Wasserwirtschaft 28.07.2006, 19:23 Uhr

Chinas Wasserwirtschaft bietet gute Chancen für deutsches Know-how  

VDI nachrichten, Shanghai, 28. 7 .06, swe – Wasser ist ein heikles Thema in China. Die Zentralregierung in Beijing muss in den kommenden Jahren Wasserversorgung und -entsorgung des Landes in den Griff bekommen. Für deutsche Unternehmen dürfte sich das als vorteilhaft erweisen – deutsches Umwelt-Know-how ist in China gefragt.

Mehr als 60 % aller chinesischen Städte sind nicht an Abwasseraufbereitungsanlagen angeschlossen, in machen Regionen gibt es überhaupt keine geregelte Entsorgung und Aufbereitung des Abwassers. Vor allem die Wasserversorgung ist gefährdet.

Rund 80 % der Flüsse Chinas gelten bereits als stark verschmutzt, der größte Teil des Abfalls kommt ohne Behandlung auf Deponien. Viele der chemischen Fabriken entlang der Flüsse sind eine ständige Gefahrenquelle für die Umwelt, wie nicht nur der Unfall in Harbin im letzten Jahr gezeigt hat.

Gleichzeitig steht die Versorgungssicherheit ganz weit oben auf der Agenda. So sollen im Verlauf des 11. Fünfjahresplans (2006-2010) eine Mio. chinesische Bauern, deren Trinkwasser heute mit Fluoriden, Arsen, Salzen und anderen Stoffen belastet ist, Zugang zu sicherem Trinkwasser bekommen.

Die chinesische Regierung hat das Thema Umwelt generell für sich entdeckt und auf die Prioritätenliste gesetzt. Nach Angaben des chinesischen Umweltministeriums, das im Rahmen einer Studie 7555 chemische und petrochemische Betriebe untersucht hat, bergen 45 % dieser Fabriken im Land ein großes Risiko für die Umwelt. Immerhin 81 % der Fabriken liegen an Flüssen, Seen oder in dicht besiedelten Gebieten.

Angesichts dieser großen Herausforderungen versprechen sich deutsche Unternehmen im Umweltbereich gute Geschäfte. „Kaum ein Markt wächst so rasant wie China“, kommentierte Prof. Max Dohmann, Leiter der Wasserwirtschaftsinitiative Nordrhein-Westfalen (NRW), auf der Umweltmesse Ifat Ende Juni in Shanghai.

Die Ifat, ein Ableger der alle drei Jahre in München stattfindenden Fachmesse für Umwelt und Entsorgung, ist zum zweiten Mal dort – und soll wegen des großen Anklangs jetzt alle zwei Jahre stattfinden, so die Messe München. Rund 10 000 Besucher zählte der Veranstalter, Deutschland war nach China zweitgrößter Aussteller.

„Hier können Unternehmen aus NRW interessante Absatzchancen finden, zumal die Besonderheiten des chinesischen Marktes eine Orientierung zu dezentralen Lösungen erfordern, auf die sich NRW-Anbieter spezialisiert haben“, glaubt Prof. Dohmann, der sich auf der Ifat in Shanghai speziell für die deutsche Membrantechnik stark machte. Zurzeit entsteht in Beijing die größte Membrananlage weltweit.

Die Chinesen sind stark an deutscher Umwelttechnologie interessiert, die sie weltweit für führend halten. „Die Deutschen haben jahrzehntelange Erfahrung im Umweltschutz“, weiß etwa Wang Huijie, ein Unternehmer der die Ifat besucht, um sich „deutsche Recyclingtechnik anzusehen“.

Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf und Regierungsvertreter der südchinesischen Provinz Guangdong unterzeichneten während der Ifat eine Erklärung zur Zusammenarbeit in den Bereichen Wasser, Abwasser, Abfall und Luftreinhaltung. Eine vergleichbare Partnerschaft mit der Provinz Shandong besteht bereits seit 20 Jahren. Schnappauf hofft, dass die bayerischen Unternehmen vom „weltweit größten Markt für Investitionen im Umweltschutz“ profitieren können.

Prof. Dohmann glaubt, dass die deutsche Umweltpolitik „einen großen Beitrag zur Volkswirtschaft“ leisten kann. Gerade im Bereich der Wasseraufbereitung sieht Dohmann „ein Potenzial“ für deutsche Unternehmen. „Wichtig ist aber auch die Übertragung unserer Erfahrung in die Ausbildung und die berufliche Weiterbildung für Ingenieure“, so der Wasserexperte.

Interesse daran gibt es von chinesischer Seite auf jeden Fall, wie zahlreiche Kooperationen in der Ingenieurausbildung zeigen. Überhaupt registrierten die Aussteller auf der Ifat ein sehr großes Verlangen nach deutschem Know-how. „Es gibt hier einige Chinesen, die eindeutig nicht kaufen wollen, aber an allen möglichen technischen Details interessiert sind“, sagt der Sales Manager eines deutschen Unternehmens. „Da ist schon klar, worin das eigentliche Interesse besteht.“

Die meisten Unternehmen auf der Messe haben dennoch keine Angst vorm Technologieklau. „Klar gibt es chinesische Anbieter, die kopierte Technologie zu einem günstigeren Preis anbieten“, sagt etwa Holger Abele, Diplomingenieur bei Flottweg. „Die erreichen aber bei weitem nicht unsere Qualität. Kunden, die hochwertige Anlagen brauchen, sind auch bereit unseren Preis zu bezahlen.“

Ähnlich argumentiert sein Berufskollege Hans J. Bunschi, Geschäftsführer des schweizerischen Unternehmens Ka-Te, das in Shanghai Roboter zur Verlegung von Glasfaserkabeln in Rohrnetzen vorstellte. „Wir bauen kleine Stückzahlen in guter Qualität. Wir glauben nicht, dass sich das Kopieren lohnt, aber wir sind uns bewusst, dass dieses Risiko besteht.“

Das größte Risiko in China bestehe darin, „nicht dabei zu sein“, wusste bereits vor Jahren der langjährige Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer den deutschen Unternehmen mitzuteilen. Die chinesische Regierung wolle in den nächsten fünf Jahren 85 Mrd. $ für den Umweltschutz bereitstellen. JOCHEN KLEIN

Von Jochen Klein
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