Energieeffizienz 13.07.2007, 19:29 Uhr

Die Sonne schickt dem Optiker keine Rechnung  

VDI nachrichten, Bonn, 13. 7. 07, rus – Rund 10 Mio. € Fördermittel stellt die deutsche Bundesregierung im Jahr zum Bau energiesparender, umweltfreundlicher Projekte zur Verfügung. Manche geförderte Vorhaben sind ungewöhnlich, wie die wassergekühlten Solarzellen auf dem Dach eines Optikergeschäfts. Damit Förderung und Förderideen bekannt werden, schreibt die KfW Förderbank den Energieeffizienzpreis aus.

Der selbstständige Augenoptiker Frank Borstel aus Grimmen nahe Greifswald hatte im Internet recherchiert, wie er mit Wärmepumpe und Solarzellen Energie sparen könne. Er fürchtete, die Energiekosten für sein Renovierungsvorhaben würden das neue Geschäft zu sehr belasten.

Das alte Kino „Schauburg“ in Grimmen, erbaut 1930, stand seit 1992 leer und drohte zu zerfallen. In einem Teil des Gebäudes wird seit 1990 ein Augenoptikgeschäft und in der oberen Etage eine Augenarztpraxis betrieben. Da beide zu klein wurden, kaufte Frank Borstel das leer stehende Kino, machte – nach eigenen Angaben – „die größte Brillenschau in Mecklenburg-Vorpommern“ daraus.

Frank Borstel: „Die Architektin war in Sachen erneuerbare Energien uninformiert, wollte mir das unbedingt ausreden. Empfahl eine Gasheizung, das funktioniere ….“

Er lernte das Ingenieurbüro Wilfried Lüthen aus Greifswald kennen und später die Firma Climadesign. Zusammen planten sie das gesamte Kapillarrohrsystem, das mittels Wärmepumpe im Winter und mit der Brunnenpumpe im Sommer die Innentemperaturen im Verkaufsraum auf angenehmen 22 0C hält.

Parallel dazu interessierte sich Frank Borstel für Solarenergie. Planer und Bauleiter Wilfried Lüthen bestärkte Borstel in seiner Entscheidung, das Dach als gewinnträchtigen „Stromerzeuger“ zu nutzen.

Nun hatte Marius Vargas von Climadesign eine Idee: Es wäre in der Theorie bekannt, dass bei Photovoltaikzellen pro 4 0C Erwärmung sich deren Leistungsfähigkeit bzw. Ertrag um 1 % reduziert. Aber in der Praxis habe das wohl niemand ausprobiert. Wenn man die Zellen herunterkühlt, müsste sich der Stromertrag erhöhen lassen, so der Ansatz.

Da schon ein Rohrsystem im Haus vorhanden war, wurde ein zweiter Wärmetauscher mit einem extra Kreislauf ins System eingefügt. Die Hälfte der Photovoltaikmodule bekam auf der Rückseite Kapillarrohrmatten vom Hersteller Solon AG, Berlin, einlaminiert, die nun im Sommer die Zellen kühlen und im Winter erwärmen, so dass der Schnee schneller schmilzt und die Module eher Strom produzieren.

Jetzt werden zwei Jahre lang die Stromerträge der gekühlten und ungekühlten Module miteinander verglichen.

Borstel verbucht sein Experiment als Erfolg. „Ich spare 12 000 € bis 13 000 € pro Jahr gegenüber den früheren Energiekosten“, freut sich der 42-Jährige, der das Optikgeschäft mit elf Angestellten in der vierten Generation führt.

Vor allem durch den Verzicht auf eine konventionelle Klimaanlage spart Borstel in seinem Geschäft zudem jährlich rund 27 t Kohlendioxyd (CO2) ein.

Für das Bundesumweltministerium hörte sich das Projekt vielversprechend an. Borstel wurde mit 70 000 € gefördert. Mit dem Geld wurden auch noch eine zusätzliche Dämmung des Hauses und eine Verbesserung der Beleuchtung bezahlt.

