Windkraft 13.01.2006, 18:42 Uhr

Deutsche Ingenieure bändigen Wind in Indien  

VDI nachrichten, Berlin, 13. 1. 06, Fr – Idaswind gehört zu den drei Ingenieurbüros, die den deutsch-dänischen Wissensvorsprung in der Windenergie ins Ausland verkaufen. Die Seele des Unternehmens sind Ingenieure, die bei einer Windkraftanlage Entwicklung, Konstruktion, Testlauf und Vermarktung beherrschen. Diese Voraussetzungen können nur sehr wenige erfüllen.

Einen Siebener BMW würden nur wenige Leute vor dem Büro von Idaswind abstellen. Erstens ist das Haus mit 5,30 m so schmal, dass der Wagen davor keinen Platz hätte zweitens ist der Ruf von Berlin-Kreuzberg unter Oberklasse-Fahrern nicht der Beste. Es ist erst ein paar Jahre her, dass hier auf der Oranienstraße zum „Revolutionären 1. Mai“ die großen Autos brannten. Die Idaswind Ingenieurgesellschaft GmbH in Berlin hat sich als Niederlassung das kleinste Bürohaus der Stadt ausgesucht und verkauft von hier ihr Wissen von der Windkraft in die ganze Welt.

„Klaus hat die ganz harte Tour hinter sich“, sagt Thorsten Spehr über Klaus Würthele. Der Idas-Geschäftsführer war in China und Südkorea, um neue Aufträge für den Bau von Windrädern der Megawatt-Klasse zu verhandeln. Er ist gerade erst zurück, sollte eigentlich gestresst wirken, sieht aber eher aus, als wäre er im Urlaub gewesen – braun gebrannt und im kurzärmligen Safari-Hemd. Thorsten Spehr, ebenfalls Idas-Gesellschafter und gleichzeitig Mitarbeiter des indischen Windkraftherstellers Suzlon, kommt auch eben aus Indien zurück.

Das Geschäft läuft gut für die Ingenieure. Idas hat so viel zu tun, dass wenig Zeit bleibt, die Berliner Niederlassung repräsentabel herzurichten. Dort stehen nur drei Schreibtische eng aneinander gerückt darauf übergroße Bildschirme, über die dreidimensionale Ansichten von Windgondeln oder Turmsegmenten flimmern.

Hier wird konstruiert. Idas beschäftigt seit Anfang diesen Jahres vier Leute in Berlin, weil gute Ingenieure hier „einfach besser herzulocken“ seien als am repräsentativeren Stammsitz in Bad Doberan an der Ostsee, wo noch mal vier Ingenieure arbeiten. Die Idas Gründer Würthele (40), Spehr (45) und Jürgen Wagner (45) haben Anfang der Neunziger beim Anlagenhersteller Südwind gearbeitet, sind dann in die Entwicklungsabteilung von Nordex gegangen und haben sich dort ausgegründet.

Jetzt machen sie mit ihren gesammelten 50 Jahren Berufserfahrung den Herstellern Konkurrenz. Die Entwicklung einer Windenergieanlage der Megawatt-Klasse dauert gut ein Jahr und ist schon ab 500 000 € zu haben. Die Entwicklung größerer Anlagen dauert natürlich länger.

In vielen Ländern Asiens wollen die Regierungen ihre Abhängigkeit vom Ölimport lockern und setzen darum auch auf die Windenergie. Aber nicht jedes Land will den Markt kampflos den Ausländern überlassen. Korea z. B. auch nicht. Das Land hat keine eigenen Ölvorräte, aber als Halbinsel eine Küstenlinie von 2413 km. Das Wind-Wissen der Welt sitzt in Deutschland und Dänemark. „Neben den Herstellern gibt es drei unabhängige Büros, die eine Anlage wirklich von A bis Z bauen können“, sagt Würthele. In Deutschland sind das neben Idaswind die Aerodyn Energiesysteme in Rendsburg (Niedersachsen) und die Wind to energy GmbH (W2E) aus Rerik (Mecklenburg). W2E wurde 2003 gegründet und hat eine 2,5 MW-Anlage für den Windenergiehersteller Fuhrländer AG in Rheinlandpfalz konstruiert Aerodyn ist schon seit 1983 im Geschäft und hat Windräder bis 5 MW entwickelt.

