Biomasse 17.08.2007, 19:29 Uhr

Biosprit  

die steigende Nachfrage nach Biokraftstoffen. Sie gefährdet die ohnehin knappen Ressourcen.

Armut ist nicht länger das einzige Problem“, sagte Jan Lundqvist, Professor am Internationalen Wasserinstitut Stockholm, letztes Wochenende zu Beginn der Weltwasserwoche in der schwedischen Hauptstadt. Die Gretchenfrage sei vielmehr: Gibt es genug Wasser auf der Erde, um Nahrungsmittel herzustellen, den Bedarf an Bioenergie zu decken und die Ökosysteme zu erhalten?

„Die Nachfrage nach Wasser dürfte sich dramatisch erhöhen“, heißt es aus Lundqvists Institut. Die Ursache: Der Trend zum Biosprit. Allein die EU will bis 2020 rund 10 % Bioanteil beim Kraftstoff erreichen. Studien zufolge, die der Schwede anführte, müsste im Jahr 2050 genauso viel Wasser für den Anbau von Bioenergierohstoffen verwendet werden wie für die Nahrungsmittelherstellung.

„Biomassenutzung allgemein und die Biokraftstoffe sind nicht der Königsweg, für den sie gehalten werden“, erklärt Karin Arnold, Expertin beim Wuppertal-Institut für zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen, „weil sie sowohl mit der Nahrungsmittelherstellung als auch der industriellen Nutzung in Konkurrenz stehen.“ Die Maschinenbauingenieurin schätzt, dass z. B. in Deutschland die Konkurrenz um das Wasser nicht im Vordergrund steht, wohl aber die um die vorhandenen, landwirtschaftlich nutzbaren Flächen. „In vielen Ländern Afrikas ist das genau andersherum: Hier gibt es genug Fläche, aber das Wasser ist knapp.“

Uwe Fritsche, Koordinator Bereich Energie & Klimaschutz des Ökoinstituts in Darmstadt, meint: „Insgesamt gilt für die Problematik, dass die Auswirkungen des Klimawandels weniger in Europa als vielmehr in Ländern des Südens sowie eventuell in den USA zu erheblichen Konsequenzen für den Futter- und Nahrungsmittelanbau führen und drastischen Anpassungsbedarf der Landwirtschaft erfordern.“

Fritsche fordert, Energiepflanzen und ihre Anbauform sowie die Anbauorte so auszuwählen, dass möglichst keine aktive Bewässerung nötig sind oder diese aus vorher gespeichertem Oberflächenwasser erfolgen kann.

Ein Manko zurzeit: Vollständige Ökobilanzen inklusive der Auswirkungen auf den Wasserhaushalt fehlen nach Angaben von Karin Arnold noch. Außerdem wird gerade erst intensiv an den Biokraftstoffen der zweiten Generation geforscht.

„Bislang haben wir noch keine vollständige Bilanz für alle Biokraftstoffe gestellt, dies ist Teil einer gerade begonnenen Studie für das UBA, die wir mit dem Ifeu-Institut in Heidelberg zusammen bearbeiten“, so Fritsche.

Energie- und Ökobilanzen von Biokraftstoffen lassen sich nicht allein im Labor ermitteln, stellt Thorsten Gottschau, Biokraftstoffexperte bei der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe, klar. „Hierzu müssen die großtechnischen Anlagen stehen. Erst dann können wirklich zuverlässige Aussagen über Energie- und Ressourceneffizienz der Prozesse gemacht werden.“

Gottschau bedauert daher die Beschränkung der Steuerbefreiung des Biokraftstoffes bis 2015: „Das ist kontraproduktiv für die Evaluierung neuer Verfahren. Bis 2015 lassen sich nämlich keine neuen Anlagen mehr projektieren und gewinnbringend betreiben.“

Auch wenn in Deutschland Wasser nicht das Problem ist, die anstehende Konkurrenz um die Ackerflächen könnte für jeden Auswirkungen haben: höhere Lebensmittelpreise. „Der eingeschlagene Weg im Bereich der Bioenergie ist ein Irrweg“, warnt daher Peter Hahn, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes. swe

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