Interview: KfW-Förderung 16.12.2011, 12:03 Uhr

Die Pioniere unter den Bankmanagern fördern erneuerbare Energien

Die KfW Ipex-Bank, eine Tochter der staatlichen deutschen Förderbank KfW, gilt unter den Banken als die Expertin für die Exportfinanzierung von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien und zur Steigerung der Energieeffizienz. Seit der beschlossenen Energiewende ist der Expertenrat verstärkt im eigenen Land gefragt. Die KfW Ipex-Bankmanager Harald D. Zenke und Andreas Ufer sehen trotz momentaner Widrigkeiten große Marktchancen dieser Projekte.

VDI nachrichten: Brach bei der KfW Ipex-Bank große Freude aus, als die Bundesregierung beschloss, jetzt doch aus der Atomenergie auszusteigen?

Harald D. Zenke: Große Freude ist sicherlich deshalb ausgebrochen, weil der Beschluss der Bundesregierung der richtige Weg ist. Denn wenn man sich die Kosten der Atomenergie über den gesamten Lebenszyklus ansieht, stellt man fest, dass sie in der Vergangenheit falsch berechnet wurden, da die langfristigen Entsorgungskosten größtenteils externalisiert wurden. Die Kunden rennen uns aber wegen der Energiewende nicht die Tür ein. Die Investitionen in die Energiewende sind mittelfristig.

Was ist jetzt wegen der beschlossenen Energiewende zu finanzieren?

Andreas Ufer: Wir müssen drei Dinge tun: die Erzeugung umstellen, die Netze kräftig ausbauen und die Effizienz steigern. Etwa 50 % der weggefallenen Stromerzeugungskapazitäten werden wir über die Steigerung der Energieeffizienz ersetzen müssen. Dafür gibt es Förderprogramme.

Für die Stromerzeugung hat die KfW mit Unterstützung durch das Know-how der KfW Ipex-Bank das Kreditprogramm Offshore-Windenergie zur Finanzierung der ersten zehn Windparks in der deutschen Nord- und Ostsee konzipiert.

Das Onshore-Repowering wird auch von der KfW unterstützt. Da, wo an Land momentan eine 400-Kilowatt-Windkraftanlage steht, soll sie durch eine 2- oder 3-Megawatt-Turbine ersetzt werden.

Die effizientesten konventionellen Kraftwerke sind Gas- und Dampfkombikraftwerke. Sie könnten in Zukunft Versorgungsengpässe abfangen. Doch warum soll jemand 500 Mio. € oder gar 1 Mrd. € investieren, wenn er nicht weiß, ob seine Kraftwerksleistung künftig für 500 oder 5000 Stunden im Jahr abgerufen und entgolten wird?

Andreas Ufer: Deshalb sind wir der Meinung, es ist wichtig darüber nachzudenken, ob wir nicht zukünftig innerhalb eines konventionellen Strommarktes einen Kapazitätsmarkt brauchen, der den Investoren eine verlässliche Kalkulationsgrundlage für bereitgestellte sichere Leistung anbietet.

Warum brauchen wir denn Kapazitätsmärkte, wir haben doch eine funktionierende Strombörse?

Andreas Ufer: Mit zunehmendem Ausbau der erneuerbaren Energien, bei der die Abnahme des Stroms im System gesetzlich Vorfahrt hat, wird der Anteil der konventionellen Energien – der auch über die Strombörse gehandelt wird – am Verbrauch insgesamt zunehmend kleiner und damit die auch zu erzielenden Erlöse über den Stromverkauf aus konventioneller Energie. Um aber permanent eine sichere Stromversorgung zu garantieren, was für unsere Volkswirtschaft absolute Priorität hat, wenn der Wind nicht bläst und/oder die Sonne nicht scheint, brauchen wir auch neue konventionelle „Reservekraftwerke“.

An der Strombörse wird nur der Preis für produzierten Strom gehandelt, nicht aber die Vorhaltung von sicherer Reservekapazität. Daher müssen wir unser Marktmodell für die Energieversorgung ändern und Investitionsanreize schaffen, damit die notwendigen neuen Reservekraftwerke gebaut werden. Das ist eine große Herausforderung, zumal bei einem solchen Umbau nicht nur die Rahmenbedingungen in der EU, sondern auch die bestehenden konventionellen Kraftwerkparks in diese Überlegungen einbezogen werden müssen.

