Energie 15.02.2008, 19:33 Uhr

Das Berufsprofil: halb Ingenieur, halb Kaufmann  

Was kostet die neue Technologie? Was spare ich damit? Deshalb müssen Ingenieure vor allem rechnen können, wenn sie in der Energieberatung erfolgreich sein wollen. Und sie müssen erklären können.

Energieberatung richtet sich an Leute, die vom Thema nichts verstehen, es aber verstehen wollen“, beschreibt Frank Polzin sein Klientel.

Als Beispiel nennt er einen „hydraulischen Abgleich“. Das ist ein Vorschlag, den er häufig macht. Es gibt kaum Heizungsanlagen, die hydraulisch abgeglichen sind. Eine Folge sind mit Wärme schlecht versorgte Heizkörper. Durch den Einbau von Pumpen mit hoher Leistung wird dieser Mangel meistens kaschiert, aber nicht behoben. „Neben Strom für die unnötig groß dimensionierten Pumpen können 6 % bis 10 % Heizenergie eingespart werden“, weiß Polzin. Das sind Argumente, die bei energiebewussten Kunden zählen.

Polzin hat Schornsteinfeger gelernt, die Meisterprüfung in seinem Handwerk abgelegt und mit einem Bauingenieur-Studium eine weitere Qualifikationsstufe draufgesetzt. 2002 schloss er sein Studium ab und gründete bereits im folgenden Jahr das Beratungsunternehmen „Energie Ingenieure“ in Hannover. „Aus Überzeugung und weil es damals kaum Stellen für Bauingenieure gab“, gesteht der 43-Jährige.

Die Firma ist klein. Polzin und sein Kompagnon Gültekin Kirci beraten vor allem Besitzer von Einfamilienhäusern und Wohnungsbaugenossenschaften. In den ersten Jahren konnten sich die beiden über Wasser halten, ab 2005 hat die Nachfrage angezogen.

Polzin erwartet, dass in diesem Jahr der Bedarf steigt, weil das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle die Beratung von Wohnhäusern und ab Februar 2008 die KfW-Mittelstandsbank auch die Beratung von gewerblichen Unternehmen finanziell fördern. Neben der Förderung für die Beratung gibt es zinsgünstige Finanzierungsmöglichkeiten für die Umsetzung.

Meist sind es Leute unter 50 Jahren, die zu den Energie Ingenieuren kommen. „Bei Älteren fehlt häufig die Bereitschaft, größere Investitionen zu tätigen“, mutmaßt Polzin. Daran ändern seiner Meinung nach auch Gesetzte nichts: „Seit zwei Jahren gibt es die Energiesparverordnung, aber kaum jemand richtet sich danach.“

Den Kunden gehe es weniger um die Umwelt, als darum, Einsparungen zu erzielen. Wann amortisiert sich eine Investition? Diese Frage wird Polzin sehr häufig gestellt. Dann erwarten die Kunden zunächst ein Konzept, wo sich etwas einsparen lässt und welche Maßnahme sich wann amortisiert.

„Mit Ratschlägen verdienen wir ebenso wenig wie der Kunde Energie einsparen kann“, meint der Berater. Planung und Baubegleitung bringen das Geld in die Kasse. Den größten Beratungsbedarf sieht Polzin in der Anlagentechnik, z. B. den Heizungsanlagen, die häufig ohne entsprechende Auslegung betrieben werden.

„In einer neuen Heizung oder in der Optimierung der bestehenden liegt oft das größte wirtschaftliche Einsparpotenzial für den Kunden“, ist sich der Energieberater sicher. Damit ließen sich bis zu 40 % der Energie und damit auch der Heizkosten sparen.

„Energieberatung spielt sich auf zwei Ebenen ab“, sagt Theo Bühler, Geschäftsführer vom Wissenschaftsladen Bonn. Energieeinsparung sei die erste Ebene, Wirtschaftsberatung die zweite. Deshalb müssen nach Meinung von Bühler beratende Ingenieure im Energiesektor gleichwohl ökologisch wie ökonomisch fit sein.

Die Enoplan mit Sitz in Bruchsal und zum RWTÜV gehörende Gesellschaft bietet im deutschsprachigen Raum ab einem Verbrauch von 30 000 € Stromkosten pro Jahr und Abnahmestelle kaufmännische und technische Energieberatungsdienstleistungen an. „Der Beratungsbedarf ist aus unserer Sicht am größten im Mittelstand, das heißt im Verbrauchssegment zwischen 30 000 € und 100 000 € Stromkosten pro Abnahmestelle jährlich. Konzerne haben meist eine eigene Abteilung, die sich um das Thema kümmert und nur punktuell Wissen zukauft“, sagt Ralf Schade, Geschäftsführer der Enoplan.

Die kaufmännischen Beratungsdienstleistungen beinhalten die Vermittlung von Angeboten für Kunden wie die Nestle Waters Deutschland AG, H&M oder Volvo Trucks. Im technischen Bereich gehen die Fachleute der Enoplan zum Kunden, machen eine Bestandsaufnahme und erstellen daraufhin einen Bericht zur Verbesserung des Energieverbrauchs und somit der Energiekostensituation.

Doch der Verkauf der technischen Dienstleistung ist schwierig. „Viele Unternehmen haben heute nur noch die kaufmännische Brille auf. Ihnen geht es allein darum: Was kostet es, was bringt es?“, weiß Schade.

Aufgrund der technischen Tendenz beschäftigt das Unternehmen derzeit zehn Ingenieure, die aber auch im kaufmännischen Bereich eingesetzt werden. Deshalb legt das Unternehmen bei seinen Ingenieuren Wert darauf, dass sie sich nicht nur mit der Technologie auskennen, sondern kaufmännisches Verständnis haben und Verhandlungsgeschick. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 70 Mitarbeiter.

Rainer Friedrich ist einer davon, zugleich Ingenieur der Fachrichtung Versorgungswirtschaft. Nach dem Studium war er für kurze Zeit bei einem öffentlichen Energieversorger, seit Juli 2002 ist er als Berater bei Enoplan.

Zunächst war er Kundenbetreuer in der Technik, jetzt kommen Aufgaben in der kaufmännischen Beratung hinzu. „Wir verhandeln Stromlieferungsverträge für Kunden.“ Friedrich und seine Kollegen recherchieren, woher die Kunden des Unternehmens am günstigsten ihren Strom geliefert bekommen. Andere legen Wert darauf, dass ihr Strom aus regenerativen Quellen kommt. „Aus ökologischer Sicht ist es oft eine Frage des Images, für welche Variante sich die Unternehmen entscheiden“, weiß Friedrich.

Mit seiner Beratung ließen sich bis zu 20 % der Energiekosten einsparen. „Das Optimum zu finden, ist eine der schönsten Erlebnisse eines Ingenieurs.“ PETER ILG

Ein Beitrag von:

  • Peter Ilg

    Peter Ilg ist freier Journalist und verfasst Texte über Arbeitsmarkt und Berufe, Mobilität und Fahrberichte, Wirtschaft und Märkte.

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