Solarthermie 07.12.2007, 19:32 Uhr

Club of Rome will Energie für die Welt aus der Wärme der Wüsten gewinnen  

VDI nachrichten, Brüssel, 7. 12. 07, mg – Solarthermische Kraftwerke können zur großtechnischen Stromerzeugung in sonnenreichen Regionen genutzt werden. Beispielsweise würde die elektrische Energie aus Nordafrika mit verlustarmen Spezialkabeln nach Europa transportiert. Mit dieser Vision befassten sich vorige Woche die Brüsseler Europaabgeordneten.

Unter der sonst eher vorherrschenden Farblosigkeit im Rund des Europäischen Parlaments (EP) in Brüssel wirkte der exotisch anmutende Auftritt des jordanischen Prinzen Hassan bin Talal am Mittwoch voriger Woche als ein Highlight der Brüsseler Sitzungswoche. Der Ex-Präsident des Club of Rome war auf Einladung des Industrie- und Energieausschusses (ITRE) in die europäische Hauptstadt gereist, um wenige Tage vor Beginn der Klimaschutzkonferenz in Bali das „Weißbuch für sauberen Strom aus afrikanischen Wüsten“ den Europaabgeordneten ans Herz zu legen.

Der Prinz wirbt mit dem Konzept „The Desertec Concept for Energy, Water and Climate Security“ für eine Kooperation Europas mit dem Nahen Osten und Nordafrika (Mena-Region). Seine Idee ist, den Klimawandel „in einem ökonomisch und technologisch machbaren und entwicklungspolitisch sinnvollen Weg“ zu bekämpfen. Als Schlüsseltechnologien fungieren im Desertec-Konzept an erster Stelle solarthermische Kraftwerke und die Hochspannungs-Gleichstromübertragung. So stellt sich der ehemalige Club-of- Rome-Präsident einen Transport von „sauberem Strom“ aus der Mena-Region nach Europa vor.

„Solarthermische Kraftwerke bieten eine hervorragende Lösung für die großtechnische Stromerzeugung in sonnenreichen Regionen der Erde“, erklärte Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer, Vorstandsvorsitzender von Schott, in Brüssel. Diese Technologie stehe weltweit vor dem Durchbruch und könne einen wichtigen Beitrag für eine klimafreundliche Energieerzeugung leisten. Sie biete darüber hinaus, so der SchottManager, die Chance für die infrastrukturelle, energietechnische und wirtschaftliche Entwicklung der Länder in der südlichen und östlichen Mittelmeerregion.

Die Europäische Union versteht die Mittelmeerländer auf dem afrikanischen Kontinent als Partner auf der Suche und bei der Erschließung neuer Energiequellen jenseits fossiler Energieträger. Die so genannte EU-Nachbarschaftspolitik bezieht afrikanische Staaten bereits in laufende Forschungs- und Pilotprojekte im Rahmen des EU-Forschungsprogramms ausdrücklich ein. So will die EU europäisches Know-how in Pilotanlagen auf dem afrikanischen Kontinent umsetzen. Die Firma Schott gehört beim Bau von Sonnenkraftwerken zu den Weltmarktführern bei den Parabolrinnenkraftwerken.

Receiver der Schott Solarthermie aus dem bayerischen Mitterteich bilden das Herzstück von solarthermischen Parabolrinnenkraftwerken. Solche Kraftwerke bestehen aus einem riesigen Feld parabolisch gewölbter Spiegel, die das Sonnenlicht auf Absorberrohre (Receiver) bündeln, die sich in der Brennlinie befinden. In den speziell beschichteten Receivern wird die konzentrierte Sonnenstrahlung in Wärme umgesetzt und an ein zirkulierendes Spezialöl abgegeben. Dieses Öl erhitzt sich auf bis zu 400 °C, wird dann zum zentralen Kraftwerksblock gepumpt, durchfließt mehrere Wärmetauscher und erzeugt so – wie in konventionellen Kraftwerken – den nötigen Dampf für den Antrieb von Turbinen zur Stromerzeugung. Bei Receivern ist das Unternehmen weltweit Technologieführer.

Für Prinz Hassan stellt die Übertragung von Solarstrom aus den Wüsten zu europäischen Zentren kein unüberwindbares Problem dar: Nach der Umwandlung in Strom kann Solarenergie über tausende Kilometer Entfernung übertragen werden, sagen die Verfechter der Wüstensolarenergienutzung. Bei der Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ), mit Spannungen zwischen 500 kV und 1000 kV, seien die Übertragungsverluste recht gering: lediglich rund 3 % auf 1000 km Distanz.

Da große Wüsten in Nord- und Südamerika, Nord- und Südafrika, dem Nahen Osten, Indien, China and Australien vorhanden sind, könnte sauberer Strom aus den Wüsten an mehr als 90 % der Weltbevölkerung geliefert werden, heißt es im Desertec-Weißbuch. Die Club-of-Rome-Autoren rechnen vor, dass das Angebot der Wüstensolarenergie mehr als 700-mal so groß ist wie der globale Energieverbrauch. Damit könnten zusammen mit anderen regenerativen Energien gemäß dieser Lesart die Nutzung fossiler Energieträger vollständig substituiert werden. Von besonderem Interesse sei die Technologie von solarthermischen Kraftwerken zur effektiven Sonnenenergienutzung mit der Möglichkeit der Energiespeicherung und der Stromproduktion auch bei Nacht.

Als dritten zentralen Punkt führt das Weißbuch an, daß über 90 % der Weltbevölkerung Solarstrom aus Wüsten nutzen könnten beim Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur. „Kerntechnische Anlagen und auch Fusionstechnologien“ würden so vollständig überflüssig. Die Autoren des Weißbuchs rechnen weiter vor, dass beim Aufbau eines entsprechenden Technologie- und Sonnengürtels in der Mena-Region zur Sicherung von Energie- Wasser- und Klimaversorgung eine wettbewerbsfähige Stromproduktion mit Kosten von 4 Dollarcent bis 8 Dollarcent pro 1 kWh Strom erreicht werden könnte. THOMAS A. FRIEDRICH

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  • Thomas A. Friedrich

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