Neuer Effizienz-Index 20.12.2013, 07:00 Uhr

Deutsche Industrie investiert zu wenig in Energieeffizienz

Die wirtschaftliche Bedeutung des Energieverbrauchs wird weiter zunehmen. Trotzdem haben über 90 Prozent der deutschen Industrieunternehmen kein Budget für Energieeffizienz-Programme. Verschenktes Potential, warnt ein neuer Index der Universität Stuttgart. 

Viele der befragten Firmen haben bereits ein Energiemanagementsystem etabliert. Und obwohl sich Investitionen in energieeffiziente Anlagen und Programme meist schon nach wenigen Jahren amortisieren, scheuen viele einen Schritt in diese Richtung.

Viele der befragten Firmen haben bereits ein Energiemanagementsystem etabliert. Und obwohl sich Investitionen in energieeffiziente Anlagen und Programme meist schon nach wenigen Jahren amortisieren, scheuen viele einen Schritt in diese Richtung.

Foto: dpa/Martin Gerten

Das Bewusstsein ist da, aber gehandelt wird nicht. Diesen Widerspruch haben Forscher des Instituts für Energieeffizienz in der Produktion an der Uni Stuttgart ausgemacht. In ihrem ersten Effizienz-Index für die deutsche Industrie kritisieren sie vor allem die kurzfristige Sichtweise vieler Unternehmen. Die geforderte Amortisationszeit der Investitionen von durchschnittlich drei Jahren greife „viel zu kurz“, sagte Institutsleiter Prof. Thomas Bauerhansl.

Offenbar steckt in dieser Erwartungshaltung das größte Hindernis für Effizienzmaßnahmen. Dabei seien solche Investitionen „häufig hochrentabel“, sagt Bauerhansl. Auffällig sei, dass diejenigen Firmen, die nach der Total-Cost-of-Ownership-Methode rechneten, deutlich mehr Geld in Effizienz steckten als solche, die nur auf ihre Jahresbilanzen schauten. Die Total-Cost-Methode bezieht nicht nur die Anschaffungskosten, sondern alle Aspekte der späteren Nutzung wie Wartung, Reparatur und eben den Energieverbrauch mit ein.

Die wenigsten Firmen haben Budget für Energieeffizienz-Programme

Die Ergebnisse sind umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die rund 80 für den ersten Index befragten Unternehmen alle schon mit dem Thema vertraut sind und viele bereits ein Energiemanagementsystem etabliert haben. Dennoch hatten 92 Prozent der Firmen kein eigenes Budget für Effizienzprogramme. Dabei erwartet mehr als die Hälfte von ihnen, dass die wirtschaftliche Bedeutung des Energieverbrauchs weiter zunehmen wird. Der Rest schätzt die Wichtigkeit als etwa gleichbleibend ein – eine sinkende Bedeutung erwartet niemand.

Künftig soll der Index alle sechs Monate ermittelt werden; die Forscher erwarten dann eine sprunghaft steigende Datenbasis. Die Studien werden in Zusammenarbeit mit dem TÜV Rheinland, der Deutschen Energie-Agentur und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erstellt.

Dass der im BDI sehr gewichtige deutsche Maschinenbau ein eigenes Interesse an höheren Investitionen in Energieeffizienz hat, zeigt die Rolle von Heinz Dürr bei der Untersuchung. Sein Unternehmen stellt unter anderem Systeme zur Energierückgewinnung her. Dürr ist auch einer der Stifter und erster Beiratsvorsitzender des Stuttgarter Instituts.

Er nutzte die Präsentation der Umfrage denn auch gleich zu einer Forderung an die Politik: „Ohne konkrete Förderinstrumente für entsprechende Investitionen kommen wir nicht schnell genug voran mit der Energiewende, das hat die erste Auswertung des Index klar gezeigt. Was wir jetzt rasch brauchen, sind politische Rahmeninstrumente wie Sonderabschreibungsmöglichkeiten und eine branchenspezifische Förderung für Energieeffizienzmaßnahmen.“

Investitionskosten können sich schnell amortisieren

Sehr häufig rechnen sich Investitionen in die Energieeffizienz allerdings von selbst, ohne staatliche Förderung. Das zeigen unter anderem die kommunalen Ökoprofit-Programme in NRW, bei denen Unternehmen von externen Experten beraten werden.

Die knapp 1500 Unternehmen, die daran bislang teilgenommen haben, investierten insgesamt 180 Millionen und sparen pro Jahr 61 Millionen Euro ein. Im Schnitt hat sich die Investition also nach drei Jahren amortisiert. Zu Ökoprofit gehören allerdings nicht nur technische Aspekte wie die Erneuerung von Maschinen, sondern auch Verhaltensschulungen für Mitarbeiter. Außerdem werden Heizung und Beleuchtung einbezogen.

Von Werner Grosch

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