Windkraft 14.02.2003, 18:23 Uhr

Ein Aufsteiger mit blendenden Perspektiven

Beim Windanlagenhersteller Repower Systems hat der 25-Jährige seinen Traumjob gefunden.

Rendsburg, Mittwoch, 10.30 Uhr. Vor einer Stunde hat Sebastian Friedrich einen Anruf von der dänischen Firma Mita-Teknik bekommen. Im Windpark Wüstenhöfen, 30 km südlich von Hamburg, haben zwei Messtechniker des dänischen Unternehmens in einer Windanlage der Repower Systems AG ein Problem in der Datenkommunikation lokalisiert.
Friedrich macht sich auf den Weg. Gut anderthalb Stunden Autofahrt sind es von Repowers Entwicklungszentrum bis in die Nordheide. Der 25-Jährige ist erst seit drei Monaten „an Bord“ des norddeutschen Windanlagenherstellers. „Unerfahren“ sei er. „Erfahrung ist wohl das Einzige, was mir fehlt.“
Friedrich fühlt sich gut ausgebildet. In der Regelstudienzeit von vier Jahren hat er sein Studium an der Wismarer Fachhochschule für Wirtschaft und Technik absolviert. Elektrotechnik, Vertiefungsstudium Elektroenergietechnik. „Mein Ziel war es schon immer, für die erneuerbaren Energien zu arbeiten“, sagt der Jungingenieur. Den Einstieg bei Repower fand Friedrich über seine Diplomarbeit: Zusätzliche Netzanschlussregeln für Windkraftanlagen. Friedrich ging in die Offensive und machte dem WEA-Hersteller ein attraktives Angebot: „Nennt mir ein Problem und ich mache Euch dazu eine Diplomarbeit“. Bingo! Repower stieg ein, bezahlte ein ordentliches Diplomandengehalt und machte am Ende ein Jobangebot. Friedrich arbeitet jetzt in der Systemtechnik, 80 % Büro, 20 % im Wind vor Ort. Eine ideale Mischung, findet er.
Wüstenhöfen, kurz nach 12 Uhr. Friedrich ist vor Ort: Drei Windenergieanlagen (WEA) des Typs MD 70 mit jeweils 1,5 MW Leistung stehen weitab vom Dorf auf einem Feld. Nur zwei „Strommühlen“ drehen sich, vor einer steht der rote Bus der Dänen. Friedrich macht sich für den Aufstieg fertig: Overall, Helm, schweres Sicherungsgeschirr und sein wichtigstes Werkzeug – das Handy. Das braucht er für die Kommunikation mit seinen Kollegen in der Entwicklungszentrale – unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg. Denn Friedrich weiß nicht, was ihn erwartet. „Ich befasse mich heute erst zum zweiten Mal mit der MD 70“, gibt er zu bedenken.
Erwartet wird viel von ihm. Die Kollegen in der Zentrale müssen das Datenübertragungsproblem in der WEA schnell lösen. Entweder in der Konstruktion, wenn es ein hausgemachtes Problem ist, oder im Einkauf, wenn es ein Zulieferteil betrifft. Die Zeit drängt: WEA-Produkte dieses Typs produzieren für mehrere tausend Euro Strom am Tag. Aber nur, wenn die Rotoren sich drehen.
12.30 Uhr. Friedrich hat den 90-m-Aufstieg auf einer senkrechten Sprossenleiter im Innern des Turms bewältigt. Leicht schnaufend und schwitzend begrüßt er die dänischen Messtechniker, die schon seit dem frühen Morgen in der Gondel arbeiten. Umgangssprache ist Englisch, die Dänen erklären ihr Messprogramm. Nach einem ersten Handy-Telefonat mit einem älteren Kollegen in der Zentrale entschließt sich Friedrich, den Schleifring am Nabenende genauer unter die Lupe zu nehmen. „Die Datenübertragung von der Nabe in den zentralen Rechner der Gondel zeigt Lücken von 20 Mikrosekunden. Es kann eigentlich nur ein Fehler am Schleifring sein“, weiß er sich mit der Zentrale einig.
Um die Verkleidung des Schleifrings zu entfernen, braucht Friedrich einen Inbus. Die Dänen haben zwar ein mobiles Messlabor dabei, aber nicht den passenden Schlüssel. Der liegt unten in Friedrichs Auto. Die Dänen klopfen Friedrich lachend auf die Schulter, als er sich erneut das Sicherungsgeschirr für den Abstieg anlegt: „Immer alles mitnehmen. Das lernst Du auch noch.“
16 Uhr. Die Gondel nickt heftig, als die Hydraulikbremse die 26 m langen Rotoren nach dem letzten Probelauf abbremst. Die Dänen schauen gebannt auf ihren Messmonitor, zeigen sich dann zufrieden. Nach insgesamt fünf Telefonkonferenzen mit der Systemtechnik und der Konstruktion in Rendsburg hat Friedrich die Sache im Griff. „Hoffen wir, dass es so bleibt“, zeigt er sich erleichtert, aber immer noch ein bisschen skeptisch. Friedrich hat jeden Schritt seiner Arbeit mit einer Digitalkamera dokumentiert. Für die morgige „Manöverbesprechung“ sollen die Aufnahmen dem Team in der Zentrale wichtige Informationen liefern.
Geld ist es nicht, was Friedrich in die Windtechnik lockte. Die Einstiegsgehälter der jungen Branche liegen für Ingenieure in der Regel unter 40 000 € . „In der Autoindustrie würde ich sicherlich mehr verdienen“, ist sich Friedrich im klaren. Neben einer guten Portion Idealismus sei ein „bisschen Abenteuerlust“ eine weitere Motivation. Er arbeitet in einer Boombranche mit momentan 40 000 Beschäftigten in Deutschland, in drei Jahren mit geschätzten 70 000 Beschäftigten, davon rund ein Viertel Ingenieure. Eine junge Branche mit jungem Personal. Kurze Innovationszyklen, sich öffnende Auslandsmärkte, technische Herausforderungen wie Offshore-Technik und neue Energiespeichermedien. Nichts für Stubenhocker und Aktenwälzer. JÖRN IKEN

Repower Systems
Mit Power an die Börse
Die Repower Systems AG entstand im Mai 2000 aus fünf mittelständischen Windturbinenherstellern und Windparkprojektierern. Im Frühjahr 2002 legte das Hamburger Unternehmen einen vielbeachteten Kavalierstart an der Börse hin. Repower produziert mit 370 Mitarbeitern an fünf Standorten Windenergieanlagen zwischen 600 KW und 2 MW Leistung. ji

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