Interview zu Energiekonzepten 21.10.2011, 12:05 Uhr

„Deutschland kann ein komplett nachhaltigen Energiesystems erreichen“

Ist es möglich, ein Energiekonzept zu entwickeln, das auf 100 % erneuerbare Energien setzt und in den USA sowie in Deutschland umsetzbar ist? Ja, ist es, sagen Energieexperten der Studenten und Jungingenieure (suj) des VDI und der American Society of Mechanical Engineers (ASME). Gemeinsam haben sie über neun Monate hinweg ein „Energieversorgungssystem der Zukunft“ erarbeitet. Fabian Feldhoff und Jan Oliver Kammesheidt von den VDI-Studenten und Jungingenieuren zu den Ergebnissen.

VDI nachrichten: Herr Kammesheidt, was war der Anstoß dafür, dass erstmalig Studierende und Jungingenieure des VDI und der ASME miteinander kooperieren?

Kammesheidt: Die Idee einer engeren Kooperation ist zunächst auf Direktoriumsebene von VDI und ASME entstanden und beide Seiten waren sich einig, dass eine Zusammenarbeit gerade für uns als junge Generation deutscher und amerikanischer Ingenieure interessant ist. Das Thema Energie bietet sich hierfür hervorragend an, da Deutschland und die USA neben einigen Unterschieden auch viele Gemeinsamkeiten in Bezug auf die Entwicklung einer zukunftsträchtigen Energieversorgung aufweisen.

Herr Feldhoff, neun Monate haben Deutsche und Amerikaner zusammengearbeitet, um unter dem Motto „Energiekonzept 2050 – 100 % nachhaltig“ ein Energieversorgungssystem der Zukunft zu erarbeiten. Auf dem Weltingenieurtag im September in Genf haben Sie Ihre Ergebnisse vorgestellt. Was sind die wichtigsten Ergebnisse Ihrer Zusammenarbeit?

Feldhoff: Die wesentlichen Erkenntnisse sind, dass die Grundvoraussetzungen und -probleme für die USA und Deutschland sehr ähnlich sind. Beide Länder können das Ziel eines komplett nachhaltigen Energiesystems erreichen, müssen aber konsequent auf vier wesentliche Punkte eingehen: Energieeffizienz, die Balance zwischen Stromerzeugung und -verbrauch, die Wirtschaftlichkeit und nicht zuletzt die öffentliche Akzeptanz. Dabei profitieren beide Länder seit langer Zeit von der sicheren Energieversorgung auf Basis von fossilen und nuklearen Brennstoffen. Ein Umdenken ist für beide Länder schwierig.

Gleichzeitig sind Unterschiede vorhanden, bei denen man voneinander lernen kann. Die USA legen z. B. traditionell sehr großen Wert auf Wirtschaftlichkeit. Eine staatliche Förderung wie durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) scheint dort nur schwer vorstellbar und fast alles wird dem Markt überlassen. Im Gegensatz dazu sieht man in Deutschland eine zum Teil recht hohe EEG-Förderung ohne richtige Marktintegration sowie weniger und anders ausgerichtete Forschungsförderung. Hier können beide Seiten von den unterschiedlichen Herangehensweisen lernen und eine bessere Mischung finden.

Die Entscheidung für dieses Projekt fiel lange vor Fukushima. Inwieweit haben die atomaren Vorfälle in Japan Ihre Arbeit und Ihre Zielrichtung beeinflusst?

Feldhoff: Um ehrlich zu sein, hat sich am Inhalt des Projekts durch Fukushima nichts geändert. Es scheint jedoch vielen Außenstehenden die Augen für die Gefahren der Kernenergie und für die Notwendigkeit der öffentlichen Akzeptanz einer Technologie geöffnet zu haben. Insofern haben wir es im Nachhinein wohl etwas einfacher, mit unseren Thesen auf offene Ohren zu stoßen.

Wie sind Sie konkret in der Praxis vorgegangen, um ihr Ziel zu erreichen?

Feldhoff: Wenn wir am Ende nachhaltige Energie rund um die Uhr bereitstellen wollen, müssen dafür einige Voraussetzungen erfüllt sein. Gibt es z. B. genügend Potenzial für eine Vollversorgung? Wie stellen wir eine Stromversorgung mit genauso großer Zuverlässigkeit wie heute zur Verfügung? Lohnt sich das am Ende auch wirtschaftlich? Und was muss man tun, um die Gesellschaft dabei mitzunehmen? Wir haben uns an diesen Kernfragen orientiert und sie im Projekt für beide Länder beantwortet – und dabei die Unterschiede und Gemeinsamkeiten genauer beleuchtet.

Was waren die größten Stolpersteine, die Sie aus dem Weg räumen mussten?

Kammesheidt: Am Anfang hatten wir große Bedenken, ob wir uns mit den Amerikanern überhaupt auf ein gemeinsames Ziel einigen könnten. In Washington waren wir uns dann aber sehr schnell einig, dass ein Konzept für eine zu 100 % nachhaltige Energieversorgung beider Länder eine folgerichtige Zielsetzung für unser Projekt wäre.

Bei der Definition von Nachhaltigkeit gingen die Meinungen dann doch in einem Punkt auseinander. Zumindest ein Teil der amerikanischen Bevölkerung hält auch Kernenergie für nachhaltig, was eigentlich für Ingenieure nicht nachvollziehbar ist. Solche Unterschiede galt es zu überbrücken.

Welche gravierenden Unterschiede zwischen den USA und Deutschland kamen dabei zum Tragen?

Kammesheidt: In den USA wird das Thema Energieversorgung wesentlich rationaler angegangen als in Deutschland, d. h., dass wirtschaftliche Aspekte eine viel größere Rolle spielen als in Deutschland. Auch ist die energiepolitische Debatte in den USA lange nicht so ideologisch aufgeladen wie bei uns. Wir denken, dass man hier viel von den Amerikanern lernen kann.

Die Amerikaner können jedoch mit Sicherheit von Deutschland auch einiges lernen, z. B. was die nationalen Rahmenbedingungen für die erneuerbaren Energien angeht. Auch im Aufbau einer industriellen Produktion von Windenergieanlagen oder von Leistungselektronik für die Branche der erneuerbaren Energien ist Deutschland besser aufgestellt.

Von Julia Schlingmann

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