Martin Waldhausen vom Bundesumweltministerium: „Wir fördern Demonstrationsprojekte, die anderen den Anreiz bieten, es gleichzutun.“

Derzeit stellt das Ministerium im Rahmen seines Umweltinnovationsprogramms gut 10 Mio. € pro Jahr für innovative Verfahren und Techniken zur Verfügung, die erstmals großtechnisch angewendet werden. Der Weg zur finanziellen Förderung durch das Bundesumweltministerium beginnt bei der staatlichen KfW Förderbank. Dorthin muss der Unternehmer mit einer Idee zum Energiesparen eine Projektskizze schicken. Sie wird überprüft, ob sie nach den Richtlinien des Ministeriums förderungswürdig ist. Wenn ja, leitet die KfW die Skizze an das Umweltbundesamt weiter. Deren Experten beurteilen den technischen Wert des Vorschlags. Geht die Prüfung positiv aus, erbittet die KfW einen förmlichen Antrag. Dieser Antrag durchläuft dann wieder den schon beschriebenen Weg. Läuft alles nach Plan, gibt am Ende der Bundesumweltminister sein Einverständnis.

„In der Regel wird die Förderung als zinsgünstiges Darlehen gewährt“, erklärt Silke Wohlfarth, Projektmanagerin in der KfW-Abteilung Gewerbliche Umweltschutzfinanzierung. In Ausnahmefällen kann auch ein Finanzierungszuschuss von bis zu 30 % der förderfähigen Kosten gewährt werden.

Bis zu einem halben Jahr dauert das Prüfverfahren. Silke Wohlfarth: „Die Dauer ist abhängig von der Größe des Projekts, nicht von der Höhe der etwaigen Finanzierung.“

Die KfW verfügt aber auch über eigene Geldtöpfe, aus denen sie Umweltschutz- und Energieprojekte finanziert. Überdies schreibt die Bank jedes Jahr ihren KfW-Energieeffizienzpreis aus. Dieses Jahr will auch Optiker Borstel sich mit seinem Projekt beim Energieeffizienzpreis der KfW Förderbank bewerben.

Möglichkeiten der Energieeinsparung hat nahezu jeder gewerbliche oder industrielle Betrieb. Allerdings gibt es nach Ansicht von Jochen Blüm von der Deutschen Energie-Agentur (Dena) keine pauschale Empfehlung, wo man ansetzen soll. Er empfiehlt interessierten Unternehmern, sich individuell beraten zu lassen.

Auf ihrer Internetseite bietet die Dena eine Datenbank mit Adressen von Planungsbüros und Handwerkern an, die in der Gebäudetechnik auf Energieeffizienz spezialisiert sind. „Nächstes Jahr werden wir auch eine entsprechende Datenbank für Gewerbe- und Industrieanwendungen fertig haben“, verspricht Blüm.

Für ein besonders gelungenes Energiekonzept zeichnete die Dena auf dem World Energy Dialogue zuletzt die Metro Group Asset Management mit dem dritten Preis ihres neuen Energy Efficiency Awards aus.

Die Immobilientochter des Handelskonzerns hatte in ihrem Einkaufszentrum „Walzmühle“ in Ludwigshafen durch Verbesserung ihrer Lüftungs- und Klimatechnik den Stromverbrauch um 0,8 Mio. kWh pro Jahr gesenkt.

„Dadurch reduzierten sich die Energiekosten um rund 200 000 €“, erklärt Matthias Speicher, Betriebsleiter Technik und Energie bei der Immobilienfirma. Die Kosten der Umrüstung hätten sich in nur etwas mehr als einem Jahr amortisiert. Eingespart wurden auch 800 t CO2 im Jahr. „Malzmühle ist eines von sieben Centern, die bereits energieeffizient umgerüstet wurden. Weitere sollen folgen. BÄRBEL BROCKMANN

 

 

  • Bärbel Brockmann

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