Nationaler Entsorgungsplan 18.11.2014, 16:12 Uhr

Deutschland muss doppelt so viel Atommüll endlagern wie gedacht

Doppelt so viel Atommüll wie bisher erwartet muss Deutschland in den kommenden Jahrzehnten sicher endlagern. Das sagt der Nationale Entsorgungsplan, der derzeit mit den Bundesländern abgestimmt wird.

Fässer mit radioaktivem Müll in der Schachtanlage Asse: Offenbar müssen doppelt so viele radioaktive Abfälle in Deutschland endgelagert werden als bisher bekannt.

Fässer mit radioaktivem Müll in der Schachtanlage Asse: Offenbar müssen doppelt so viele radioaktive Abfälle in Deutschland endgelagert werden als bisher bekannt.

Foto: dpa/Schachtanlage Asse

Das Endlager Schacht Konrad in der Nähe von Salzgitter wird derzeit darauf vorbereitet, dort rund 298.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiven Abfalls einzulagern. Dabei handelt es sich um die Abfälle aus dem Abriss von Atomkraftwerken.

Doch die Menge, die anfällt, ist offenbar viel größter: Der Nationale Entsorgungsplan spricht jetzt „von einer Gesamtmenge der zu entsorgenden Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung von rund 600.000 Kubikmetern“. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung. Der Entwurf, der sich zurzeit in der Abstimmung mit den Bundesländern befindet, liege der Zeitung vor, heißt es in dem Bericht.

Auch Urantails werden mitgezählt

Zum ersten Mal werden auch die Abfälle aus der Urananreicherungsanlage in Gronau als Atommüll mitgezählt. Dort lagern derzeit 13.000 Tonnen Urantails. Diese entstehen bei der Anreicherung und wurden bisher als Wertstoffe deklariert, weil daraus Kernbrennstoffe hergestellt werden können. Nun rechnet der Bund mit bis zu 100.000 Kubikmetern Atommüll allein aus der Urananreicherung.

Atommüll in rund 500 Metern Tiefe im Endlager für schwach und mittelradioaktiven Atommüll in Morsleben: Im Endlager Morsleben lagern knapp 37.700 Kubikmeter Atommüll aus Forschungseinrichtungen und früheren Kernkraftwerken. Innerhalb der kommenden Jahre soll das Lager stillgelegt und komplett versiegelt werden.

Atommüll in rund 500 Metern Tiefe im Endlager für schwach und mittelradioaktiven Atommüll in Morsleben: Im Endlager Morsleben lagern knapp 37.700 Kubikmeter Atommüll aus Forschungseinrichtungen und früheren Kernkraftwerken. Innerhalb der kommenden Jahre soll das Lager stillgelegt und komplett versiegelt werden.

Foto: Jens Wolf/dpa

Weitere 200.000 Kubikmeter kämen hinzu, wenn das marode Salzbergwerk Asse II bei Wolfenbüttel geräumt wird, heißt es in dem Bericht. Im ehemaligen Salzbergwerk Asse II lagern 126.000 Fässer Atommüll. Sie sollen geborgen und neu verpackt und irgendwann zu einem geeigneten Endlager gebracht werden.

Zwei Endlager sollen gesamten Müll aufnehmen

Wo der zusätzliche Atommüll am Ende gelagert werden soll, ist unklar. Im Nationalen Entsorgungsplan, der im August 2015 der Europäischen Kommission vorgelegt werden muss, ist die Rede von zwei geplanten Endlagern. Dabei sollen im vorhandenen Schacht Konrad Abfälle gelagert werden, die wenig Wärme entwickeln. In einem weiteren Endlager sollen stark strahlende und starke Wärme entwickelnde Abfälle eingelagert werden. Derzeit lagert dieser Atommüll in Castoren in Hallen gleich neben den Atomreaktoren.

Suche nach Endlagern bis 2031

Eine Bund-Länder-Kommission sucht derzeit nach einem geeigneten Ort für dieses zweite Lager. Es wird 291 Castor-Behälter aufnehmen müssen, möglicherweise auch noch die Abfälle, für die in Schacht Konrad der Platz nicht reicht. Im Gespräch ist außerdem auch eine Vergrößerung von Schacht Konrad – für die Asse-Abfälle und auch für die Reste aus der Urananreicherung.

Das soll aber erst geprüft werden, wenn Schacht Konrad in Betrieb geht. Das ist für 2022 geplant. Noch mehr Zeit lässt der Entsorgungsplan für Suche nach dem Endlager für heiße Abfälle: Spätestens 2031 soll der Standort festgelegt sein.

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