Asien 17.07.2009, 19:42 Uhr

China: Energie aus Xinjiang immer wichtiger  

Die Unruhen in der chinesischen Provinz Xinjiang belegen nicht nur erneut Pekings Problem, Minderheiten zu integrieren. Sie gefährden auch die Energieversorgung des Landes. VDI nachrichten, Düsseldorf, 17. 7. 09, ps

Nach Tibet nun die Uiguren in Xinjiang: Für Willy Lam gibt es keinen Zweifel daran, dass die Knüppel-Politik des chinesischen Präsidenten Hu Jintao die Dinge weiter anheizt. „Die Konfrontation zwischen den Han-Chinesen und den türkischen Uiguren sowie den Tibetern wird dramatischer“, sagt der China-Experte der Jamestown Foundation und einstige China-Redakteur der South China Morning Post in Hongkong. „Dieses ethnische Krebsgeschwür verschlimmert Hu nur noch.“

Und das Problem brennt nicht irgendwo. Xinjiang ist bereits heute eine der wichtigsten Regionen aus Sicht der chinesischen Energie- und Wirtschaftsplaner. Nicht nur, weil sich dort die größten Gas-, ein Drittel der Kohle- und ein Viertel der Ölreserven des Landes befinden, sondern auch wegen der geographischen Lage. Die Provinz im Nordwesten umfasst etwa ein Sechstel des Landes. Sie ist aber mit 20 Mio. Einwohnern, darunter 8 Mio. Uiguren, äußerst dünn besiedelt. Sie grenzt an Russland, die Mongolei, Tibet, Indien, Pakistan, Afghanistan, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan.

Wegen ihrer geostrategischen Lage ist Xinjiang unverzichtbar für wichtige zentralasiatische Vorhaben Pekings. Das sind vor allem Pipelines zu den Gas- und Ölfeldern in Turkmenistan und Kasachstan sowie neue Straßen, um den Absatz chinesischer Produkte zu befördern.

Derzeit spielt Gas in China noch keine große Rolle. Mit etwas über 78 Mrd. m3 liegt sein Anteil am gesamten Energieverbrauch bei bescheidenen 3 %. Weltweiter Durchschnitt sind 25 %. Doch schon 2020 erwartet Peking einen inländischen Gasbedarf von nicht weniger als 200 Mrd. m3. Als Lieferanten kommen vor allem die westlichen Nachbarn des Landes in Frage.

Die dafür geplanten Investitionen sind enorm: 26 Mrd. $ wird die 6500 km lange Pipeline kosten, die Gas aus Turkmenistan und Kasachstan nach Xinjiang bringen soll. 40 Mrd. m3 im Jahr ist die Kapazität – rund 9 Mrd. m3 mehr als die Nabucco-Pipeline, die ab 2015 Gas in die EU strömen lässt (siehe Kasten).

Seit zwei Jahren wird an Chinas Super-Pipeline in Turkmenistan und Kasachstan gearbeitet. So wichtig ist Hu die Leitung, dass er die turkmenische Regierung bei der Vertragsunterzeichnung 2007 unterschreiben ließ, dass chinesische Interessen „in keinem Fall von dritten Parteien“ in Frage gestellt werden dürfen.

Hintergrund: Seit einigen Jahren rücken Turkmenen, Kasachen und auch Aserbaidschan an Washington und die Nato heran, um sich vor russischen Pressionen in Sicherheit zu bringen. China beobachtet das mit Groll und Unbehagen.

Eine weitere Karte im fernöstlichen energiepolitischen Poker heißt Iran. Nach dem Ausstieg Indiens aus einem Projekt, das iranisches Gas nach Pakistan und Indien transportieren sollte, erwägt Peking seinen Einstieg.

Von dem traditionellen Verbündeten Pakistan könnte Gas ebenfalls nach Xinjiang weitergeleitet werden. Teheran lud bereits im April vergangenen Jahres die Chinesen ein, sich an dem Vorhaben zu beteiligen. Iran ist an chinesischem Kapital und industriellem Engagement in der Öl- und Gaswirtschaft äußerst interessiert.

Erst letzte Woche unterzeichnete der Direktor der National Iranian Oil Refining and Distribution Company, Seyyed Noureddin Shahnazizadeh, in Peking mit dem chinesischen Öl- und Chemiegiganten Sinopec eine Vereinbarung, die den Bau von Raffinerien im Iran vorsieht. Fehlende Raffinerien sind eine Achillesferse des Mullah-Regimes.

Bereits seit Jahren wissen die Weichensteller in Peking um die wachsende strategische Bedeutung der benachbarten Provinzen Xinjiang und Tibet. „Go West“ heißt die seit einem Jahrzehnt rollende Kampagne, die Han-Chinesen in diese Region brachte und bringt. Gleichzeitig wurden Uiguren finanziell „ermuntert“, in andere Provinzen umzuziehen.

Unter dem Strich sorgte die Pekinger „Stabilisierungspolitik“ dafür, dass heute 41 % der Bewohner Xinjiangs Han-Chinesen sind. Vor sechszig Jahren waren es lediglich 6 %.

China-Spezialist Willy Lam rechnet deshalb mit einer Zunahme ethnischer Spannungen in der Region. Sie könnten Pekings Wirtschaftslenker in Alpträume stürzen. Nicht ausgeschlossen nämlich, dass in Xinjiang von Zeit zu Zeit Pipelines gesprengt werden. Pipelines, von denen das wirtschaftliche Wohlergehen des gesamten Landes künftig immer stärker abhängen wird. JAN HÖHN

Von Jan Höhn
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