Der Job der Ingenieure beinhaltet die Konstruktion von Maschinenträgern, die sich auf den Bildschirmen in den 3 D-Ansichten von allen Seiten bestaunen lassen sie müssen die Abstimmung zwischen Rotoren und Getrieben besorgen und den Turmbau erledigen. Das sind die Herzstücke.

Die Arbeit beginnt aber schon bei der Frage, welche Anlage für einen Markt geeignet ist. Dies geht über die Recherche der möglichen Zulieferer, die Konstruktion der eigentlichen Maschine, das Austesten des Prototyps bis zum Aufbau einer Serienfertigung und einem Plan zur Betriebsführung. In Mitteleuropa leiste dies nur ein kleiner Kreis von 50 bis 60 Ingenieuren.

Ingenieure, die Einzelaspekte wie Festigkeitsrechnungen beherrschten, gäbe es dagegen viele. Wie groß ist der Wissensvorsprung in Deutschland und Dänemark? Würthele will sich nicht festlegen. „Wir haben hier zehn Jahre gebraucht, um die Anforderungen an eine Anlage wirklich zu verstehen. Die Zeit werden andere Länder auch brauchen.“ Wie hält man den Vorsprung? „Dadurch, dass wir immer neue Praxiserfahrung machen und neue Komponenten entwickeln.“

Die Ingenieurbüros seien ständig im Austausch mit Herstellern von Getrieben (Winergy), Lagern (SKF, FAG), Generatoren, Stahlteilen oder Steuerungen – in Deutschland und weltweit. Der Zeit- und Kostendruck ist hoch. Möglich, dass andere Länder auch Windräder bauen könnten aber die Kosten je erzeugter Kilowattstunde Strom wären bei diesen Anlagen zu hoch. Wie entwickelt man sich weiter? „Es ist wichtig das neueste Hochschulwissen aufzunehmen“, so Würthele.

Als die Idas-Gründer zur Uni gegangen sind, war von Finite Elemente Methode (FEM) und Computer Aided Design (CAD) noch kaum die Rede. Jetzt bringen es die ein oder zwei neuen Angestellten mit, die jedes Jahr eingestellt werden. Mit den Mitarbeitern wächst der Umsatz: 2004 lag er bei 650 000 € Euro, 2005 sollte er auf 800 000 € steigen. Der wichtigste Kunde von Idaswind ist der indische Windkrafthersteller Suzlon.

Idaswind hat Windenergieanlagen von 1 MW bis 2 MW für Suzlon konstruiert, mit denen sich die Inder auf Platz 6 der weltweit größten Windkrafthersteller vorgearbeitet haben. Heute hat Suzlon ein eigenes Ingenieurbüro mit 35 Angestellten in Rostock aufgebaut und leiht sich nur noch gelegentlich Mitarbeiter von Idaswind aus.

Gut für Idas. Nicht nur, weil das Unternehmen für jede aufgestellte 2 MW-Maschine Lizenzgebühren bekommt. „Geld fürs Nichtstun“, freut sich Würthele. Das Ansehen von Idaswind steht und fällt mit dem Verkaufserfolg der Firmen, für die sie Maschinen konstruieren. Die Entwicklung einer getriebelosen 1 MW-Anlage für einen italienischen Kunden erwähnt Würthele darum nur am Rande. Von der Maschine steht bis heute nur der Prototyp in der Nähe des Ortler-Gebirges in Südtirol. Technisch sei die Anlage gut. „Aber der Vertrieb hat bei denen überhaupt nicht geklappt“, sagt Würthele.

