Wasserwirtschaft 14.04.2006, 18:43 Uhr

Deutsche Wasserwirtschaft zwischen Daseinsvorsorge und Kostendruck  

VDI nachrichten, Berlin, 13. 4. 06, swe – Bei der Trinkwasserqualität und der biologischen Abwasserbehandlung ist Deutschland dank Milliardeninvestitionen europaweit Spitze. Doch bei der Wirtschaftlichkeit tun sich die über 10 000 Wasserversorger und Abwasserentsorger schwer. Und auf dem heimischen Markt tummeln sich zunehmend ausländische Wasserkonzerne. Nur die deutschen Kläranlagenbauer und Ausrüster sind international wettbewerbsfähig. Auf der Messe „Wasser Berlin“ traf sich die Branche auf der Suche nach neuen Wachstumsperspektiven.

Stolz präsentierten die deutschen Wasserverbände letzte Woche die neuesten Statistiken auf der „Wasser Berlin“, dem weltweit größten Branchentreff für Wasser und Abwasser, in der Bundeshauptstadt. Laut dem „Branchenbild der deutschen Wasserwirtschaft“, das erstmals ein umfangreiches Gesamtbild der Branche vermittelt, hat Deutschland mit 7 % europaweit die niedrigsten Netzverluste bei der Wasserversorgung.

„Längere Versorgungsunterbrechungen sind aufgrund der hohen technischen Standards bei Aufbereitung und Verteilung sowie des im europäischen Vergleich sehr guten Zustandes der Netze unbekannt“, betonen die Verbände. Auch im Bereich der Abwasserbehandlung spielt Deutschland eine Vorreiterrolle. 94 % des Abwassers werden in Kläranlagen nach dem höchsten EU-Standard biologisch behandelt.

Doch der Preis ist hoch. Laut Bundesverband der Deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) investiert die Branche jährlich rund 8 Mrd. € in den Aufbau und die Modernisierung der Wasserinfrastruktur. Der durchschnittliche Erlös liegt dagegen nur bei 1,77 €/m3 Wasser. Zusätzliche Umsätze sind kaum zu erwarten. Denn die Wassernachfrage sinkt seit Jahren kontinuierlich. Da gleichzeitig die Fixkosten konstant bleiben, steigen die Kosten. Wirtschaftliche Effizienz lautet daher die Devise. Mit zahlreichen Benchmarking-Initiativen trimmen sich die Wasserversorger fit für den Wettbewerb.

Eine Alternative bietet die Privatisierung oder das Public-Private-Partnership. Mehrere Städte haben ihre Wasserversorgung und Abwasserentsorgung an private Unternehmen vergeben und Kasse gemacht. Zum Beispiel Berlin. 1999 verkaufte der Senat 49 % der Berliner Wasserbetriebe (BWB) an RWE und die französische Veolia. Die Bilanz ist umstritten: Zeitweise rutschte BWB in die roten Zahlen und musste den Wasserpreis erhöhen.

Vor allem französische Wasserkonzerne drängen auf den deutschen Markt. Eurawasser (Ondeo) betreibt die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Rostock, Goslar, Schwerin und Cottbus. Konkurrent Veolia ist außer in Berlin vor allem in den neuen Bundesländern präsent.

Doch die Widerstände gegen (Teil-)Privatisierungen sind groß. Deutschland hat den EU-Vorstoß zur Liberalisierung der Wasserwirtschaft blockiert. „Daseinsvorsorge und Wasser gehören eng zusammen, und wir werden uns die Daseinsvorsorge nicht abschwatzen lassen“, erklärte BGW-Präsident Michael Feist auf der wasserfachlichen Aussprachetagung in Berlin.

Die meisten Wasserunternehmen sind alleine jedoch kaum überlebensfähig und müssen miteinander kooperieren oder fusionieren. Denn die Wasserwirtschaft ist extrem zersplittert. 6500 Unternehmen versorgen die Bundesbürger mit sauberem Trinkwasser und fast eben so viele Firmen entsorgen das Abwasser. Anders in Frankreich: Dort dominieren die zwei Wassergiganten Ondeo (Suez Lyonnaise des Eaux) und Veolia den Markt. Die Deutschen verschliefen lange Zeit den globalen Wasserversorgungsmarkt. Erst Ende der 90er Jahre entdeckte RWE das Milliardengeschäft mit dem kühlen Nass und übernahm Thames Water und American Water. Doch der Versuch, den Franzosen Paroli zu bieten, scheiterte. Im Februar zog RWE-Chef Harry Roehls die Notbremse und kündigte an, sich von beiden Firmen wieder zu trennen.

Mit RWE verliert die deutsche Wasserwirtschaft ihren einzigen Global Player, der bei großen Ausschreibungen den Zuschlag hätte bekommen können. Nur bei den Anlagenbauern und Ausrüstern sieht die Lage etwas besser aus. Hier spielen einzelne deutsche Firmen wie WTE Wassertechnik, Hans Huber oder KSB noch in der ersten Liga mit. Doch die Konkurrenz wird immer härter. Mehrere ausländische Konzerne haben inzwischen deutsche Kläranlagenbauer übernommen.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Siemens. Der Konzern hat vor zwei Jahren den Ausrüster US Filter aufgekauft und ist damit zu einem der größten Wasserkonzerne weltweit aufgerückt. NOTKER BLECHNER

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