Energie 21.11.2003, 18:27 Uhr

Bohren nach Wärme

Bei den Bemühungen um Einsparung fossiler Energie wächst das Interesse an der Geothermie, nicht zuletzt zu Gunsten des Einsatzes erdgekoppelter Wärmepumpen im Hochbau. Eine in Nordrhein- Westfalen gestartete Studie bohrt besonders tief. Per Geowissenschaft wird das Wärmepotenzial im Boden erkundet.

Für Heizzwecke und Energiegewinnung soll in Nordrhein-Westfalen (NRW) künftig die Erdwärme stärker zum Tragen kommen als bisher. „In Tiefen bis 5000m wollen wir vordringen,“ verkündet jetzt in Düsseldorf die Pressestelle des NRW-Ministerium für Verkehr, Energie und Landesplanung, wobei man vor allem das Ruhrgebiet und die angrenzenden Bergbaugebiete im Visier hat. Als Voraussetzung für die Nutzung der Erdwärme erstellt der Geologische Dienst NRW in Krefeld gegenwärtig die „Geothermie-Studie Ruhrgebiet“, und zwar mit finanzieller Unterstützung des Landes und der Europäischen Union. Ziel sei ein geothermisches Informationssystem, das aufzeige, wo tiefengeothermische Anlagen zur Wärme- und Stromproduktion realisiert werden könnten, so die Landesregierung. Kommendes Jahr sollen die Ergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.
„Die Geothermie-Studie Ruhrgebiet wird die Nutzung der Erdwärme entscheidend vorantreiben,“ weissagt in Düsseldorf NRW-Energieminister Dr.Axel Horstmann. Dies helfe, Ressourcen zu schonen und den Klimaschutz zu verbessern, da mit Hilfe der Erdwärme zur Reduzierung von CO2-Emissionen beigetragen werden könne. Für etliche Unternehmen böte sich die Chance, ihre Wettbewerbsposition für geothermisches Know-how sowie für geothermischeProdukte zu stärken und damit Arbeitsplätze im Revier zu erhalten und neue zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen.
„Das Interesse an dieser umweltfreundlichen Energie ist groß,“ weiß Horstmann. Schließlich wollten Bürger, Unternehmen und Kommunen zunehmend ihre Wohnbauten, Geschäftshäuser, Fabriken und Verwaltungsbauten mit dieser kontinuierlich verfügbaren und preiswerten Energie versorgen. Gleichzeitig offerierten Unternehmen aus dem Ruhrgebiet ihre Erfahrungen und ihr Know-how in den Bereichen Bergbau, Bohrtechnik, Wärmeverteilung und Kraftwerksbau.
Der Geologische Dienst NRW in Krefeld will im Rahmen der „Geothermie-Studie Ruhrgebiet“ seine Geowissenschaftlichen Karten und seine umfangreiche Bohrungsdatenbank auswerten. Dadurch werde es möglich, im Boden Informationen zur Mächtigkeit und Verteilung des Gesteins und deren Wärmepotenzial zu gewinnen, so der Geologische Dienst. Ziel sei es, geeignete Bereiche aufzuzeigen, wo größere Erdwärmesondenfelder bis in Tiefen von 200m oder einzelne Erdwärmesonden bis in Tiefenbereiche von 3000m niedergebracht werden könnten. Der Untersuchungsraum umfasst große Teile des Ruhrgebietes, Teile der Kreise Heinsberg, Unna, Wesel und des Ennepe-Ruhr-Kreises sowie die Städte Hamm, Ahlen, Hagen und Krefeld.
Auch sollen Bereiche gefunden werden, wo – so der Geologische Dienst – die Energiegewinnung bis in Tiefen von 5000m möglich sei. Hier ist mit Temperaturen zwischen 140°C und 160°C zu rechnen. Mit den Ergebnissen der Studie könnten Chancen und Risiken von Projekten bereits im Vorfeld abgeschätzt werden, meint Horstmann. Damit würden künftige Vorhaben schneller und kostengünstiger realisiert.
Nordrhein-Westfalen bietet seit Oktober 2002 bereits die bundesweit erste flächendeckende „Potenzialstudie Geothermie“. Sie zeigt die Möglichkeiten einer sinnvollen Nutzung der Erdwärme bis in eine Tiefe von 100m und wurde ebenfalls im Auftrag der Landesregierung vom Geologischen Dienst NRW erstellt. „In Nordrhein-Westfalen kommen mehr als 70% der Landesfläche für eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung der oberflächennahen Geothermie infrage,“ betont die Landesregierung. Bauherren, Architekten, Planer und Anlagenbauer könnten anhand dieser Studie bei jedem Neubau oder auch beim Austausch einer Heizungsanlage prüfen, welcher Aufwand für Erdbohrungen und die Installation einer Wärmepumpe nötig sei.
Mittlerweile gibt es gerade in NRW etliche Bohrfirmen, die sich auf das Absenken von oberflächennahen Erdwärmesonden spezialisiert haben. Dazu zählt die Firma Teramex in Herne, die als Subunternehmen von Heizungsbauern arbeitet und anschlussfertige Erdwärmesonden bis in eine Tiefe von etwa 120 m verlegt. Das mittelständische Unternehmen wurde erst vor zwei Jahren gegründet, verfügt aber nach eigenen Angaben bereits über vier mobile Bohrmaschinen. „Wir arbeiten nicht nur bundesweit, sondern aufgrund wachsender Nachfrage auch in Österreich,“ so Teramex. Um das Risiko hoher Kosten für den Bauherrn auszuschließen, offeriere man die Bohrung zum Festpreis pro Meter Bohrsonde – ungeachtet des geologischen Untergrundes.
Mit der wärmepumpengestützten Erdwärme kann etwa die Hälfte der bisherigen Heizkosten gespart werden, rechnen Energieberater vor. Nordrhein-Westfalen nehme in Deutschland schon heute bei der Erdwärme-nutzung eine Vorreiterrolle ein, betont der Pressedienst des Landes NRW. So sei das Neubaugebiet Fürstenhof in Werne Europas größte Erdwärmesondensiedlung. Hier würden 130 Häuser aus der Erde beheizt und rund 125t CO2 jährlich eingespart. Auch zahlreiche öffentliche Gebäude – wie etwa das Neandertal-Museum bei Düsseldorf – nutzten diese umweltfreundliche Energie aus der Erde. Insgesamt wurden seit 1990 mehr als 70?000 Wärmepumpen in Deutschland installiert, davon allein 15000 in NRW.
Über betriebswirtschaftliche Fragen zu diesem alternativen Heizsystem unterrichtet am 28. November im Düsseldorfer VDI-Haus die dritte Wärmepumpen-Fachtagung. Titel: „Architektur und Erdwärme“. Es geht um die Nutzung der Erdwärme sowohl in Neu- als auch in Altbauten. Veranstalter der Tagung sind die Architektenkammer NRW, die Ingenieurkammer-Bau NRW, der Bund Deutscher Baumeister (BDB), die VDI-Gesellschaft Energietechnik (GET) und die Landesinitiative Zukunftsenergien NRW. P.G.

Ein Beitrag von:

  • P.G.

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