Branchenreport 21.05.2010, 19:46 Uhr

Die neue Welt der Energie bietet Ingenieuren viel Platz

Stromerzeugung soll effizienter und umweltfreundlicher werden und mit Elektroautos wird ein ganz neuer Verbraucher bald millionenfach unterwegs sein. In der neuen Welt der Energie werden mehr Ingenieure gebraucht als in der alten. Das schafft neue Jobs in allen Bereichen der Energieindustrie.

Mitte April 2010 hat der Energiekonzern EnBW (Energie Baden-Württemberg AG) im Landkreis Sigmaringen seinen ersten großen Solarpark eingeweiht. Die 7 ha große Anlage soll 600 Haushalte versorgen und jährlich über 1250 t CO2 einsparen. Diese Alternative ist gleich aus zweierlei Gründen wichtig für das Unternehmen. Zum einen ist der Zuwachs des Anteils regenerativer Energiequellen mit dem „20-20-20 Ziel“ europaweit gesetzlich verordnet. Danach soll bis 2020 der Kohlendioxid-Ausstoß um 20 % reduziert, der Anteil regenerativer Energiequellen auf 20 % des Energiebedarfs erhöht und der Verbrauch durch Effizienzsteigerung um 20 % reduziert werden. Andererseits braucht die EnBW Alternativen für ihre Atomkraftwerke, die sukzessive abgeschaltet werden.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, VDMA, kommt in einer Studie, die auf den Einschätzungen von Herstellern der unterschiedlichen Energietechnologien basiert, zu dem Ergebnis, dass sich der Anteil der erneuerbaren Energien an der europäischen Stromproduktion bis 2030 im Vergleich zu 2007 auf fast 50 % verdreifacht. Danach wird weiterhin die Hälfte des benötigten Stroms aus konventionellen Anlagen kommen, es wird eine Co-Existenz unterschiedlicher Quellen geben und der Strommix, der künftig aus den Steckdosen fließt, dann ein echter Mix sein.

Regenerative Energieanlagen werden neu gebaut, viele der bestehenden konventionellen Anlagen sind nach heutigen Maßstäben ineffizient und müssen allein schon aufgrund gesetzlicher Umweltbestimmungen durch moderne, energieeffiziente Anlagen ersetzt werden. Der Maschinenbau-Verband geht daher von einem Investitionsvolumen im europäischen Energiemarkt von mehr als 1000 Mrd. € in den nächsten 20 Jahren aus. Das schafft Arbeit für Ingenieure.

Rund 1800 Ingenieure beschäftigt die EnBW heute, bis zum Jahresende sollen nach aktueller Planung 412 neue hinzukommen – insbesondere Ingenieure der Elektro- und Energietechnik, des Maschinenbaus und des Wirtschaftsingenieurwesens. Die neuen Jobs entstehen sowohl in den alten als auch in den erneuerbaren Energien wie Wind, Biogas und Photovoltaik. So baut das Unternehmen beispielsweise einen Offshore-Windpark in der Nordsee, modernisiert das Wasserkraftwerk Schwabenheim und baut das Rheinkraftwerk Iffezheim aus. Im Bereich der konventionellen Energieerzeugung findet aktuell der Bau des neuen Steinkohleblocks 8 des Rheinhafen-Dampfkraftwerks Karlsruhe statt.

Auch der Rückbau von kerntechnischen Anlagen beschäftigt Ingenieure. Im Mai 2005 wurde der Betrieb des Kernkraftwerks Obrigheim eingestellt. Der Abbau des Werks soll bis Ende des Jahrzehnts dauern und ist nach Unternehmensangaben eine ingenieurtechnische Herausforderung, weil für den Abbau dieselben hohen Sicherheitsstandards gelten wie im Betrieb. Daneben entstehen in allen Bereichen der Energieerzeugung neue Jobs in der Instandhaltung, Qualitätssicherung und der Optimierung der Anlagen – im regenerativen Bereich bislang gesetzlich verordnet.

Vor zehn Jahren wurde das Erneuerbare-Energien-Gesetz mit dem Ziel beschlossen, Klima- und Umweltschutz zu stärken, die volkswirtschaftlichen Kosten der Energieversorgung zu verringern und die Weiterentwicklung innovativer Technologien zu fördern. „Diesen Zielen sind wir in den vergangenen zehn Jahren ein gutes Stück nähergekommen“, resümiert Jörg Mayer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien, Berlin. Strom aus Wind- und Solarenergie, Biomasse, Wasserkraft und Geothermie deckte 2009 etwa 16 % des Strombedarfs. In absoluten Zahlen nimmt Deutschland mit einer Produktion von rund 93 Mrd. kWh in der EU eine Spitzenposition ein. Mehr als 70 Mio. t Kohlendioxid wurden durch Strom aus erneuerbaren Energien so allein im letzten Jahr vermieden.