Wann hat die Energiewende für die KfW Ipex-Bank als Export- und Projektfinanzierer begonnen?

Harald D. Zenke: 2003 haben wir beschlossen, innerhalb unseres Energiesektors ein eigenes Team „Erneuerbare Energien“ aufzubauen. Am Anfang war das Geschäft sehr überschaubar, es ging um kleinere Projekte mit Finanzierungsbedarf von 7 Mio. € bis 10 Mio. €. Wir haben diskutiert, wie man da überhaupt eine kommerziell tragfähige Projektfinanzierung aufstellen kann.

Doch wenn man schaut, dass heute – nur acht Jahre später – 50 % aller Windräder in Taiwan – und das sind immerhin über 330 MW Kapazität – vom deutschen Exporteur Enercon stammen und von der KfW Ipex-Bank finanziert sind, ist die Entwicklung schon unglaublich.

Wir haben in große Projekte finanziert: Mitten in der Finanzkrise 2009 arrangierten und strukturierten wir federführend eine der größten Photovoltaikanlagen in Brandenburg – den 90-MW-Solarpark auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberose. Mittlerweile haben wir das neunte Solar-Thermie-Projekt abgeschlossen, zuletzt das erste thermische Kraftwerk „Shams One“ in Abu Dhabi.

Nach dem Hype kommt meistens eine Flaute, die Solarzellenindustrie hat es schon erwischt. Was nun?

Harald D. Zenke: Bei der Energiewende handelt es sich um die Umsetzung eines langfristigen Plans, den die Politik zum Wohle der künftigen Generationen aufgelegt hat. Dass wir uns alle anstrengen müssen, ist keine Frage. So steht jetzt schon fest, dass Banken – trotz eines Wind-Offshore-Programms der KfW – die Energiewende nicht alleine finanzieren können. Wir brauchen weitere Investorengruppen wie Versicherungen oder Pensionsfonds, die wir als Bank einzubeziehen hoffen und für die wir mit unserem Know-how eine Art Agency-Funktion ausüben wollen. So können wir als Bank eine Katalysator-Rolle einnehmen und einen wirkungsvollen Beitrag zur Energiewende leisten.

Und der Zusammenbruch des Solarmarktes, zieht er die ganze Branche in den Strudel?

Andreas Ufer: Wir merken schon, dass die Nachfrage im Segment der erneuerbaren Energien sich etwas abschwächt, insbesondere im Photovoltaikbereich. So sind einige Hausaufgaben zu machen, Fragen beispielsweise zum Netzausbau oder zur Speicherung alternativ gewonnener Energie müssen offen diskutiert und gelöst werden.

Harald D. Zenke: Die Energiewende an sich ist davon aber nicht gefährdet. Wenngleich die Solarbranche einem starken Produktionspreiswettbewerb aus Asien ausgesetzt ist, ist es das Know-how in anderen Segmenten wie dem Maschinen- und Anlagenbau, das deutsche Firmen auch zukünftig ins Ausland verkaufen werden. Wir als Bank begleiten sie dabei.

Wird Deutschland eine weltweite Energiewende auslösen können?

Andreas Ufer: Die KfW ist – noch vor der Weltbank – der größte Finanzierer von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien weltweit. Wir haben aber keinen Missionarsanspruch.

Der Energiehunger nimmt weltweit stark zu und die fossile „Vorratskammer“, die mit Kohle, Öl und Gas gefüllt ist, wird zunehmend leerer. Unabhängig davon, ob in anderen Ländern aus Fukushima Lehre gezogen wird oder nicht, macht der Ausbau von erneuerbaren Energien Sinn. Der Prozess läuft schon seit längerer Zeit auf Volldampf.

Sind die ausländischen Banken bereit, in die deutsche Energiewende zu investieren?

Harald D. Zenke: Wenn die Finanzmärkte nicht komplett verrückt spielen werden, gehe ich davon aus, dass das Interesse von Investoren wie Fremdkapitalgebern an Offshore-Projekten in Deutschland mittelfristig weiter zunehmen wird, denn in Deutschland hat die Regierung verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen geschaffen.   

Ein Beitrag von:

  • Alia Begisheva

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