japans Premierminister Shinzo Abe, der grundsätzlich als Kernkraft-Befürworter gilt, gibt es wohl keinen Ausweg als zu bezahlen – selbst ohne Erfolgsgarantie.

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