Photovoltaik 19.09.2008, 19:37 Uhr

„Billigstrom der Zukunft kommt von der Sonne“  

Der Markt boomt, die Branche will bis 2020 den Anteil der Stroms aus Solarzellen europaweit auf 12 % anheben. Daher könnte Sonnenstrom bald konkurrenzfähig sein. Begründet sehen dies Experten auch in einer möglichen rapiden Senkung der Produktionskosten von Solarmodulen.

Wir erleben gerade eine dritte industrielle Revolution – den Aufbruch in das solare Zeitalter“, sagt Jeremy Rifkin, Gründer und Vorsitzender der „Foundation on Economic Trends“ in Washington, auf der 23. „European Photovoltaik Solar Energy Conference and Exhibition“ (EU PV SEC), die in der ersten Septemberwoche in Valencia stattfand.

Die Technologien sind ausgereift, jetzt brummt der Markt. Was Rifkin mit einer beginnenden Revolution gemeint hat, schlägt sich in den Wachstumsraten der Branche nieder. In Europa wird es bis Jahresende Kapazitäten für die Fertigung von Photovoltaikanlagen bis 3,5 GW Gesamtleistung jährlich geben, eine Steigerung von 54 % gegenüber dem Vorjahr.

Solche Zuwächse verzeichnet die Branche seit Jahren, und das Land, das diese Entwicklung technologisch und nach installierter Leistung mit großem Abstand anführt, ist Deutschland. Auf der Messe wurde deutlich, wie heterogen die weltweite Photovoltaikindustrie mit ihrer Vielzahl kleiner Entwickler- und Produzentenfirmen ist.

Weltweit größter Produzent ist die deutsche Firma Q-Cells, die sich mit 858 Mio. € Umsatz im Jahr 2007 und zahlreichen Zulieferern in der Region in weniger als zehn Jahren zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor in Sachsen-Anhalt entwickelt hat.

Sven Lehmann vom Berliner Photovoltaik-Institut ist sich sicher, dass Q-Cells nicht in diesem Umfang hätte wachsen können ohne das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz, das die Vergütung des in das Netz eingespeisten Stroms regelt. Es garantiert den Betreibern von Photovoltaikanlagen über einen Zeitraum von 20 Jahren einen festen Vergütungssatz für erzeugten Strom und gibt damit Investoren die benötigte Planungssicherheit.

Die Netzbetreiber sind gesetzlich verpflichtet, den Strom zu diesen Tarifen abzunehmen; sie geben die Kosten in den Strompreisen an die Verbraucher weiter. Es handelt sich also nicht um eine staatliche Förderung.

Um bei den Herstellern einen Anreiz für Kostensenkungen zu schaffen, reduziert sich der Tarif für neu installierte Anlagen jährlich um einen bestimmten Prozentsatz, was durch die bei steigenden Absätzen kontinuierlich sinkenden Kosten für Photovoltaikanlagen ausgeglichen wird.

Dass dieses Modell inzwischen weltweit adaptiert wird, war eines der großen Themen der Konferenz. Von etwa 50 Staaten wurde es bereits als Vorbild für eigene Gesetze herangezogen, 18 davon in Europa. Dabei unterscheidet sich sowohl die Höhe der Einspeisevergütung als auch die Länge der Laufzeit von Land zu Land erheblich. Allen Modellen ist gemeinsam, dass sie als Anschubhilfe konzipiert sind, weil man davon ausgeht, dass Photovoltaik schon in wenigen Jahren billiger sein wird als konventionell erzeugter Strom.

Paul Grunow, einer der Gründer von Q-Cells, rechnet vor, dass Solarstrom in Südeuropa schon in drei bis vier Jahren die Netzparität erreicht haben wird: „Genau dann in der Mittagszeit, wenn Solarzellen ihre Spitzenerzeugungszeiten haben, gibt es auch eine Spitze im Stromverbrauch“, sagt Grunow.

Wenn in wenigen Jahren die Strompreise europaweit nicht mehr pauschal, sondern tageszeitabhängig abgerechnet werden, gewinnt solar erzeugte Energie Wettbewerbsvorteile, so Winfried Hoffmann, Präsident der European Photovoltaic Industry Association (EPIA) und Manager von Applied Materials. In Valencia hat er sich mit anderen Vertretern der PV-Industrie vorgenommen, „bis 2020 den Anteil des Stroms aus Photovoltaik europaweit auf 12 % anzuheben“. Das wären 420 TWh (1 TWh = 1000 GWh) aus Solarzellen.

Ist das unrealistisch? „Nicht, wenn der Preis der Module bei einer erwarteten Verdopplung des Umsatzes um den Faktor fünf bis acht sinkt“, sagt Hoffmann. Auch Klaus Köln, Entwickler von Wechselrichtern für PV-Anlagen, ist sich sicher, dass der „Billigstrom der Zukunft von der Sonne kommt“.

Das Wachstum der Branche wird vom Wachstum des Photovoltaikkongresses in Valencia noch übertroffen: 715 Aussteller waren zur Messe gefahren – gegenüber 275 im Jahre 2005. Mit mehr als 4200 Besuchern aus 83 Ländern verzeichnete auch die Konferenz einen Rekord. Das zeigt, dass das Interesse an Photovoltaik noch stärker wächst als die Solarwirtschaft. Sie wird nicht mehr von Idealisten dominiert, sondern hat sich zu einem profitablen Markt entwickelt.

Die „Revolution“, von der Jeremy Rifkin spricht, steht erst an ihrem Anfang: Selbst im Vorreiterland Deutschland stammt weniger als 1 % der Primärenergie aus Photovoltaik. Dass sich das ändert, ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern eine ökologische Notwendigkeit, resümierte der Infrastruktur- und Transportminister der Region Valencia, Mario Flores Lanuza, in der Antrittsrede zur Konferenz: „Uns fehlt es nicht an Lösungen, uns fehlt es an Zeit.“ FRIEDERIKE RÜLL/mg

Von Friederike Rüll/Manfred Grotelüschen

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