Erneuerbare Energien 12.02.2010, 19:45 Uhr

Biogasbranche will Einspeisegesetz für Biomethan  

Aufbruchstimmung prägte die Jahrestagung des Fachverbandes Biogas vom 2. bis 4. Februar in Leipzig. Dennoch geht Angst unter den Anlagenbetreibern um. Sie fürchten ein Kürzen der Einspeisevergütung durch die voraussichtlich vorgezogene Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. VDI nachrichten, Nürnberg, 12. 2. 10, swe

Der Aufschwung der Biogasbranche hat seine Basis im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Es regelt die Vergütung des in den 4500 deutschen Biogasanlagen erzeugten Stroms. Mit einer installierten Gesamtleistung von 1650 MW decken diese Anlagen den Strombedarf von 3,8 Mio. Haushalten.

Beunruhigt ist die Branche über die Ankündigung der Bundesregierung, die nächste EEG-Novelle um ein Jahr auf den 1. Januar 2012 vorzuziehen. Die drastischen Kürzungen bei der Solarförderung betrachtet der Fachverband Biogas mit Sorge. Verbandsgeschäftsführer Claudius da Costa Gomez möchte die bestehenden Biogasvergütungen erhalten. Er weist darauf hin, dass Forschung und Entwicklung neuer Technologien auf eine sichere gesetzliche Basis angewiesen sind. Zudem haben die Firmen erlebt, wie die Hängepartie bei der letzten EEG-Novelle ihr Geschäft lähmte.

Will die Bundesregierung ihre selbst gesteckten Ziele beim Klimaschutz erreichen, ist sie auf Biogas angewiesen: Bis 2020 sollen 6 Mrd. m3 Biogas in das Erdgasnetz eingespeist werden. Aus Biogasanlagen kommen derzeit 163 Mio. m3 – das sind gerade einmal 2,7 %. Vor allem die Energieversorger realisieren zurzeit den Bau von Anlagen zum Aufbereiten und Einspeisen in das Erdgasnetz.

In Leipzig wurde deutlich, dass sich die Landwirtschaft ihren Anteil an der Wertschöpfung nicht nehmen lassen möchte. Gerade als zweites Standbein ist die Biogaserzeugung in Zeiten niedriger Agrarpreise für landwirtschaftliche Betriebe attraktiv. Als Alternative zu den Großanlagen – die Investitionssummen von mindestens 10 Mio. € erfordern – favorisieren die Bauern den Bau von Ring- leitungen. Mit ihnen ließe sich das Gas mehrerer kleinerer landwirtschaftlicher Anlagen bündeln und gemeinsam einer Aufbereitung zuführen.

Trotz Gasnetz-Zugangsverordnung sind Einspeiseprojekte, die unabhängig sind von den Energieversorgern, noch immer schwierig zu realisieren. Um das zu ändern, fordert der Fachverband Biogas ein Erneuerbares-Gas-Einspeisegesetz (EGE). Nach dem Vorbild des EEG sollte damit eine Einspeisevergütung für Biogas festgeschrieben werden.

„Das ¿Grüne Gas¿ im Netz sollte dann versteigert und verkauft werden können“, schlägt Fachverbands-Geschäftsführer Claudius da Costa Gomez vor. „Ein Biomethanmarkt hat sich bislang noch gar nicht entwickelt“, stellt Wolfgang Urban vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) in Oberhausen fest: „Gezahlt werden zwischen 7,7 Cent/kWh und 8,8 Cent/kWh mit einer leichten Tendenz nach unten, weil ein Überangebot vorhanden ist.“

Mit dem Erneuerbares-Gas-Einspeisegesetz (EGE) könnte jeder Betreiber die Verwertung seines Biogases selbst bestimmen. Entweder würde das Biogas vor Ort verstromt und die entstehende Wärme genutzt oder per Mikrogasleitung zum Ort des Strom- und Wärmebedarfs geführt oder in das Erdgasnetz eingespeist. Claudius da Costa Gomez betont: „Es muss sichergestellt sein, dass es in den effizientesten Pfad wandert.“

Umstritten ist, ob das aufbereitete Biogas beim Verbraucher in herkömmlichen Erdgas-Brennwertkesseln verbrannt werden sollte anstatt ausschließlich in Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Als Problem könnte es sich hier erweisen, dass es an KWK-Anlagen fehlt, um das Biogaspotenzial überhaupt erschließen zu können.

Die Biogasaufbereitung für das Erdgasnetz ist eigentlich zu teuer, um damit Erdgas zu ersetzen. „Die Betriebs- und Investitionskosten der Anlagen könnten in den nächsten Jahren sinken“, meint Fraunhofer-Forscher Wolfgang Urban. Neue Technologien wie das Membrantrennungsverfahren machten die Gasaufbereitung auch für kleinere Anlagen interessant. Wie das Fraunhofer-Institut jetzt berechnet hat, sind jedoch auch die laufenden Kosten hoch, damit das Biogas den geforderten Brennwert von Erdgas erreicht: Die Zugabe von 3 % Flüssiggas (LPG) zur Konditionierung würde bei Erreichen der 6 Mrd. m3 Biogas im Netz 184 Mio. € jährlich kosten.

Mit Biogasanlagen, die besser an den Standort angepasst sind, ließe sich die Effizienz beträchtlich erhöhen. In den eher kleineren Anlagen könnte das Vergären von Gülle noch gesteigert werden, was ökonomisch und ökologisch Vorteile hat: „Bei Biogas aus Gülle werden dreimal mehr Treibhausgase eingespart als bei Biogas aus Mais“, sagt Guido Reinhardt vom Heidelberger Ifeu-Institut, das die Bundesregierung berät.

Die Biogasanlagen-Betreiber sollten ihre stromerzeugenden Kraftwerke umstellen, so Dietmar Schütz, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE). Um wirtschaftlich zu arbeiten, streben sie bislang eine möglichst hohe Anzahl an Volllast-Stunden für die Motoren der BHKW an. Künftig sei jedoch eher die bedarfsgerechte Erzeugung gefragt, verdeutlicht Schütz: „Der Biogasanlage kommt die wichtige Aufgabe zu, die nicht regelbare Erzeugung von Strom aus Wind und Photovoltaik auszugleichen.“ THOMAS GAUL

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  • Thomas Gaul

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