Erneuerbare Energien 04.06.2010, 19:47 Uhr

Biomassenutzung wird nachhaltig verbessert

Ab dem 1. Januar 2011 gelten für Biomasse neue Regeln: Betreiber, die flüssige Biomasse zur Stromerzeu-gung einsetzen, dürfen Vergütungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz nur noch dann erhalten, wenn bestimmte Nachhaltigkeitskriterien für Anbau, Verarbeitung und Transport erfüllt sind. Dasselbe gilt für die Anrechnung auf die Biokraftstoffquote. Ohne Zertifikat wird es in Zukunft keine Entlastung bei der Energiesteuer geben. Die Nachhaltigkeitszertifikate bringen Vorteile für Unternehmer und Kunden.

Ursprünglich sollte die Nachhaltigkeitsverordnung bereits zum 1. Juli 2010 in Kraft treten – Landwirte und Industrieverbände sahen sich jedoch noch nicht in der Lage, rechtzeitig den rechtlich erforderlichen Nachweis zu erbringen, dass ihre Ernte nachhaltigen Kriterien entspricht. Das Gesetz zur Verschiebung der Nachhaltigkeitsverordnung auf den Jahreswechsel 2010/11 soll in den kommenden Wochen verabschiedet werden.

Für die Unternehmen dürfte sich durch den Aufschub nicht wirklich viel ändern, da auch die Ernte des laufenden Jahres bereits von der gesetzlichen Neuerung betroffen sein wird.

„Soll Biomasse aus der Ernte 2010 ab Januar 2011 im gesetzlich geregelten Bereich Bioenergie eingesetzt werden, muss sie dieses Jahr bereits die Nachhaltigkeitskriterien erfüllen und dokumentieren“, sagt Matthias Nickel, Referatsleiter bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Er ist dort unter anderem für die Umsetzung der Verordnung zur nachhaltigen Herstellung von Biomasse zuständig.

„Einen gewissen Zeitgewinn bringt die Verschiebung lediglich für die erforderlichen Zertifizierungen der Ersterfasser, der Ölmühlen und sonstiger Betriebe, die flüssige oder gasförmige Biomasse für die Endverwendung auf die erforderliche Qualitätsstufe aufbereiten“, erklärt Nickel gegenüber VDI nachrichten. Die Zertifizierungen müssen allerdings in jedem Fall noch 2010 erfolgen.

Der Unternehmer und stellvertretende Vorsitzender des Bundesverbandes dezentraler Ölmühlen, Bernd Kleeschulte, hätte sich gewünscht, dass zumindest die Ernte 2010 noch von der Zertifizierung ausgenommen wird: „So wird es für einige Unternehmen bis zum Jahresende sehr eng werden.“ Die gesetzliche Verordnung an sich begrüßt er jedoch. „Die Verbraucher legen Wert auf nachhaltige Produkte.“ Ein Qualitätssiegel könne dabei helfen, so Kleeschulte.

Die verantwortlichen Zertifizierungsstellen sehen im Aufschub Vorteile: „Das größere Zeitfenster bietet die Gelegenheit für eine sorgfältige Vorbereitung. Durch ein optionales Voraudit kann so die Zertifizierungsreife festgestellt werden“, sagt Eric Werner-Korall, Produktmanager bei der Deutschen Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen (DQS).

Im vergangenen Herbst führte die DQS im Rahmen eines Pilotprojekts die ersten Voraudits nach Kriterien der Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung erfolgreich durch. Dabei ging es um das Voraudit einer Plantage und einer Ölmühle in Malaysia.

„Die Unternehmen aus den Marktstufen haben seitdem großes Interesse, sich auf die Zertifizierung vorzubereiten“, sagt Werner-Korall. Als Ergebnis der Voraudits könnten die Palmölproduzenten ihre Entwicklungsmöglichkeiten und Zertifizierungschancen so besser einschätzen und ausbauen. Bei der DQS beschäftigen sich derzeit etwa zehn Auditoren mit dem Thema Biomasse.

Derzeit warten mehrere Zertifizierungssysteme auf ihre Anerkennung. Bereits seit Januar dieses Jahres ist die International Sustainability and Carbon Certification (ISCC) zugelassen. Mittlerweile gibt es ein halbes Dutzend Stellen, die durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung anerkannt sind, den Kooperationsvertrag mit ISCC unterschrieben haben und somit Zertifizierungen für nachhaltige Biomasse ausführen können.

„Wir unterstützen die Entwicklung und empfehlen ISCC zu nutzen“, sagt Martina Fleckenstein, Agrarexpertin beim World Wide Fund for Nature (WWF). Nach EU-Richtlinie müssen 35 % der entstehenden Treibhausgase gegenüber der fossilen Kraftstofferzeugung eingespart werden. Im Jahr 2017 soll die Quote bei 50 %, ein Jahr später bereits bei 60 % liegen.

Die Zertifikate sind ausgerichtet auf nachhaltige Bewirtschaftung der Flächen, den Schutz des natürlichen Lebensraums und die Reduzierung von Treibhausgasen. ISCC-Zertifizierungen betrachten darüber hinaus auch die soziale Nachhaltigkeit.

Am 2. Juni hat die BLE mit Redcert ein weiteres System vorläufig anerkannt. Es wird von Landwirtschafts- und Wirtschaftsvertretern wie dem Mineralölwirtschaftsverband unterstützt. Die Anforderungen sind auf die Situation in Europa zugeschnitten.

Dennoch gibt es Kritik von Seiten der Naturschutzorganisation WWF. „Bei Redcert wurde mit schneller Nadel ein einfaches System nach dem Motto Nachhaltigkeit zum Nulltarif gestrickt“, sagt Martina Fleckenstein. Sie kritisiert vor allem, dass soziale Standards sowie der Schutz von Wasser, Luft und Boden dabei nur eine untergeordnete Rolle spielten.

Das Fehlen sozialer Standards in der Verordnung könne man bedauern, allerdings sei es im internationalen Zertifizierungsumfeld durchaus üblich und oft sinnvoll, dass einzelne Gruppen zusätzliche Forderungen stellten, erklärt Werner-Korall. „Unsere Aufgabe ist es, neutral und unabhängig die Erfüllung der Forderungen des jeweiligen Systems zu überprüfen, sofern es durch die BLE anerkannt ist.“

Die Vorgaben werden also in jedem Fall eingehalten, denn: „Von uns werden nur Zertifizierungssysteme anerkannt, welche die Anforderungen der Nachhaltigkeitsverordnungen vollumfänglich erfüllen“, sagt Matthias Nickel von der BLE.

Aktuell sind zwei Unternehmen erfolgreich zertifiziert worden. Weitere befinden sich im Prozess. Die Einführung von Redcert wird dem Markt eine neue Dynamik geben. HOLGER PAULER

Von Holger Pauler
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