Biomasse 23.11.2007, 19:31 Uhr

Biogasbetreiber gegen Schweinezüchter  

Bei den Landwirten konkurrieren die Flächen für Biogaspflanzen und Futtermittel. Und was ist mit zunehmend massenhaft anfallenden Rückständen?

Bakterien produzieren in haushohen Gärbehältern aus organischer Masse wertvolles Methan. Dieses Gas wird verbrannt und aus der Wärme dann Strom erzeugt. Methan wird zunehmend auch direkt ins Erdgasnetz eingespeist.

Biogas sei die nachhaltigste, energie- und flächeneffizienteste Nutzung verglichen mit den Biokraftstoffen, schwärmt das Wuppertal Institut für Umwelt, Klima und Energie in einer Studie.

Mancher Bauer ist gar nicht froh: In Regionen mit zahlreichen Viehzuchtbetrieben rangelt man sich um den Mais. Der wird dort sowohl für die Tiere als auch für das Biogas gebraucht. Die Mehrzahl der Biogasanlagen wird überwiegend mit Mais betrieben, da dieser Rohstoff die größten Ausbeuten mit 230 m3 Biogas/t verspricht.

In der niedersächsischen Region Vechta-Cloppenburg, einer Hochburg für die Schweinezucht, hat sich die Situation besonders zugespitzt: „Die Pachtpreise für die Felder sind infolge der Nutzungskonkurrenz in den vergangenen Monaten exorbitant gestiegen“, berichtet Peter Weiland von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig. „Wir haben immer davor gewarnt, in solchen Veredelungsregionen zu viele Biogasanlagen zu bauen.“

Die Pachtpreise sind in die Höhe geschnellt. Weil die Flächen für den Maisanbau fehlen, muss der Hunger der Anlagen und der Schweine immer wieder durch Zukauf von Mais aus anderen Regionen gestillt werden. „Es werden Nährstoffe in eine Gegend geholt, die selbst über nicht genügend Flächen verfügt“, resümiert Weiland.

Damit beginnt das eigentliche Problem. Die Gärreste, jedes Jahr mehreren Tonnen, eignen sich nicht für den Transport: Sie bestehen zu 95 % aus Wasser. Die Entsorgung bisher: Sie werden auf den umliegenden Feldern ausgebracht. „Da es aber nicht genug Flächen gibt, laufen die Energiewirte Gefahr, auf ihren Gärresten sitzen zu bleiben“, schildert Weiland das Dilemma.

Der Biogasspezialist sieht nur einen Ausweg: Die Gärrückstände müssen aufbereitet werden, so dass sie sich ohne großen Aufwand transportieren lassen. Verschiedene Firmen erproben bereits Verfahren zur Trocknung der Gärreste. Auf Gitterrosten und Fließbändern, aber auch in Tunneln werden die Rückstände von Feuchtigkeit befreit.

Christof Wetter, Umwelttechnologe von der Fachhochschule Münster, erforscht die Verwertung der Gärrückstände: „Es ist nur eine Frage von Monaten. Spätestens in einem Jahr wird es eine bezahlbare Technologie geben, die Rückstände in eine transportable Form bringt“, stellt er in Aussicht. Allerdings wird sich die Trocknung nur ab einer Menge von 10 000 t/Jahr lohnen.

Die Nawaro Bioenergie AG, ein Betreiber von Biogasparks, erfüllt dieses Kriterium und hat bereits Neuland betreten: Im Frühjahr wurde neben einer Serie von 40 Gärbehältern in Penkun eine Düngemittelfabrik errichtet, die aus den Gärresten einen handelsfähigen Dünger produziert.

Für Betreiber von kleineren Anlagen in Viehveredelungsregionen ist das keine Option. „Sie müssen die Menge an Gärresten künftig möglichst gering halten“, meint Wetter. Bisher würden nur etwa 20 % der eingesetzten Biomasse tatsächlich zu Biogas verwertet. Die übrige Masse können die Bakterien nicht verzehren. Wetter: „Wenn wir diesen unverdaulichen Gärrest nachträglich nochmals aufschließen, etwa mit Hitze oder mit Enzymen, könnten wir die Ausbeute an Biogas erheblich steigern und die Menge an Gärrest verringern.“

Bei sehr großen Anlagen könnten die getrockneten Gärrückstände auch verheizt werden, bringt Wetter eine weitere Möglichkeit ins Spiel. „Es lohnt sich, insbesondere wenn sich eine Fernwärmeleitung oder ein BiomasseHeizkraftwerk in der Nähe befinden“, so der Forscher.

Verschiedene Firmen befassen sich bereits mit der erforderlichen Feuerungstechnik. Weiland bewertet diese Entwicklung jedoch kritisch: „Der wertvolle Phosphor in den Gärresten würde mitverbrannt. Deshalb sollte die stoffliche Verwertung den Vorrang vor der energetischen haben.“

Allerdings könnte die Verbrennung bestimmter Gärreste sogar notwendig werden, wenn diese zu hoch mit Schadstoffen belastet sind: Eine Untersuchung des österreichischen Institutes für Umwelt und Lebensmittelsicherheit des Landes Vorarlberg hatte erst im Juli zu Tage gefördert, dass die Rückstände teilweise große Mengen kationischer Tenside enthalten.

Kationische Tenside werden zum Abtöten von Bakterien und Algen in der Lebensmittel- und Futtermittelindustrie, aber auch in Ställen eingesetzt. Grenzwerte für diese Verbindungen gibt es derzeit noch nicht. Die Autoren der österreichischen Studie mahnen an, dass sich die Werte bereits in einem für die Umwelt bedenklichen Bereich bewegen. Wenn die Masse auf die Felder ausgebracht wird, könnten die Lebewesen im Boden und auf den Pflanzen Schaden nehmen. Das Institut fordert deshalb weitere Untersuchungen.

In Deutschland gibt es hierzu bislang keine Analysen. Weiland vermutet, dass Schadstoffe sich nur in den Anlagen anreichern, die mit Industrieabfällen etwa aus Schlachthöfen betrieben werden. Diese Kofermentanlagen werden auch von den österreichischen Kollegen verdächtigt: „Das Hauptaugenmerk muss auf die eingebrachten Abfälle, auf die Kofermente, gelenkt werden, da diese bezüglich der Schadstoffeinträge relevant sind.“

SUSANNE DONNER

 

Von Susanne Donner

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