Energie 27.04.2007, 19:27 Uhr

Druckluft kommt planbar zum Festpreis  

VDI nachrichten, Hannover, 27. 4. 07, kip – Wer seine Druckluftversorgung dem Anlagenlieferanten überlässt, hat eine Sorge weniger und mehr Ressourcen fürs Kerngeschäft. Dass sich Druckluft-Contracting für beide Seiten lohnt, haben auch die Energieversorger erkannt und drängen zunehmend in diesen Markt, wie sich auf der Hannover Messe zeigte.

Viele Industriebranchen setzen auf Druckluft. „Das Stichwort Lebenszyklusmanagement spielt dabei wie in anderen Bereichen eine zunehmende Rolle“, so Matthias Zelinger, Referent beim VDMA-Fachverband Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik in Frankfurt. Viele Hersteller boten daher ein Druckluft-Contracting an, das zu den Schwerpunktthemen auf der Fachausstellung „ComVac“ in Hannover zählte. Vor allem Kunden mit gut kalkulierbaren Bedarfsmengen können aus einem solchen Rundum-Sorglos-Paket einen Nutzen ziehen. „Unternehmen, die sich auf ihr Kerngeschäft fokussieren oder Energiekosten senken möchten, fragen verstärkt Contracting-Angebote und kostengünstige Komplettsysteme nach“, betonte Zelinger.

Immer wichtiger ist es dabei, nicht nur die Anschaffungskosten einer Druckluftanlage im Blick zu haben, sondern die Gesamtkosten über die vollständige Lebensdauer der Anlage. „Die Anschaffungskosten bzw. der entsprechende Kapitaldienst machen in dieser Rechnung oft kaum mehr als 20 % aus, schätzt Reiner Kordt, Geschäftsführer von Ultra Air. Der Hildener Contracting-Spezialist und Messeaussteller installiert bei seinen Kunden neue Druckluftstationen, betreibt sie und rechnet mit dem Nutzer nach verbrauchten Kubikmetern ab. „Dieses Geschäftsmodell findet gerade angesichts der steigenden Energiekosten großen Anklang“, wie Kordt schilderte. So habe Ultra Air bei Kautex Textron die Druckluftstation modernisiert und liefert als Contractor die benötigte Druckluft: Drei vorhandene Kompressoren wurden in den Contracting-Vertrag übernommen, ergänzt durch einen neuen drehzahlgeregelten 200 kW-Schraubenkompressor. Eine zentrale Steuerung überwacht dabei die Kompressoren und schaltet sie bedarfsgerecht zu oder ab.

Vorteil: Die Kosten sind transparent. Kapazitätsanpassungen lassen sich auch während der Vertragslaufzeit leicht vornehmen. „Immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie effizienter arbeiten, wenn sie sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und Spezialaufgaben an entsprechende Spezialisten delegieren“, weiß Kordt.

Solch eine erhöhte Flexibilität bietet auch das Druckluft-Contracting-Modell Sigma-Air-Utility von Kaeser in Coburg: So wurden beispielsweise die Kaeser-Hard- und Software der übergeordneten Kompressorensteuerung bei dem Textilunternehmen Schoedel in Münchberg nicht gekauft, sondern geleast und immer auf dem neuesten Stand gehalten. Auch Atlas Copco Kompressoren und Drucklufttechnik in Essen sieht im Druckluft-Contracting eine Chance, Kosten zu senken: Contracting biete einen Versorgungsgrad, wie man ihn bei Strom, Gas und Wasser längst gewohnt ist, heißt es dort. „Aber es gibt keine feste Definition, was man unter Contracting versteht. Es handelt sich immer wieder um einen individuellen Vertrag,“ erläuterte Atlas-Copco-Manager Reimund Scherff.

Würden beispielsweise zu kurze Laufzeiten zu Grunde gelegt, so verteuere sich der m3-Preis, da die einmaligen Installationskosten den Preis nach oben drücken. In einem Industriebetrieb ermittelt Atlas Copco das Druckluftbedarfsprofil und die Druckluftqualität mittels Analyse nach der Airscan-Methode über sieben Tage. „Wichtig ist aber auch das dynamische Verbrauchsverhalten, wie groß sind die Verbrauchsänderungen innerhalb einer Minute, Stunde oder Tag?“, so Scherff auf der weltgrößten Industrieschau. Bei einem Neubau müsse versucht werden, ein branchenübliches Verbrauchsprofil zugrunde zulegen. „In über 90 % aller Fälle können nur geregelte Kompressoren zu einer wirtschaftlichen Lösung der Drucklufterzeugung beitragen“, verdeutlichte der Branchenexperte.

Neben dem Service-Contracting, bei dem die Investitionen durch den Kunden vorgenommen werden, bietet Atlas Copco auch Einspar-Contracting: Nach einer Analyse des vorhandenen Druckluftsystems mittels Airscan und dem Feststellen einer unwirtschaftlichen Betriebsweise wird der benötigte Druckluftvolumenstrom durch eine Simulation mit neuen Maschinenkonzepten, wie drehzahlgeregelten Kompressoren und Trocknern, verglichen. Der daraus ermittelte Einsparbetrag pro Monat wird dann für die Finanzierung einer neuen, wirtschaftlich arbeitenden Anlage eingesetzt.

Volker Thomassen vom Product Marketing der Alup-Kompressoren GmbH in Köngen macht allerdings eine etwas andere Rechnung auf: „Der Markt hat die Erwartungen noch nicht erfüllt und die anfänglich mit dem Thema verbundene Euphorie hat sich nicht umsetzen lassen.“ Optimistischer sind dagegen die Energieversorger: Weil der Druckluftbedarf auch die Energiekosten mit beeinflusst, steigen sie verstärkt in den Contracting-Markt ein: So hat beispielsweise Vattenfall-Contracting bei der zu Continental gehörenden Benecke-Kaliko AG die komplette Medien-Versorgung mit Wärme über Kälte, Wasser bis hin zu Druckluft übernommen. Im Werk Eislingen, wo 350 Mitarbeiter täglich 133 km Folienbahnen zur dekorativen Oberflächenbeschichtung vorwiegend für die Automobil- bzw. Automobilzulieferindustrie fertigen, konnten die Betriebs- und Energiekosten in der Medienversorgung um jährlich mehr als 15 % reduziert werden. EDGAR LANGE

Verträge zwischen Contracting-Partnern werden individuell ausgehandelt

  • Edgar Lange

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