Wasser 03.04.2009, 19:40 Uhr

Die gespaltene Wasserbranche: Ausrüster klagen, Versorger strahlen  

So viele Aussteller wie noch nie präsentierten sich diese Woche auf der 13. Messe „Wasser“ Berlin. Der Rekordzuwachs von 12 % kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Teilen der Wasserbranche die Krise zu spüren ist. Während Ausrüster eher leiden, ist bei kommunalen Versorgern noch alles im Fluss. VDI nachrichten, Berlin, 3. 4. 09, ber

Verkehrte Welten auf der Wasser Berlin: Während es in den sechs Ausstellungshallen relativ still zuging, herrschte im Untergeschoss lautes Treiben. Auf der Infoschau „WASsERLEBEN“ tummelten sich Hunderte von Schülern, um Experimente durchzuführen, Wassergeräusche zu erraten und die Zusammenhänge des Wasserkreislaufs kennenzulernen. Spielerisch wurden Gewässergüte, Trinkwassergewinnung und Abwasseraufbereitung vermittelt. Die Schüler hatten daran sichtlich ihren Spaß.

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Deutlich nüchterner war die Stimmung eine Etage höher. „Seit Januar leiden wir unter einem deutlichen Auftragsrückgang“, klagte Stephan Brand, Vertriebsleiter der Aerzener Maschinenfabrik, die Belüftungstechnik für Kläranlagen liefert. Bei früheren Krisen hätte es immer ein paar Regionen gegeben, die noch gut gelaufen seien und Rückgänge kompensiert hätten. Diesmal jedoch schlage die Krise weltweit zu.

Zum Glück, so Brand, würde das Unternehmen noch auf einem guten Auftragspolster aus dem letzten Jahr sitzen. Aber auch dies würde nicht ewig halten. Deshalb hofft der Aerzen-Manager auf ein staatliches Konjunkturpaket für die Wasserwirtschaft.

Auch andere Ausrüster wie Armaturen- und Pumpenhersteller sowie Rohrleitungsbauer stöhnen über einen Auftragsschwund. Der Pumpenhersteller KSB berichtete zum Beispiel von einer zunehmenden Investitionszurückhaltung der Kunden.

Im kommunalen Bereich der Versorger sei die Orderlage jedoch weitgehend stabil, heißt es bei den Ausrüstern. Einen Sparkurs gebe es hier noch nicht.

Bei Gelsenwasser verwies man stolz auf den zweistellig gestiegenen Jahresüberschuss auf knapp 100 Mio. €. Und auch Ulrich Oehmichen, Geschäftsführer von der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwirtschaftsverbände in Nordrhein-Westfalen, strahlt: „Wir spüren momentan nichts von der Krise.“ Es gehe jetzt eher darum, die Wasserrahmen-Richtlinie zu erfüllen, betonte er.

Dennoch ziehen auch am Horizont der Versorger ein paar dunkle Wolken auf. Die Initiative Hessens für günstigeres Wasser, die bei sieben Versorgern Preisabschläge erwirkt hat, verunsichert die Branche. Andere Bundesländer könnten dem Beispiel Wiesbadens folgen und die Versorger zu niedrigeren Preisen zwingen.

Auch die fehlgeschlagenen Scheingeschäfte mit dem Cross-Border-Leasing sorgten für Gesprächsstoff auf der Wasser Berlin. Vor allem die beiden Wasserverbände Baden-Württembergs, Versorger in Nordrhein-Westfalen sowie Großstädte wie Leipzig und Stuttgart sind betroffen.

Mit dem Cross-Border-Leasing haben allein die Bodenseewasser- und Landeswasserversorgung einen Verlust von 20 Mio. € erlitten und müssen nun die Preise erhöhen.

Die Diskussion um das Cross-Border-Leasing ärgert Reinhold Hüls, Geschäftsführer der deutschen Tochter des französischen Wassergiganten Veolia. Private Betreiber würden jetzt allesamt verteufelt. Das erschwere das Geschäft. Dabei lief es zuletzt gar nicht schlecht für Veolia.

„Wir haben eine Reihe kleiner Aufträge gewonnen“, berichtete der Geschäftsführer stolz. So habe Veolia Anfang des Jahres in Burg (30 000 Einwohner) die Betriebsführung für Wasser und Abwasser gewonnen.

Immerhin gewinnt Hüls der Krise etwas Positives ab. Sie könnte dazu führen, dass einige Kommunen verstärkt unter Kostendruck geraten und ihre Wasserver- oder Abwasserentsorgung an Private übertragen, hofft der Veolia-Manager. Allerdings: Große Aufträge werde es in nächster Zeit nicht geben, weiß Hüls – wegen der steuerlichen Ungleichbehandlung zwischen Privaten und öffentlicher Hand.

Größtes Projekt bleibt die Wasserversorgung von Berlin, die Veolia zusammen mit RWE und der Stadt Berlin betreibt. Die Berliner Wasserbetriebe entwickeln sich im Ausland inzwischen gar zum Konkurrenten von Veolia. Die Tochter Berlin Wasser International (BWI) führt Betriebsführungsprojekte in China, Osteuropa, Mauritius, Indien und der Golf-Region durch.

In Dubai wurde ein Joint Venture mit der Metito Overseas gegründet, um am Ausbau der Wasser- und Abwasserinfrastruktur in den Golfstaaten mitzuverdienen. „Wir vermarkten unsere Kompetenz aus 150 Jahren Erfahrung als größter kommunaler Versorger in Europa“, erklärt BWI-Chef Dieter Ernst.

Vor all zu hohen Gewinnerwartungen freilich warnt Ernst. Begriffe wie „das blaue Gold“ oder „das Öl des 21. Jahrhunderts“ seien irreführend. „Wasser ist nicht so wirtschaftlich wie Öl“, erklärte Ernst. Es lasse sich nicht fördern und verkaufen: „Wasser muss man verfügbar machen.“ Der Wassermarkt basiere auf partnerschaftlichem Miteinander. NOTKER BLECHNER

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