Deubau 2012 06.01.2012, 12:02 Uhr

Deubau setzt Fokus auf Energieeinsparung bei Gebäuden

Methoden der Energieeinsparung bei Neu- und Altbauten stehen im Fokus der Deubau, die vom 10. bis 14. Januar 2012 in Essen stattfindet. Das Thema wird neuerdings aber auch kontrovers diskutiert. Man könne Häuser geradezu kaputt dämmen, warnen im Vorfeld der Messe Berliner Bausachverständige.

Als erste Investitionsmesse im neuen Jahr fällt die Deubau 2012 in eine bauwirtschaftlich günstige Zeit. Während die Branche auf ein Boomjahr zurückblickt (Umsatzplus von 10 %), sehen die Prognosen für das neue Jahr fast genauso gut aus. Lediglich die öffentlichen Aufträge dürften in 2012 zurückgehen, weil die aus der Wirtschaftskrise 2008/2009 resultierenden Konjunkturbelebungsprogramme jetzt auslaufen. Ein Thema jedoch bleibt der Deubau treu: Energieeffizienz. Neben den hieraus resultierenden Bauaufgaben und den dazu passenden Exponaten, die man jetzt in Essen präsentieren will, wird das energieeffiziente Bauen zunehmend auch kritisch hinterfragt.

So betont im Vorfeld der Messe der Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger (BVS) in Berlin, einseitiges Dämmen im Hochbau könne das gesteckte Ziel einer Energiesparidee verfehlen und darüber hinaus auch noch Gesundheitsgefahren ins Haus holen. Statt nur die Hülle ins Visier zu nehmen, solle bei der Modernisierung eines Gebäudes zunächst einmal der Versuch unternommen werden, verschiedene gebäudetechnische Maßnahmen zu treffen und aufeinander abzustimmen.

BVS: Energiesparmaßnahmen bei Gebäuden setzen zu einseitig auf Wärmedämmstoffe

Welchen Stellenwert das Thema Energieeffizienz im Gebäudebereich einnimmt, belegt alleine die Tatsache, dass Hochbauten weltweit zu 40 % am Gesamtenergieverbrauch beteiligt sind. Entsprechend unterstützt auch der deutsche Gesetzgeber bauliche Maßnahmen zur Energieeinsparung – unter anderem durch Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Diese zielten aber zu einseitig auf die Verbesserung von Gebäuden durch Einsatz von Wärmedämmstoffen, kritisiert der BVS. So vergebe die KfW im Gebäudebereich bereits Zuschüsse, wenn sich dank Wärmedämmung hiermit gerade mal 15 % Energie einsparen ließen.

Dabei sei eine Energieeinsparung in dieser Größenordnung in einem Bestandsgebäude bereits durch kluges Energiemanagement möglich, weiß der Verband. Doch ein solches gebäudetechnisches Vorgehen bleibe „ohne KfW-Förderung“. Da ein Bauherr in den Genuss der Förderung nur dann käme, wenn die 15 %-Energieeinsparung durch besagte bauphysikalische Maßnahme erzielt würde, sei es für ihn wirtschaftlicher, ein Gebäude neu zu dämmen, anstatt bestehende Substanz und Haustechnik intelligenter aufeinander abzustimmen, so BVS-Präsident Roland R. Vogel. Besser wäre es, der Gesetzgeber fördere das Energieeinsparziel und nicht einen der Wege dorthin.

Gerade ein gesunder Mix unterschiedlicher Maßnahmen sorge dafür, den Energieverbrauch im Gebäude effektiv zu senken, ergänzt Helge-Lorenz Ubbelohde, Bundesfachbereichsleiter Bau des BVS. Zu dem zu schnürenden Maßnahmenpaket gehörten das Energiemanagement vorhandener Substanz und Technik, die Optimierung der Haustechnik und gegebenenfalls eine neue Wärmedämmung.

Deubau-Austeller zeigen gesunden Mix zum Energiesparen

Nicht zuletzt hierzu wollen Aussteller auf der Deubau 2012 etliche Vorschläge präsentieren. Der BVS warnt jedoch vor unsachgemäßer Eigeninitiative beim Einsatz entsprechender Baustoffe. Man könne Häuser geradezu kaputt dämmen oder zu Brutstätten von Keimen und Pilzen machen, so Ubbelohde. Die Abschottung von Gebäuden nach außen sei nur „bis zu einem gewissen Grad gesund“. Die Luftzirkulation in einem Haus könne nämlich durch Dämmung und Verschluss systematisch verhindert werden. Zwar bliebe die Wärme im Gebäude, Feuchtigkeit hingegen könne aber auch nicht mehr entweichen.

Die Folge sei im Extremfall das Wachsen von Schimmelpilzen, die sich in Wänden oder hinter Schränken einlagerten. Lebensgefährliche Erkrankungen wie Bronchialasthma und Mykose seien nicht auszuschließen, warnt der BVS. Darüber hinaus könne das Dämmen richtig teuer werden. Die aus der Energie-Einsparverordnung (EnEV) resultierenden Auflagen zur Dämmung könnten je nach Größe und Art eines neuen Hauses die Baukosten um 10 000 € bis 20 000 € nach oben treiben.

Derlei Ungemach droht indes kaum, wenn man ein hochgedämmtes Energiesparhauses in Form einer konzertierten Aktion plant. So werden die auf der Deubau 2012 präsentierten Musterbeispiele des Passivhauses zeigen, dass aus dieser Bauweise der Abschottung nach außen zumindest keine Gesundheitsgefahr resultiert. Dem Andrang von Feuchtigkeit hinter dichter Gebäudehülle begegnen die Planer mit der kontrollierten Wohnungslüftung (KWL).

IG Passivhaus präsentiert auf Deubau-Sonderausstellung alternative Konzepte

In erster Linie will die Informations-Gemeinschaft Passivhaus Deutschland (IG Passivhaus) auf der Deubau-Sonderschau allerdings vorführen, wie der überwiegende Teil des Wärmebedarfs eines Hauses aus „passiven“ Quellen gedeckt werden kann, etwa aus Sonneneinstrahlung oder Abwärme. Zwar werden die Fenster nicht geöffnet, aber per KWL ist ein ständiger Luftaustausch gewährleistet.

Verbände der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft sind sich jedenfalls einig, dass alleine in Deutschland zahlreiche Gebäude modernisiert werden müssen und auch ganze Stadtteile vor einer Sanierung stehen. Das verspricht ein großes Investitionspotenzial, gerade in großen Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet. Kein Wunder, dass sich die Deubau 2012 dem Thema Gebäudemodernisierung stellt, wofür die Messe einen speziellen Bereich zur Information und Diskussion eingerichtet hat. Sie trägt den Namen „Wohnungswirtschaft“.

Aber auch Kongresse, die als Rahmenprogramm zur Deubau 2012 angeboten werden, widmen sich dem energieeffizienten Bauen. So lädt das Internationale Geothermiezentrum mit Sitz in Bochum in Essen zu einem Erdwärme-Kongress, der sich mit der oberflächennahen Geothermie beschäftigt. Diese wird zur Wärmegewinnung in Kombination mit Wärmepumpen und für Kühlzwecke eingesetzt.

„Neues Bauen mit Stahl – Spannweiten, Strukturen, Visionen“, lautet der Titel des internationalen Architektur-Kongresses, den das Stahl-Informations-Zentrum am 11. Januar 2012 auf der Deubau ausrichtet. Architekten und Ingenieure wollen innovative Architektur mit filigranen, weitgespannten Tragstrukturen aus Stahl präsentieren.

Von Elmar Wallerang

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