Photovoltaik 19.08.2013, 12:05 Uhr

Ein Megawatt für die Wissenschaft

In Karlsruhe entsteht ein Solarkraftwerk, dessen Strom nicht ins Netz eingespeist, sondern von der Forschungseinrichtung KIT selbst verbraucht wird. Es ist die größte Anlage ihrer Art in Deutschland.

Der Strom aus der Photovoltaikanlage wird zu 100 Prozent im eigenen Netz des KIT verbraucht. 

Der Strom aus der Photovoltaikanlage wird zu 100 Prozent im eigenen Netz des KIT verbraucht. 

Foto: KIT/M. Lober

Solaranlagen, vor allem große, speisen den erzeugten Strom ins öffentliche Netz ein. In besonderen Fällen wird der Strom selbst genutzt, etwa in abgelegenen Regionen wie Berghütten. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) will jetzt demonstrieren, dass es sinnvoll ist, auch Großanlagen selbst zu nutzen. Derzeit vollendet der Modulhersteller und Solaranlagenbauer Solarwatt aus Dresden auf dem weitläufigen Gelände des ehemaligen Forschungszentrums, das heute zum KIT gehört, ein Ein-Megawatt-Solarkraftwerk.

Es ist das deutschlandweit größte, das nur für den Eigenbedarf produziert. Damit deckt das KIT etwa zwei Prozent seines Strombedarfs ab, was nicht viel zu sein scheint. Doch die Einsparung beträgt pro Jahr 200 000 Euro bei einer Investitionssumme von 1,5 Millionen Euro. Die Karlsruher gehen davon aus, dass die Solaranlage eine Lebensdauer von mindestens 20 Jahren hat. Damit wirft sie nach knapp acht Jahren Amortisationszeit Gewinn ab.

„Mit der Photovoltaikanlage im Eigenverbrauch läutet das KIT im Sinne eines Forschungsprojekts die Energiewende auch für die eigene Stromversorgung ein“, sagt Professor Eberhard Umbach, Präsident des KIT. Erforscht wird vor allem die Einbindung des nur zeitweise und in unterschiedlichen Mengen zur Verfügung stehenden Solarstroms in die gesamte Stromversorgung des Campus II, so die schnöde Bezeichnung des Geländes.

Nutzungsdauer von 30 Jahren

Parallel zu diesen Arbeiten richtet das KIT ein Solarmodul-Freilandlabor ein, um neuartige Module auf Lebensdauer und Effizienz zu testen. Die Forscher wollen auch herausfinden, welcher Neigungswinkel den größten Ertrag bringt. Wichtig ist es auch, einen Kompromiss bei der Ausrichtung der Module auf die Sonne zu finden, die ja im Laufe eines Tages einen Dreiviertelkreis zu durchlaufen scheint. Ziel ist die Entwicklung regenerativer Energiesysteme mit höherer Energieeffizienz und verlängerter Nutzungsdauer von bis zu 30 Jahren. Beide Effekte werden zur weiteren Kostensenkung von Strom aus Photovoltaik beitragen. Außerdem sollen Pufferspeicher getestet werden, die Strom in sonnenarme und -freie Zeiten hinüberretten, sodass beispielsweise Hausbesitzer ihren Strom weitgehend selbst nutzen können. Das ist derzeit nur etwas für wahre Solarfans, weil Batterien und das benötigte Steuerungssystem noch zu teuer sind.

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