Biomasse 12.03.2010, 19:45 Uhr

Der Weg vom Biogas zum Bio-Erdgas für den Privatkunden  

Biogas wird immer noch in erster Linie zur Stromerzeugung genutzt. Jetzt gibt es erstmals die Möglichkeit für Privatkunden, ihre Gasversorgung auf 100 % bio umzustellen. Die Branche boomt weiter. VDI nachrichten, Düsseldorf, 12. 3. 10, swe

Ab April will die Düsseldorfer Naturstromhandel GmbH als erster bundesweiter Anbieter überhaupt ein Produkt in die Gasnetze einspeisen, das zu 100 % aus Biogas besteht. Etwa 600 Kunden haben sich bereits angemeldet. „Bis zum Jahresende soll sich die Zahl verzehnfachen“, hofft Naturstrom-Geschäftsführer Oliver Hummel. Bisher vertreibt das Unternehmen vor allem Ökostrom an rund 60 000 Kunden.

Die Entwicklung beim Biogas dürfte etwas langsamer vonstattengehen. „Während unser Ökostrom in 90 % aller Fälle mit den herkömmlichen Anbietern mithalten kann, wird Biogas anfangs noch merklich teurer als das herkömmliche Erdgas sein“, sagt Hummel. Der Arbeitspreis liegt mit 12,95 Cent/kWh doppelt so hoch wie beim herkömmlichen Gas. Aus diesem Grund bietet Naturstrom seinen Kunden neben dem reinen Biogasprodukt auch günstigere Mixverträge an, die einen Biogasanteil von 10 % oder 20 % garantieren.

Dass die Einführung eines derartigen Biogasproduktes erst jetzt in Angriff genommen wird, hat verschiedene Ursachen. Einerseits schreitet die Liberalisierung des Gasmarktes immer noch sehr zäh voran, andererseits waren die technischen und preislichen Voraussetzungen bislang noch nicht gegeben.

Bundesweit gibt es derzeit etwa 35 Biogasanlagen, die direkt in die Gasnetze einspeisen und deren Produkt als Biogas beim Endverbraucher ankommt. „Nur vier dieser Anlagen entsprechen unseren Anforderungen“, sagt Hummel. Zum Anforderungsprofil gehört unter anderem: keine Massentierhaltung und keine gentechnisch veränderten Pflanzen als Biomasse. Um dies zu garantieren, werden 0,25 Cent/kWh in die Förderung neuer Anlagen gesteckt.

Diese Prinzipien unterscheiden Naturstrom am Markt vom Konkurrenten Lichtblick. Dieses Unternehmen bietet seit Herbst 2007 einen Gasmix an, der zu 5 % aus Biogas besteht. Die Vertragspartner von Lichtblick beziehen ihre Gülle von Großmastbetrieben.

Der Herstellungsprozess von Bio-Erdgas wird davon allerdings nicht beeinflusst: Das biologische Produkt wird durch die Vergärung von Rest- und Abfallstoffen der Land- und Forstwirtschaft (Gülle, Restholz) und nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. In einem Fermenter, einer Art Bioreaktor, werden die Stoffe unter eng spezifizierten Milieubedingungen vergoren. Dabei entsteht ein Gas, das in der Regel etwa 60 % bis 65 % Methan enthält.

Das Methan wird aufgefangen und im Biogasmotor zum harmloseren Kohlendioxid verbrannt. Bei der energetischen Verwertung wird in etwa so viel CO2 frei, wie zuvor beim Wachstum der Pflanzen aus der Luft gebunden wurde. Die CO2-Bilanz ist also neutral. Um das Biogas ins Netz einspeisen zu können, wird es veredelt, bis es die Eigenschaft von Erdgas hat, was einem Methangehalt von 96 % entspricht.

Ein Prozess, an dem sich mittlerweile auch die Energieversorger beteiligen. „Das Interesse der Stadtwerke und Kommunen steigt“, sagt Andrea Horbelt vom Fachverband Biogas. Auf der diesjährigen Jahrestagung des Fachverbandes Anfang Februar fand zum zweiten Mal die Parallelveranstaltung „Biogas für Kommunen“ statt. 40 Biogasanlagen seien bundesweit derzeit im Bau oder in der Planung, und sollen bis zum Jahr 2011 ans Netz gehen, so Horbelt.

Die Stadtwerke Aachen waren vor drei Jahren der erste Energieversorger, der Biogas in das nordrhein-westfälische Gasnetz eingespeist hat. Jedoch wurde das Biogas damals nur in die angeschlossenen Blockheizkraftwerke geleitet, um daraus Strom zu erzeugen. Erst im September 2009 wurde Biogas über eine Anlage in Kerpen direkt in das Netz von Thyssengas eingespeist. 40 Mio. kWh Bio-Erdgas können jährlich produziert werden, was dem Gasverbrauch von rund 2000 Haushalten entspricht.

Doch noch ist diese Art der Biogasnutzung die absolute Ausnahme: Zum überwiegenden Teil wird Biogas weiter zur Verstromung benutzt, was unter anderem daran liegt, dass die Betreiber finanziell davon profitieren. Das im Jahr 2009 novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert eine Grundvergütung für Strom aus Biomasse von 7,79 Cent/kWh bis 11,67 Cent/kWh – je nach Größe der Anlage.

Derzeit produzieren die bundesweit knapp 4400 Biogasanlagen etwa 1500 MW Strom. Mehr als 3 Mio. Haushalte können so mit Strom aus Biogas versorgt werden. Bundesregierung und EU haben sich zum Ziel gesetzt, dass bis zum Jahr 2020 etwa 10 % des heimischen Erdgasverbrauchs aus Biogas stammen soll. Der darin enthaltene Anteil privater Biogaskunden wird dann wohl immer noch im einstelligen Prozentbereich liegen. „Die Energiewende im Großen werden die Endverbraucher damit nicht einleiten, ein wichtiger Beitrag wäre es aber trotzdem“, sagt Torben Becker vom Umweltverband BUND. HOLGER PAULER

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  • Holger Pauler

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