Doch dem Sparzwang der Bundesregierung sind jetzt auch die erneuerbaren Energien zum Opfer gefallen. Anfang März 2010 hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags die Mittel für das Marktanreizprogramm, aus dem unter anderem Zuschüsse für Solarthermieanlagen, Holzpelletheizungen oder Wärmepumpen gezahlt werden, um 19,5 Mio. € gekürzt und weitere 115 Mio. € des Budgets unter Haushaltsvorbehalt gestellt. Die Wettbewerber kritisieren die Subventionen der grünen Energie schon lange. Weil immer mehr Fördermittel gestrichen werden, müssen die alternativen Energien zeigen, dass sie fossilen Energieträgern auch aus wirtschaftlicher Sicht Paroli bieten können, ohne am Tropf zu hängen.

Immer dann, wenn gänzlich neue Technologien eingeführt werden, entstehen Jobs. Nach Angaben der Agentur für Erneuerbare Energien hat die Branche derzeit rund 300 000 Beschäftigte. Selbst im Krisenjahr 2009 ist die Anzahl der Arbeitsplätze gestiegen, 15 000 kamen hinzu. Seit 1998 hat sich die Zahl der Beschäftigten in der Branche vervierfacht, bis 2010 soll es eine halbe Million sein.

In der neuen Welt der Energie werden mehr Ingenieure gebraucht als in der alten. Abermals steht die EnBW exemplarisch dafür. Ob nun Biogasanlagen, Windparks oder Photovoltaikanlagen: Die vielen kleinen, dezentralen Kraftwerke müssen kontrolliert an das Hauptnetz gelangen. Dafür sind Kenntnisse in Netzplanung, Netzsteuerung, deren Bau und Instandhaltung notwendig. Eng damit verbunden ist das Zukunftsthema Smart Grids, also intelligente Netze.

Und erst vor drei Wochen hat die Bundesregierung in ihrer Elektroauto-Strategie beschlossen, dass bis zum Jahr 2020 1 Mio. Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein sollen. Subventionieren will sie die Technologie nicht, doch den Energieversorgern bringt sie neue Verbraucher und Ingenieuren Jobs. PETER ILG

www.bmu.de

Von Peter Ilg
Von Peter Ilg

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

Universitätsklinikum Jena-Firmenlogo
Universitätsklinikum Jena Mitarbeiter (m/w/d) für das Projekt FastAlert Jena
Stuttgarter Straßenbahnen AG-Firmenlogo
Stuttgarter Straßenbahnen AG Ingenieur Elektrotechnik (m/w/d) für Betriebsanlagen der Stromversorgung Stuttgart
A. Eberle GmbH & Co. KG-Firmenlogo
A. Eberle GmbH & Co. KG Technischer Support Spezialist (w/m/d) – Spannungsregelungs- / Kommunikations- / Fernwirktechnik für Energieversorger Nürnberg
ATP Planungs- und Beteiligungs AG-Firmenlogo
ATP Planungs- und Beteiligungs AG Projektleitung (m/w/d) HKLS Hamburg
Bayernwerk AG-Firmenlogo
Bayernwerk AG Leiter Arbeitssicherheit, Gesundheit und Umwelt (HSE) (w/m/d) Regensburg, München
ALFRED TALKE GmbH & Co. KG-Firmenlogo
ALFRED TALKE GmbH & Co. KG Elektroingenieur / Projektingenieur (m/w/d) Hürth
Fresenius Kabi Deutschland GmbH-Firmenlogo
Fresenius Kabi Deutschland GmbH Ingenieur / Techniker technische Gebäudeausrüstung (m/w/d) Neufahrn bei Freising
Münchner Stadtentwässerung-Firmenlogo
Münchner Stadtentwässerung Betriebsingenieur*in für die Kanalinspektion und Zustandsbewertung (w/m/d) München
Hochschule RheinMain Wiesbaden Rüsselsheim-Firmenlogo
Hochschule RheinMain Wiesbaden Rüsselsheim Ingenieur:in der Fachrichtung Heizungs-, Klima-, Lüftungs- und Sanitärtechnik (m/w/d) Wiesbaden
EnerControl GmbH & Co. KG-Firmenlogo
EnerControl GmbH & Co. KG Energieingenieur (m/w/d) Isernhagen bei Hannover

Alle Energie & Umwelt Jobs

Top 5 Energie

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.