Bei der Firma „Han Jin“, soll das besser werden. Der Kunde kommt aus der Kunststoffbranche, kennt den Koreanischen Markt und die Windrad-Kunden, und will den Erfolg von Suzlon kopieren. Die Pläne für die 1,5 MW-Anlage sind fertig, die Komponenten werden gerade nach Südkorea verschifft und Anfang November soll die Anlage errichtet werden.

Idaswind konstruiert nicht nur, sondern redet auch vor Ort mit Gießereien und Zulieferern, um die Serienproduktion vorzubereiten. Zwar werden die Koreaner nur noch einen Teil ihrer Anlagenkomponenten in Deutschland einkaufen, aber Deutsche Ingenieurkultur ist hoch angesehen: „Die Koreaner sind ganz wild auf DIN Normen, wir sollten die Anlagen unbedingt nach deutschen Kriterien auslegen.“

Auch in China sieht es gut aus. „Wir denken, wir bekommen hier einen Fuß in die Tür“, sagt Würthele. Er erwartet den Auftrag in diesem Jahr, will aber die Namen der Firmen noch nicht nennen. Eine 1,5 MW- und eine 3 MW-Anlage stünden zur Debatte.

Ein Erfolg der Firmen in Korea und China könnte den Effekt haben, dass Idas die Aufträge verliert, weil die Unternehmen ihre eigenen Konstruktionsabteilungen aufbauen – wie bei Suzlon. Würthele: „Dann müssen wir uns etwas Neues suchen.“ Er scheint aber keine Angst zu haben, dass dies nicht gelingt. MARCUS FRANKEN

Ein Beitrag von:

  • Marcus Franken

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

T.P.I. Trippe und Partner Ingenieurgesellschaft mbH-Firmenlogo
T.P.I. Trippe und Partner Ingenieurgesellschaft mbH Diplom-Ingenieur als Projektgruppenleiter (w/m/d) Gebäudetechnik (HLKS) Stuttgart
T.P.I. Trippe und Partner Ingenieurgesellschaft mbH-Firmenlogo
T.P.I. Trippe und Partner Ingenieurgesellschaft mbH Projektgruppenleiter (w/m/d) Gebäudetechnik (HLKS) Karlsruhe
Drees & Sommer SE-Firmenlogo
Drees & Sommer SE Ingenieur (m/w/d) für Energiedesign und CO₂-Op München
SWB Energie und Wasser-Firmenlogo
SWB Energie und Wasser Betriebsingenieur (m/w/d) im Bereich Erzeugung Strom und Fernwärme Bonn
ENERCON-Firmenlogo
ENERCON Project Manager (m/w/d) Production Aurich bei Emden, Magdeburg
eta Energieberatung GmbH-Firmenlogo
eta Energieberatung GmbH Elektroingenieur (m/w/d) für Projekte im Bereich Elektrotechnik und Energiemanagement Pfaffenhofen an der Ilm
Vermögen und Bau Baden-Württemberg-Firmenlogo
Vermögen und Bau Baden-Württemberg Ingenieurinnen/Diplom-Ingenieure / Bachelor / Master (w/m/d) der Fachrichtungen Versorgungstechnik, Gebäudetechnik, Energie- und Verfahrenstechnik Heidelberg
INDUS Holding AG über ifp | Personalberatung Managementdiagnostik-Firmenlogo
INDUS Holding AG über ifp | Personalberatung Managementdiagnostik Projektmanager Nachhaltigkeit (m/w/d) Bergisch Gladbach bei Köln
Hydro Aluminium Recycling Deutschland GmbH-Firmenlogo
Hydro Aluminium Recycling Deutschland GmbH Project Manager (m/f/d) Recycling Dormagen
VIVAVIS AG-Firmenlogo
VIVAVIS AG Projektleiter (m/w/d) im Bereich Automatisierungs- und Leittechnik Bochum

Alle Energie & Umwelt Jobs

Top 5 Energie

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.